Vor 15 Jahren betraten in Berlin die Artisten eines besonderen Zirkus erstmals die Manege: Der Circus „Sonnenstich“ macht professionelle Zirkus-Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom und anderen Besonderheiten. Inzwischen sind die Artisten Profis und das Ensemble gehört zum Zentrum für bewegte Kunst. Die Frauen und Männer zeichnen sich durch eine eigene Seinsweise aus. Ihre Shows zeigen, zu welchen künstlerischen und körperlichen Leistungen Menschen in der Lage sind, wenn sie ihren Potentialen entsprechend intensiv und langfristig gefördert werden. Die Arbeit bedeutet eine echte Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben. Der Zirkus „Sonnenstich“ gastiert nun im Rahmen des Veranstaltungsfestivals „Kufe12“ vom 23. bis 25. August in der Dorfgemeinschaft Lautenbach. Organisiert wurde die Tournee und die besonderen Auftritt von Festivalchef André Heygster.
Durch den unverwechselbaren Stil hat sich „Sonnenstich“ eine wichtige Stellung in der zirkuspädagogischen Szene Deutschlands erobert. Die artistische Ausbildung der Protagonisten geht dabei Hand in Hand mit der Entwicklung speziell auf Menschen mit Down-Syndrom und anderen Lernschwierigkeiten orientierten pädagogischen und künstlerischen Handlungsweisen. Ein Team aus Zirkus- und Theaterpädagogen, Kulturwissenschaftlern, Artisten und Physiotherapeuten trainiert mittlerweile 27 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene drei Mal wöchentlich.
Unterricht werden sie in einem breit gefächerten Feld an Bewegungskünsten aus den Bereichen Artistik, Tanz und Theater. Die Trainer verstehen die Arbeit mit ihren gehandicapten Schützlingen als ganzheitliche Kommunikation mit allen Sinnen.
Sie zergliedern die akrobatischen Tricks in kleine Bewegungsatome machen sie über bildhafte Grundprinzipien für die Artisten verständlich. Partnerübungen verstärken dabei das Grundvertrauen.
Seit der Gründung hat sich der Zirkus zu einem „Dauerläufer“ entwickelt, lobte nicht nur der Berliner Innensenator Erhart Körting im Jubiläumsjahr 2011, als man das 15-jährige Bestehen feierte. Für die damalige Gala übern ahm die Schauspielerin Katharina Wackernagel die Schirmherrschaft. Sie hat zum Sonnenstich-Projekt eine sehr enge Beziehung. Im Film „Die Mongolettes – Wir wollen rocken!“ spielte sie die Filmmutter von Anna Lange, einer Artistin des Zirkus. Im September 2011 gründete das „Circus Sonnenstich“-Team den Verein „Zentrum für bewegte Kunst e.V.“. Dieser ist seitdem Dachorganisation für das Ensemble und weitere Projekte und Bildungsangebote.
