Die Heuneburg und somit auch der Landkreis Sigmaringen werden um eine archäologische Attraktivität reicher. Das wurde gestern bei einer Pressekonferenz auf der Heuneburg, die wohl bedeutendste und älteste Keltenschanze, in Hohentengen-Hundersingen deutlich. Nachdem 2005 Reste eines Steintores aus dem 6. Jahrhundert vor Christus und somit wohl das älteste bekannte, monumentalste Tor dieser Art gefunden wurde, sollen diese archäologischen Raritäten gesichert und eine Art Nachbau geschaffen werden, der Besuchern einen Eindruck der ehemaligen Toranlage vermittelt. Das ist nur möglich, weil das Land Baden-Württemberg die Kosten in Höhe von 500 000 Euro übernimmt, wie Staatssekretär Ingo Rust, Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, gestern bestätigte. Er erklärte: „Später sollen die Besucher die Heuneburg wie einst die Kelten betreten. Das neue Tor soll ein historischer Appetithappen auf die weiteren Erlebnisse auf der Heuneburg sein.“
Deshalb gibt es ein Konzept zur Sicherung des freigelegten, empfindlichen Mauerwerks und einen fachlich fundierten, archäologischen Plan mit Besucher gerechter Lösung. Die beiden Konzeptionen stellten gestern Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Landesarchäologe Dirk L. Krauße und Manuel Fernandez-Götz vom Landesamt für Denkmalpflege vor. Mit in der Runde war der Bürgermeister von Herbertingen, Michael Schrenk. Das vom Landesamt für Denkmalpflege archäologisch untersuchte Steintor der Vorburg der Heuneburg, stelle eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen in Baden-Württemberg dar. Seit der seiner Entdeckung stelle sich immer wieder die Frage nach Erhaltung und öffentlicher Präsentation dieser außergewöhnlichen Anlage, machte auch Landesarchäologe Krauße deutlich.
Noch vor 1827 bestand wohl mehr davon, bevor die Steine verschwanden und mutmaßlich anderweitig verbaut worden waren. Vor dem Tor sei ein sieben Meter tiefer Graben gewesen, dahinter eine Treppe, die auf den Wall geführt haben könnte“, so Krauße. Die rechten Torwangen seien besser erhalten als die linken. Man gehe von einer Lehmziegelkonstruktion aus. Erste Lösung sei gewesen, das Steintor in Gebäude einzutoren, aber wieder aus archäologischen Gründen zur Erhaltung des wertvollen Schatzes verworfen worden. Jetzt habe man sich für den Erhalt der Tormauern unter einer Bodendecke und einer Rekonstruktion des Steintores für Besucher entschlossen. „Aber, eine Rekonstruktion bedeutet immer nur Annäherung an die damalige Wirklichkeit“, so der Archäologe.
Der Grundriss des Tores sei aber überwiegend nachgewiesen. Manuel Fernandez-Götz betonte, dass der archäologische Fund kaputt gegangen wäre, hätte man ihn im Original in der Nachkonstruktion eingebaut. Um das zu verhindern wü0rden jetzt die Mauerreste zur Sicherung über den Winter mit Boden zugedeckt. Nächstes Jahr sollen dann seiner Auskunft nach; mit der Rekonstruktion begonnen werden. Der Wall werde wieder aufgeschüttet, die Fundsituation wieder hergestellt. Der bisherige Weg zum benachbarten „Talhof“ müsse verlegt werden. Die Visualisierung des Steintores werde dann auf der Zuschüttung entstehen mit Wall, Brücke und Toreingang. Drei Tafeln und ein Monitor würden die Besucher dazu informieren. „Ich denke, wir haben einen Kompromiss gefunden, der einerseits den monumentalen Fund für spätere Generationen sichert und Besuchern einen Eindruck davon vermittelt“, so Fernandez-Götz.
