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Sigmaringen Ex-Freundinnen stehen vor Gericht

Bizarrer Betrugsprozess wird in Sigmaringen vertagt. Streitfall: 44 500 Euro hat eine Frau ohne jeglichen Belege geliehen.

Vor Gericht prallen immer verschiedene Wahrnehmungen von Geschehnissen aufeinander, aber was sich jüngst vor dem Amtsgericht bei einem Betrugsprozess abspielte, das waren unterschiedliche Welten, ja Universen. Eine Frau wird beschuldigt, ihrer einst besten Freundin binnen zwei Jahren insgesamt 44 500 Euro unter Vortäuschung falscher Tatsachen aus der Tasche gezogen zu haben.

Die Staatsanwältin listet 80 Fälle auf, in denen die Beschuldigte 50, 100, 200, 1000 oder gar 10 000 Euro erhalten haben soll. Die Geschädigte übergab das Geld in Briefumschlägen oder brachte es Zuhause vorbei, wobei sie auch Lebensmittel lieferte, weil angeblich kein Geld da war. Die Geschädigte brauchte die Unterstützung, weil sie an Krebs erkrankte und ihre alternative Therapie nicht zahlen konnte. Sie habe ihrer gutgläubigen Freundin erzählt, dass sie eigentlich vermögend wäre und ihr Vater ihr in München 16 Wohnungen übertragen habe, aber wegen Steuerschulden samt Kontosperrung keinen Zugriff auf das Vermögen habe.

Als "gewerbsmäßig" bezeichnet die Anklagevertreterin das Vorgehen der Beschuldigten, die den Betrug gänzlich abstreitet. Auf die Frage von Richterin Nadine Zieher, ob sie sich jemals Geld von der Freundin geliehen hat, kommt ein eindeutiges lautes "Nein!" Ihr Ehemann und sie verdienten ausreichend, um gut über die Runden zu kommen und sie sei auch nie erkrankt. Die Beschuldigte bestätigt, dass sich die beiden Frauen beim Abholen ihrer Kinder vor der Schule kennenlernten, woraus sich eine Freundschaft entwickelte, die endete, weil sie immer öfter und massiver widersprochen habe.

"Warum sind wir dann hier?", fragt Richterin Zieher schließlich und die Beschuldigte erklärt mit Hinweis auf die Ex-Freundin: "Weil sie jemanden leiden sehen will!" Als erste Zeugin sagt eine 27-Jährige aus, die die Geschädigte seit vielen Jahren kennt. Die Situation mit den häufigen Geldausleihen sei ihr schon komisch vorgekommen, aber stets habe es eine plausibel klingende Erklärung wie die Krebserkrankung gegeben. Die Geschädigte habe sogar einen Kredit aufgenommen, um ihre Freundin zu unterstützen, aber irgendwann bei einer befreundeten Anwältin in ihrem Beisein angerufen, die entsetzt erklärte: "Das ist Betrug und die Frau ist eine Hochstaplerin!" Später habe man die Beschuldigte mit den Vorwürfen konfrontiert, die alles abstritt und erklärte: "Die Geschichten stimmen alle!"

Dann nimmt der Pflichtverteidiger die Zeugin schier ins Kreuzverhör und fragt: "Würden Sie für Ihre Freundin lügen?" Ein klares Nein ist die Antwort, gefolgt von der Einlassung des Anwaltes, dass es schon eine Verhandlung gegen sie wegen übler Nachrede gegeben habe. Sie habe einen Hundehalter beim Amt angezeigt, weil sie der Meinung war, dass das Tier schlecht gehalten werde und bei der Behördenkontrolle sei alles in Ordnung gewesen. Ob sie eine Geldübergabe zwischen den Frauen gesehen habe, fragt der Anwalt, was die Zeugin bejaht. "Jetzt lügst Du!", fährt die Beschuldigte sie daraufhin an. Tatsächlich hatte sie bei einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch nur gesehen, wie ein Briefumschlag übergeben wurde.

Dann wird die Geschädigte in den Zeugenstand gerufen, die erklärt, wie ihre Freundin weinend von der Krebsdiagnose, den gesperrten Konten erzählte und sie um Geld bat, wovon aber niemand etwas wissen sollte. Immer wieder habe sie versichert, dass sie über Millionenkonten verfüge und das Geld zwei- und dreifach zurückzahle. "Sie war aufgedunsen, hatte blaue Flecken", vermutete die Frau, dass ihre Freundin sogar vom Ehemann verprügelt wird. Sie schildert das Ende der Beziehung, das nach dem Telefonat mit ihrer Schulfreundin erfolgte, die Richterin ist. "Ich habe das Gespräch aufgenommen", sagt sie und übergibt eine CD an Richterin Zieher, die ergänzt, dass die Abschrift des Gesprächs schon in der Akte stehe.

Sie komme sich wie ein Trottel vor und schäme sich, erklärt die Frau, dass sie sogar Lebensmittel vorbeigebracht habe. Die Beschuldigte habe sie bewusst ausgesucht, ist die studierte Frau überzeugt und erklärt, dass sie bei den Geldübergaben nie etwas Schriftliches gefordert beziehungsweise erhalten hat. Der Pflichtverteidiger schont die Belastungszeugin nicht, fragt nach und bekommt immer gereiztere Antworten. Eigentlich waren für die Verhandlung 2,5 Stunden angesetzt und schon klopft es an der Tür. Draußen warten Polizeibeamte mit einem Häftling, gegen den schon seit 20 Minuten verhandelt werden sollte. Richterin Zieher vertagt den Prozess und der Verteidigter kündigt an, dass er beim Fortsetzungstermin im April ein Glaubwürdigkeitsgutachten für die Geschädigte fordern wird.

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