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Sauldorf Jäger in Rast darf Schafe im Gehege abschießen

Die Nachbarn wollen deshalb ihr Haus verkaufen und wegziehen, die rechtliche Situation ist für Behörden aber eindeutig.

Erika Hesse und ihr Lebensgefährte Karl-Heinz Ferst wollen nach 17 Jahren ihr Haus am Dorfrand von Rast verkaufen und wegziehen. Sie können es nicht ertragen, dass auf dem Nachbargrundstück Jäger Kurt Stadler mit behördlicher Erlaubnis ein paar Mal im Jahr Wildschafe im Gehege mit seiner Jagdwaffe erlegt, sagen sie. Bürgermeister Wolfgang Sigrist hat Verständnis für das Anliegen der beiden Beschwerdeführer, kann aber nur auf die gültige Rechtslage verweisen. „Mir wäre es auch lieber, wenn die Tierhaltung in dem Gehege ohne Abschuss funktionieren würde“, so Sigrist. Aber wenn es keinen anderen Weg gebe, müsse der Abschuss halt sein. Sigrist sorgt sich auch um die Schüler in der einige hundert Meter entfernten Grundschule und betont: „Stadler schießt nicht während der Unterrichtszeiten.“

Kurt Stadler ist seit 30 Jahren Jäger. Als der frühere Halter der damals kleinen Schafherde ins Altersheim musste, übernahm es Stadler, für die Herde zu sorgen. Damit sich die Soayschafe nicht endlos vermehren, hat Stadler vom Landratsamt Sigmaringen die Erlaubnis erhalten, Tiere im Gehege mit seiner Jagdwaffe zu erlegen. Das ist, so Sabine Stark, das gleiche Verfahren, wie es kreisweit in drei anderen Fällen auch gilt. Im Verwaltungsbereich Pfullendorf sind es, wie Sachbearbeiter Gehard Dippel berichtet, ebenfalls vier entsprechende Schießgenehmigungen. Die Genehmigungen gelten nur jeweils für ein Gehege. Betroffen sind neben den Sauldorfer Wildschafen besonders Damhirsche und in einem Fall in Kleinstadelhofen sogar Bisons.

Diese Abschussgenehmigungen sind, wie Sabine Stark beschreibt, an Auflagen gebunden. Die Pressesprecherin: „Der Jäger muss, wie bei jeder Schussabgabe im Wald, für eine gesicherte Schussabgabe sorgen. Die Grundlagen hierfür lernen Jäger in einer fundierten Jägerausbildung.“ Bei Abweichungen riskiere der Schütze seinen Jagdschein. Daher liege es im Eigeninteresse des Jägers, die Vorgaben des Landratsamtes einzuhalten. Welche konkreten Auflagen Kurt Stadler befolgen muss, unterliegen laut Landratsamt dem Datenschutz. Die Gemeindeverwaltung bekommt eine Ausfertigung der Schießerlaubnis und ist gehalten, dem Landratsamt mögliche Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung mitzuteilen. Die Pressesprecherin: „Im Jahr fallen durchschnittlich zehn Schuss, überwiegend verteilt auf die Monate November, Dezember und Januar.“

Aus Sicht der Verwaltung also ein ganz normaler Vorgang. Nicht jedoch für Erika Hesse: „Ungefähr zwei bis drei Mal im Jahr werden nur wenige Meter von unserem Haus entfernt mehrere Schafe nacheinander abgeschossen.“ Die Folgen für sie beschreibt Hesse so: „Gerade in Zeiten wie diesen sind wir irritiert beim Anblick von sichtbar geführten Jagdwaffen, Angst- und Bedrohungszustände werden geschürt.“ Stadler selbst bedauert die Situation, meint aber, weil es Wildschafe seien, nicht anders handeln zu können und sagt: „Ich bin kein Totschießer.“

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