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Scheer Kurios: Scheerer machen das Rauchen zum Sport

28.11.2011
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Die Mitglieder des Rauch-Clubs in Scheer qualmen sich gemeinsam zu sportlichen Erfolgen. Langsamrauchen ist dabei ihr Ziel.

„Rauchen gefährdet ihre Gesundheit“, steht auf den Packungen, die Tabakwaren enthalten. Das gilt auch für die Zigarillos, die beim Rauch-Club “Gemütlichkeit“ angezündet werden. Nur: Die Gesundheit sei da bei den meisten Club-Mitgliedern nicht gefährdet, so heißt es. Sie sind nämlich jenseits des Trainings Nichtraucher. Und das gilt natürlich auch für Club-Chef Roland Rieder. Der 46-Jährige ist Vorsitzender einer Vereinigung von „Sportlern“ der besonderen Art.

Scheer ist ein kleines Städtchen im Landkreis Sigmaringen mit knapp 2500 Einwohnern und einem Schloss auf einem Felsen über der Donau – und eben dem Rauch-Club „Gemütlichkeit“. Der wurde 1905 gegründet und das Ziel war „die Pflege des gemütlichen Zigarrenrauchens und unterhaltsamer Gesellschaftsspiele“, wie es in der Vereins-Chronik heißt.

Im Laufe der Zeit hat sich so manches geändert im Club-Leben: Gemütlich geht es zwar immer noch zu, aber geraucht wird um die Wette. Und die regelmäßigen Treffen zum „Training“ sind weniger geworden. Das liegt daran, dass die Anzahl der Wettbewerbe zurückgeht. Und auch das Rauchverbot in den Gaststätten dürfte wohl eher kontraproduktiv sein. Club-Chef Rieder sieht das nicht so. 28 Mitglieder zählt der Verein derzeit und es kommen immer wieder neue dazu. Wenn jemand stirbt, dann liegt das meistens am Alter und nicht am Rauchen. Denn inhaliert wird nicht, wenn es heißt „gebt Feuer“.

Ertönt dieses Kommando, dann werden die Zigarren oder Zigarillos mit angezündet. „Mit Streichhölzern natürlich“, sagt Irmgard Rieder. Sie ist nicht nur die Ehefrau vom Club-Chef sondern auch gleich noch die Schriftführerin der „Gemütlichkeit“. Es hat alles seine Ordnung. Ein Vorstand, eine Satzung, regelmäßige Treffen – eigentlich ein Verein wie jeder andere. Eben nicht! Denn wer hat schon das Qualmen als Vereinsziel? Dabei ist das eine ganz ernsthafte Sache, die Geduld, das nötige „Knowhow“, ein ruhiges Händchen und ein Quäntchen Glück benötigt.

Denn das Wettrauchen dient nicht etwa dazu, möglichst viele der sieben Zentimeter langen und acht Millimeter dicken Zigarillos zu rauchen. Im Gegenteil. Während des ganzen Wettrauchens wird nur ein einziges Zigarillo geraucht. Unter Aufsicht von Kontrolleuren und Zeitmessern wird ganz langsam gepafft. Was da so gemütlich aussieht, das ist auch eine Sache der Konzentration. Ziel ist es, sein Zigarillo möglichst lange glimmen zu lassen. Geht das Ding aus, dann hat der Mann verloren – oder Frau. Denn die Wettbewerbe im Langsamrauchen sind keineswegs eine Domäne der Männer. Und zudem: „Frauen sind einfach besser“, wie Roland Rieder mit einem leichten Anflug von Neid zugeben muss. Aber für beide Geschlechter gilt: Sich die Finger oder die Lippen zu verbrennen, das kommt schon mal vor. Denn jeder versucht, zu rauchen, bis fast nichts mehr vom Zigarillo übrig ist.

In der ganzen Bundeswettrauchgeschichte, die 1972 beginnt, hat der Rauch-Club Scheer schon oft erfolgreich teilgenommen. Sogar Deutsche Meister waren schon in den Reihen der Raucher von der Donau. Früher wurden vor allem Zigarren benutzt, da war die Handhabung etwas einfacher. Denn am hinteren Ende waren die Fehlfarben mit einer Schnur umwickelt, an der eine Münze hing. Wenn die runter gefallen ist, dann war für den Raucher der Wettbewerb zu Ende. So hat Josef Nussbaum aus Scheer einmal 278 Minuten an einer Zigarre gesogen. Das war dann wirklich meisterlich.

Seit vorwiegend Zigarillos benutzt werden, sind die Glimmzeiten deutlich kürzer. So hat Irmgard Rieder bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften 40 Minuten durchgehalten – ihr Mann nur 35. Doch in einer Sache sind beide gleich auf: Im Haus wird nicht geraucht. „Ich habe leider gar nichts zum Rauchen im Haus“, gibt Roland Rieder zu, als die Frage nach dem Foto gestellt wird. Es hat dann aber doch noch geklappt – in der Garage. Verstärkung gab es durch die Nachbarn Anneliese und Rudolf Binder und Olga Voggel. Es wohnen nämlich mehrere Club-Mitglieder in der gleichen Straße. Das ist praktisch, wenn man mal zwischendrin „trainieren“ will. Denn dass man sich dabei nebenher unterhält, ist klar. Schließlich hat man das Zigarillo ja nicht ständig im Mund. Erst wenn die Glut auszugehen droht wird sanft daran gezogen. Man darf auch mal blasen, aber schön vorsichtig, denn sonst brennt das Ding zu schnell runter und jemand anders wird Sieger. Ganz schön aufregend, oder? „Gar nicht. Es ist eine gemütliche Sache, man muss nur wissen, wie es geht“, sagt das Raucherquintett und schaut gleich nach, ob die Glut noch sichtbar ist.

an sowieso
Es geht darum, wie berichtet wird. Ich habe das angedeutet: Hätte man die Sache mit einer ...
an sowieso
Es geht darum, wie berichtet wird. Ich habe das angedeutet: Hätte man die Sache mit einer ...
na und
soviel mir bekannt ist hat man in diesem Land diese Freiheit.
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