Ein Einsatzteam der Polizei hat am gestrigen Dienstag die Uferböschung und das Gewässer des Seeparks auf der Suche nach dem möglichen Tatwerkzeug abgesucht, mit dem am 15. Juli die 64-jährige Lilly B. getötet wurde. Um 9 Uhr startete die Aktion, an der unter anderen ein Rettungstaucher beteiligt war. Entlang der Uferböschung markierten die Einsatzkräfte die Stellen, an denen der Taucher ins Wasser ging. Mit einer Leine gesichert, suchte er auf dem Seegrund nach der möglichen Tatwaffe, wobei sein Tauchradius 20 Meter betrug. Gleichzeitig waren zwei Beamte mit einem Schlauchboot auf dem See unterwegs und sichteten die Uferböschung auf der Suche nach der Waffe oder möglichen Spuren. „Fragen Sie unseren Pressesprecher“, gaben die Beamten höflich aber bestimmt keine Auskünfte. Akribisch wurden die Einsatzstellen für den Rettungstaucher markiert und fotografiert, um bei einem etwaigen Fund die exakte Stelle zu dokumentieren.
Nur wenige Besucher schenkten dem Einsatz des siebenköpfigen Polizeiteams gestern viel Beachtung. Ein Jogger trabte an dem abgestellten Kleinbus vorbei, schaute sich kurz um und lief weiter. „Der hat mit uns nichts zu tun“, antworten die Polizisten auf die SÜDKURIER-Frage, ob denn der Hubschrauber, der ab 11 Uhr mehrmals über dem Seepark seine Runden drehte, im Rahmen dieser Suchaktion ebenfalls eingesetzt wurde.
In einer gemeinsamen Pressemitteilung informierten gestern Nachmittag die Polizeidirektion Sigmaringen und die Staatsanwaltschaft über die Suchaktion der Sonderkommission „Stadion“. Die Suche im Seepark sei erforderlich geworden, nachdem Zeugen den nach wie vor verdächtigen Ehemann der Getöteten am 15. Juli im Seepark gesehen hatten. „Zur Art des Tatwerkzeugs gibt die Sonderkommission aus ermittelungstaktischen Gründen keine Auskünfte“, heißt es in knapp gehaltene Erklärung. Abschließend startete die Polizei wie in den vergangenen Wochen erneut einen Aufruf an Zeugen, die das Opfer beziehungsweise den Ehemann am 14. und 15. Juli gesehen haben.
Auch vier Wochen nach der Tat ermittelt die Sondekommission „weiter zur Klärung des möglichen Tatmotivs“, heißt der gestrigen Presseerklärung. Und nach wie vor steht nach Angaben der Behörden auch der genaue Tathergang noch nicht fest. Dafür kursieren in der Bevölkerung etliche Gerüchte, die auch wegen der restriktiven und sehr zurückhalten Informationspolitik der Polizei wuchern. Dass vier Wochen nach der Tat und der Befragung von hunderten Zeugen die Nennung der Tatwaffe dem Täter noch einen „Informationsvorsprung“ geben könnte, stößt auf allgemeines Unverständnis.
Für Unruhe hatte am vergangenen Wochenende in der Bevölkerung die von der Polizei gemeldete Belästigung einer Frau in der Innenstadt gesorgt, die von einer 55-Jährigen nachträglich angezeigt worden war. Die Polizei hatte ein Phantombild des Täters veröffentlicht und viele fragten, sich es sich womöglich einen Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an Lilly B. gibt. „Da gibt es keinen Zusammenhang“, erklärte Martin Klawitter, Pressesprecher der Polizeidirektion Sigmaringen, gestern auf Anfrage des SÜDKURIER. Er bestätigte, dass aufgrund des Berichtes einige Hinweise bei der Polizei Pfullendorf eingegangen wären, die nun abgearbeitet würden.
Am Sonntag, 15. Juli, wurde die 64-jährige Lilly B. tot im Unterholz an einer beliebten Joggingstrecke nahe dem Pfullendorfer Stadion gefunden. Halten Sie sich im SÜDKURIER-Themenpaket auf dem Laufenden.
