Der 35-jährige promovierte Wirtschaftsgeograf Bernhard Kräußlich ist Geschäftsführer der neu gegründeten Wirtschaftsförderungs- und Standortmarketinggesellschaft des Landkreises Sigmaringen (WIS).
Einige Kommunen beschäftigen eigene Wirtschaftsförderer, gibt's da keine Konkurrenz?
Nein, absolut nicht. Meine Aufgabe besteht darin, den gesamten Landkreis Sigmaringen für potenzielle Investoren interessant zu machen und dabei bin ich natürlich auf die Unterstützung der kommunalen Wirtschaftsförderer angewiesen. Klar ist, dass unser Landkreis kein eindeutiges Wirtschaftszentrum hat, sondern mehrere Zentren, die sich auch an Nachbarkreisen orientieren. Bad Saulgau hat Biberach und Ravensburg, Pfullendorf den Bodensee und die Albgemeinden orientieren sich Richtung Albstadt. Aber wir müssen uns trotzdem als Landkreis präsentieren.
Wie sieht die Zusammenarbeit der Wirtschaftsförderer aus?
Wir hatten bereits ein Treffen, wo wir uns ausgetauscht haben. Deutlich wurde, dass unsere mittelständisch geprägte Wirtschaft die Krise gut überstanden hat. Der Mittelstand ist seit Jahren konstant, so verändert sich die Zahl der Betriebe mit mehr als 20 Arbeitnehmern kaum nach oben oder unten.
Was bietet der Landkreis für Investoren?
Wir verfügen über 122 Hektar ausgewiesene Gewerbefläche, darunter 22 Hektar Industriefläche. Im Kammerbezirk Bodensee-Oberschwaben hat nur der Kreis Sigmaringen solche Flächen.
Gibt es überhaupt Interessenten für die Gewerbeflächen?
Ich kann Ihnen versichern, dass es Anfragen gibt. Viele Unternehmen, besonders in der unmittelbaren Bodenseeregion haben keinerlei Möglichkeiten zur Expansion. Derzeit erleben die Firmen einen Auftragsboom und stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Allerdings sind viele noch zurückhalten, ob sie beispielsweise erweitern wollen. Aber, wenn sie von einer günstigen Wirtschaftsentwicklung überzeugt sind, müssen sie eine Entscheidung treffen und dann muss der Kreis bereit stehen.
Aber jede Kommune versucht doch, ihr Gewerbegebiet voll zu kriegen?
Das stimmt, aber vor allem für kleinere Kommunen wird es künftig schwieriger allein weitere Flächen auszuweisen.
Fragen: Siegfried Volk
