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Sigmaringen Debatte über Spielsüchtige im Landratsamt

Die Kreisverwaltung legt eine umfangreiche Dokumentation zur Suchthilfe 2016 vor. Der Ausschuss diskutiert über die einzelnen Handlungsfelder. Rotarier aus Sigmaringen spenden 5000 Euro für Präventionsausstellung zum Thema Essstörung.

In der Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses hat die Kreisverwaltung das "Suchthilfekonzept 2016" vorgelegt. Dieses Dokument zeige die komplette Bandbereite von Süchten auf, empfahl Landrätin Stefanie Bürkle ein intensives Studium, zumal differenziert auf einzelne Bedarfslagen eingegangen werde. Weiter ins Detail ging Sozialdezernent Frank Veser, der mit der kommunalen Suchtbeauftragten Janine Stark für diesen 56 Seiten umfassenden Inhalt verantwortlich zeichnet.

Veser zog ein kurzes Resümee zu der seit Ende 2008 entwickelten Struktur und streifte einzelne Handlungsfelder. Die Arbeit im kommunalen Netzwerk für Suchthilfe und -prävention würde als sehr gut bewertet, wie Umfrage-Grafiken belegen. Intensiver beschäftigte sich der Sozialdezernent mit der Prävention Essstörungen. Die prämiert interaktive Ausstellung "Klang meines Körpers" möchte das Sozialdezernat in diesem Jahr zum Thema in den Landkreis holen, um so in eine qualifizierte und zertifizierte Präventionsarbeit einsteigen zu können – mit Unterstützung des Rotary Clubs Sigmaringen. der vom Projekt überzeugt, dem Landkreis 5000 Euro gespendet hat.

Bei der Glückspielprävention würden sich die Angebote vornehmlich an ältere Jugendliche und jugendliche Erwachsene richten. Hierfür seien Fachkräfte im Einsatz, die sich auf Beratung und Behandlung von Spielsüchtigen spezialisiert haben, aus dem Team der Suchtberatungsstelle. Diskussionen löste im Ausschuss der im Bericht festgehaltene, verhängte Aufnahmestopp ab November für Ratsuchende aus, die wegen der gestiegenen Fallzahlen oder eines intensiveren Beratungsbedarfs abgewiesen worden sind. Der spontane Vorschlag des Bürgermeisters von Mengen, Stefan Bubeck (CDU), vor Ort eine weitere sogar räumlich kostenfreie Suchtberatungsstelle auf die Schnelle einzurichten, lässt sich laut Veser wegen der vertraglichen Prüfung mit dem Trägerverein kurzfristig so nicht realisieren.

"Wir doktern nur an den Symptomen herum – mit viel Geld und viel Engagement", beschrieb Doris Schröter (Freie Wähler), Bürgermeisterin von Bad Saulgau, die Schwierigkeiten angesichts der gesellschaftlichen Verhältnisse. Stefan Bubeck formulierte es drastisch: "Wäre man konsequent, müsste man die Suchthilfe einstellen!" CDU-Kreisrat Adolf Maier, Arzt aus Bad Saulgau, verdeutlichte, wie viel Leid die Familien von Spielsüchtigen zu ertragen hätten und appellierte an die Bürgermeister, ob sie nicht an der Schraube drehen wollten und Spielcasinos vor Ort auflösen: "Ich sehe mehr Spielsüchtige als magersüchtige Mädchen!" Nach Meinung der Landrätin sei dies zu kurz gegriffen. Stefan Bubeck berichtete, dass in seiner Stadt vor Jahren damit begonnen wurde, ein Vergnügungsstättenkonzept abzuschließen und die Vergnügungssteuer zu erhöhen.

Aktuell würde in Sigmaringen vor Gericht ein Prozess geführt, indem ein Mengener Betreiber eine halbe Million Euro einfordert. Bubeck ergänzt dazu: "Aus sieben Spielhallen sind in Mengen fünf geworden, der Umsatz ist derselbe geblieben. Die Vergnügungssteuer darf keine erdrosselnde Wirkung haben. Da gibt es Urteile, die den Spielhallenbetreibern Recht gegeben haben!"

Suchtberatungsleiter Klaus Harter: "Das ist ein Riesenthema"

Der zunehmende Alkoholkonsum bei den Flüchtlingen besorgt Bürger und Behörden.

Was nichts mit dem vorgelegten Dokument des Suchthilfekonzepts zu tun hat, ist in der Ausschuss-Sitzung des Kreistags dennoch ein Thema: Der Alkoholkonsum bei den Flüchtlingen in der Erstaufnahme, Nach Aussage von Sigmaringens Bürgerneister Thomas Schärer hat dieser merklich zugenommen. "Ein zentrales Problem", sagt das Stadtoberhaupt. Er bekäme Briefe von Bürgern, die sich darüber empörten und ihm vorwarfen, dass er in dieser Angelegenheit völlig untätig sei. Schärer sagte, er hätte sich für die Flüchtlinge einen Flyer in allen Sprachen gewünscht, der klare Verhaltensregeln auflistet. "Wir müssen daran arbeiten, das sind wir den Bürgern schuldig!" Die Landrätin sah die Kreisverwaltung da nicht an allererster Stelle in der Pflicht, das Land sei hierbei gefordert. Sie forderte den im Saal anwesenden Klaus Harter, Leiter der Suchtberatungsstelle Sigmaringen, zu einer kurzen Stellungnahme auf. "Das ist ein Riesenthema", bestätigte dieser. Man habe die Konsumentwicklung der Flüchtlinge genau auf dem Schirm, nur sei ihre Verweildauer zu kurz in der Erstaufnahme. Und letztendlich sei die Umsetzung einer Suchtberatungsstrtegie auch am Kompetenzgerangel der unterschiedlichen Institutionen gescheitert.

Jürgen Witt

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