Pfullendorf Unternehmen Tyre Wolf macht aus Altreifen Rohstoff

Seit Mai 2015 verarbeitet das Unternehmen Tyre Wolf in Pfullendorf täglich 4000 bis 5000 Altreifen zu wieder verwertbaren Rohstoffen. Der junge Unternehmen Julius Blien investierte 6 Millionen Euro in die Anlage.

Der Ortsverein der Freien Wähler (FW) Pfullendorf organisiert zwei Mal im Jahr eine Betriebsbesichtigung für interessierte Mitglieder. Besonders groß war das Interesse an einer Führung durch Tyre Wolf. FW-Vorsitzender Thomas Jacob erklärte: „Wir haben 60 Anmeldungen.“ Kein Wunder, denn das Unternehmen ist in dieser Form einmalig im süddeutschen Raum, wie der Chef erklärt. Spatenstich für die Anlage auf dem 1,6 Hektar großen Gelände im Industriegebiet an der Mengener Straße in Pfullendorf war im Sommer 2014. Jungunternehmer Julius Blien investierte hier 6 Millionen Euro. Allein die beiden je 400 Quadratmeter großen Sammelsilos kosteten 90 000 Euro, wie Blien beim Rundgang mit den Freien Wählern ausführte. Im Mai nahm Tyre Wolf die Produktion auf, die Firma beschäftigt acht Mitarbeiter.

Der Schriftzug an der Gebäudefassade „Recycling and Rethinking“ ist Programm, denn hier geht es um Wiederverwertung und Umdenken. Bislang galten Altreifen als problematischer Abfallstoff, der meist verbrannt wurde. Bei Tyre Wolf werden die Reifen in ihre Grundbestandteile zerlegt, am Ende bleiben 65 Prozent Gummi, 25 Prozent Stahl und 10 Prozent Textil übrig. Die Stahlfäden, die an Stahlwolle erinnern, verkauft das Unternehmen an die Stahlindustrie. Abnehmer für die Textilreste ist die Zementindustrie: Sie verwendet die Reste thermisch, indem sie sie in Feuerungsanlagen der Werke verbrennt. Ein Reifen wiegt um die zehn Kilo, jeden Tag verarbeitet Tyre Wolf 4000 bis 5000 Autoreifen. Pro Stunde produziert das Unternehmen auf diese Weise 1,5 Tonnen Granulat. Tyre Wolf ist in der Lage, nicht nur Altreifen von Autos, sondern auch von Lastwagen sowie übergroße Reifen beispielsweise von Baggern zu zerschreddern und zu verarbeiten. Wobei nicht alle Reifen verarbeitet werden können: Weißwandreifen, übermäßig verschmutzte oder mit Grünspan überzogene Reifen kommen nicht in Frage. „Wir haben einen hohen Qualitätsstandard, das Granulat soll sortenrein sein, also ohne Rückstände von Flusen, Metallen oder weißem Gummi“, erklärte der junge Firmenchef Julius Blien beim Rundgang.

In zwei Gruppen wurden die Besucher über das große Außengelände und durch den modernen Maschinenpark geführt. „Die Anlage läuft 16 Stunden am Tag im Zwei-Schicht-Betrieb“, erklärte Wolfgang Blien, Vater von Julius Blien. In der Halle waren diverse Förderbände, Trichter und Rüttelsiebe zu sehen, die bei der Aufarbeitung der Reifen eine Rolle spielen. Der Geräuschpegel in der Halle war nicht zu verachten und erklärte, warum die Beschäftigten bei der Arbeit Gehörschutz tragen. Zu Belastung durch Staub oder Hitze kommt es nach Auskunft von Blien jedoch nicht. Ebenso wenig müsse man befürchten, dass die in zwei riesigen Silos gelagerten Reifen in Brand geraten. Die Pfullendorfer Feuerwehr habe zudem bereits eine Übung auf dem Firmengelände abgehalten.

 

Das Gummigranulat

Tyre Wolf verkauft das Gummigranulat an Kunden in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. José Pallas, Inhaber der Firma Form-Tech bei Zürich, erklärte, wie seine Firma den Rohstoff weiterverarbeitet. Form-Tech stellt 70 Produkte her. 60 Prozent bleiben in der Schweiz, vor allem im Baubereich, 40 Prozent werden exportiert. Aus dem Granulat entstehen zum Beispiel Schutzbahnen, Trittschalldämmung, Elastik- und Antirutschmatten. Spielplätze nutzen die Bodenbeläge als Fallschutz, Fitness-Studios oder Turnhallen können damit Vibrationen abdämpfen. (kaj)

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