Gesetzentwurf: Das geplante Verbot begründet der Bundesrat (Drucksache 479/10) unter anderem mit dem Heiß- und Kaltbrand, der durch den Schenkelbrand ausgelöst wird. Dieser sei mit teils erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden verbundenen Zerstörungen von Geweben grundsätzlich verboten. Mittlerweile stünden für die Kennzeichnung unter die Haut implantierbare Transponder zur Verfügung, deren Anbringung mit wesentlich weniger Schmerzen für die Tiere verbunden sei.
Befürworter: Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner betont immer wieder, dass Deutschland beim Tierschutz international eine Führungsrolle einnehme. Mit den neuen Regelungen erhöhten sich die nationalen Tierschutz-Standards weiter, denn das Wohl der Tiere genieße eine hohe Priorität. Da der elektronische Mikrochip zur Kennzeichnung von Pferden vorgeschrieben ist, ist der Schenkelbrand nicht mehr vertretbar und soll aus Tierschutzgründen aus dem Gesetz gestrichen werden.
Gegner: Reiter und Pferdezüchter laufen Sturm gegen die Abschaffung der jahrhundertealten Tradition. Der Schenkelbrand sei eine fälschungssichere, gut les- und erkennbare Form der Kennzeichnung, die zudem als prägnantes Markenzeichen der Zuchtverbände Bedeutung im internationalen Pferdehandel habe. Sie verweisen auf EU-Länder wie Österreich, Spanien oder Großbritannien, die eine alternative Kennzeichnung mittels Schenkelbrand zulassen.
Alternative: Um eine sichere Einzeltieridentifizierung von Tieren, auch zur Erfüllung der rechtlich gebotenen Tierseuchenbekämpfung sicherzustellen, hat sich der Gesetzgeber für den Transponder als geeignetes Mittel entschieden. Dazu wird ein Mikrochip unter der Haut im Halsbereich implantiert. Bei Trabern oder der Vollblutzucht wird das Verfahren seit den 90er Jahren angewendet. Bei Hunden und Katzen kommt die Technik auch zum Einsatz, um beispielsweise entlaufene Tiere identifizieren und ihren Besitzern zuordnen zu können.
Prominente Unterstützer: Während Bundesministerin Ilse Aigner sich für ein Verbot des Schenkelbrandes einsetzt, plädieren ihre Kabinettskollegen Guido Westerwelle und Ursula von der Leyen für die bisherige Regelung. Die Pferdezuchtverbände und die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) haben eine Unterschriftenaktion für die Beibehaltung gestartet.