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Pfullendorf Vergewaltigungsprozess: Angeklagter Ex-Soldat rastet aus

Am dritten Verhandlungstag im Vergewaltigungsprozess kam es zu einem Zwischenfall im Gerichtssaal. Der angeklagte Ex-Soldat rastete aus. Die Verhandlung musste unterbrochen werden.

Das Gebrüll des Angeklagten war noch durch die geschlossene Tür auf dem Korridor vor dem großen Sitzungssaal des Landgerichts Hechingen zu hören. Ein im Gang sitzender Pfleger des psychiatrischen Krankenhauses in Wiesloch eilte in den Saal. Durch die für kurze Zeit geöffnete Tür war zu sehen, wie zwei Polizeibeamte den Angeklagten auf seinen Stuhl drückten. Dann war die Türe wieder zu. Wenig später verließ die weinende Zeugin den Gerichtssaal. Wieder war ein kurzer Blick möglich. Der Platz des Angeklagten war nun leer. Offenbar wurde der Angeklagte in eine Zelle gebracht. Erst nach einiger Zeit konnte die Vernehmung der Frau fortgesetzt werden.

Mindestens vier Polizisten ständig im Saal

Diese Szene bildete den Höhepunkt des dritten Verhandlungstages gegen den ehemaligen Bundeswehrsoldaten aus Pfullendorf, der sich unter anderem wegen zweifacher Vergewaltigung vor der Großen Strafkammer des Landgerichts zu verantworten hat.

Am späten Vormittag und über die Mittagszeit stand die Vernehmung jener Frau an, die der Angeklagte am 9. Juli 2011 und am 20. März 2012 laut Anklageschrift vergewaltigt haben soll. Für die Dauer ihrer Vernehmung war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Während dieser Vernehmung rastete der Ex-Soldat aus. Im Saal waren ständig mindestens vier Polizeibeamte einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) der Bereitschaftspolizei. Einer der Beamten sagte im SÜDKURIER-Gespräch: „Wir haben eine besondere Ausbildung, die mit der Ausbildung des Angeklagten vergleichbar ist.“

34-Jähriger ist ausgebildeter Nahkämpfer

Denn der Angeklagte ist ausgebildeter Nahkämpfer. Er gehörte zu den in Pfullendorf stationierten Fernspähern und war ein sehr guter Soldat. Das jedenfalls sagte sein ehemaliger Kompaniefeldwebel aus, der am Freitag die Reihe der Zeugen eröffnete. Soldatisch war dem Angeklagten während seiner Dienstzeit nichts vorzuwerfen. Im Gegenteil, er erledigte seine Aufgaben hervorragend, was ihm, so sein früherer Vorgesetzter, mitunter die Missbilligung seiner Kameraden einbrachte.

2010 kam es zum ersten persönlichen Gespräch zwischen dem Zeugen und dem heutigen Angeklagten. Darin berichtete der seinem Vorgesetzten von seinen Problemen mit seiner Lebenspartnerin. Er befürchtete damals, dass sie eine Prostituierte sei. Diese Anschuldigungen steigerten sich im Laufe der nächsten Monate. Zunächst, so der Zeuge zusammenfassend auf die Frage des psychiatrischen Gutachters, sei der Hauptfeldwebel davon ausgegangen, dass die Lebensgefährtin von Leuten aus dem Rockermilieu zur Prostitution gezwungen werde. Dann ging er davon aus, diese Leute würden ihn überwachen und schließlich beschuldigte er sogar seinen inzwischen zu einer Art Freund gewordenen Vorgesetzten, ein Verräter zu sein und einem Motorradclub anzugehören. Die Vorgesetzten zogen ihn aus der Verwaltung der Waffenkammer ab und er bekam auch dienstlich keine Schusswaffe mehr ausgehändigt. Er hatte unter anderem angekündigt, mit den Leuten, die ihn beobachten, „abrechnen“ zu wollen.



Der Tag hatte mit der Verlesung eines Geständnisses des Angeklagten begonnen. In einem Schreiben an den Vorsitzenden Richter Herbert Anderer hatte der Ex-Soldat alle ihm vorgeworfenen Straftaten zugegeben, mit Ausnahme der beiden Vergewaltigungen.

Das Sexualleben des Angeklagten war bereits am zweiten Verhandlungstag in der Vorwoche von einem Beamten der Polizeidirektion Sigmaringen geschildert worden. Bei der Vernehmung durch die Polizei habe die Frau „deutliche Anzeichen von Angst“ gezeigt.

Die am Freitag als Zeugin aussagende Freundin des Vergewaltigungsopfers bestätigte ihre Angst. Sie habe den Angeklagten aber trotz allem sehr geliebt und es deswegen abgelehnt, Anzeige zu erstatten. Von der zweiten Vergewaltigung wusste die Zeugin nichts.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 28. November ab 8.30 Uhr fortgesetzt.

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