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Schwenningen Fünf Waldrefugien entstehen

Der Gemeinderat hat beschlossen, sieben Hektar Fläche des Gemeindewalds mit 65 362 Quadratmetern als Waldrefugien ausweisen zu lassen.

Das entspricht zwei Prozent der Gesamtwaldfläche und beinhaltet sechs Habitatbaumgruppen. Pro Quadratmeter Waldrefugien bekommt die Gemeinde vier Ökopunkte gut geschrieben. Somit ergeben sich 261 448 Ökopunkte, erfuhren die Räte in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Der Gesetzgeber hat den Wert von einem Ökopunkt ursprünglich auf 25 Cent festgelegt. In manchen Regionen wie der Daimler-Teststrecke in Immendingen besitzt ein Ökopunkt derzeit einen Wert von etwa einem Euro. Auf Vorschlag von Gemeinderat Vinzenz Greber wird der Gemeinderat in seiner Mai-Sitzung über das Konzept zur Verwendung der Ökopunkte beraten. Im Rat war aber schon jetzt die Meinung vorhanden, dass man die Punkte nicht an Städte oder Gemeinden verkaufen soll. Den Ökopunkten werden in den kommenden zehn Jahren jährlich drei Prozent Zinsen gut geschrieben.

In der Sitzung waren der Leiter des Fachbereichs Forst beim Landratsamt Sigmaringen, Jörg Scham, und Revierförster Jürgen Kuhl anwesend. Scham stellte das Alt- und Totholzkonzept vor. Von den zehn geplanten Waldrefugien seien nun noch fünf übrig geblieben. Diese befinden sich in den Gewannen Haidenbühl mit 25 153, Horemerholz mit 8571, Staudenbühl mit 7810, Finstertal mit 10 930 und Schnaidkapf mit 12 899 Quadratmetern. "Die Gemeinde Schwenningen braucht für jegliche Planung ihre Ökopunkte zur Kompensation", stellte Scham fest. Das bedeute den Nutzungsverzicht von überwiegend Buchenwald zu Gunsten von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bei Bauvorhaben. Dies geschehe durch die Ausweisung von Bannwäldern oder im Falle von Schwenningen durch die kleinere Variante, die Waldrefugien.

Zwei Prozent des Wirtschaftswalds im Gemeindewald Schwenningen werden so künftig still gelegt und dienen als Lebensraum von Pflanzen und Tieren. "Wir sind ökologisch senbibler geworden", stellte der Forstmann fest.

Ratsmitglied Daniel Sprissler sagte dazu: "Die Erhaltung der Artenvielfalt ist auch für die kommenden Generationen wichtig." Gemeinderat Hansjörg Friedrich plädierte dafür, dass bei Bauwünschen von Bürgern, die eigenen Wald besitzen, keine Ökopunkte der Gemeinde eingesetzt werden. Kollege Fritz Grad war gegen den Verkauf von Ökopunkten. Die Frage von Hansjörg Friedrich, ob die Waldrefugien auch als Friedhöfe genutzt werden können, musste Scham verneinen. Fritz Grad hätte gerne noch den Hornwald, also den Bereich direkt oberhalb des Baugebietes Horn zum Waldrefugium gemacht. Dies sei aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, entgegnete ihm Kuhl. Die Buchenbestände seien noch nicht alt genug.

 

Definition

Waldrefugien sind Bestandsteile oder Kleinbestände ab einem bis drei (maximal zehn, in Ausnahmefällen zwanzig) Hektar Größe, die kartografisch erfasst ihrer natürlichen Entwicklung und dem Zerfall überlassen werden. Es erfolgen dort keine Maßnahmen mit Ausnahme: Verkehrssicherung, Waldschutz und naturschutzfachliche Pflege von Artenlebensstätten. Kriterien für die Auswahl sind Buchenbestände von über 160 Jahren oder Eiben und Tannen von über 220 Jahren, Wälder mit ununterbrochener Habitat-Tradition, die Bewirtschaftungsintensität, der Standort oder die Erschließung. Weitere Kriterien sind der Schutzstatus, die Lage und Vernetzung sowie die Waldbiotop-Kartierung mit der ökologischen Bedeutung – etwa zu besonderen Arten. (wk)

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