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Pfullendorf Tastenzauber im Pfullendorfer Café Moccaflor

Steve Clayton und Alexander Zwingenberger als "Masters of Boogie-Woogie“ begeistern ihr Publikum.

Es gibt Musikstile, die sind nicht unterzukriegen. Das geht aber nur, wenn es Protagonisten gibt, die sie Herz und Seele vertreten – in diesem Fall mit fliegenden Fingern über schwarzen und weißen Tasten. Die „Masters of Boogie-Woogie“ im voll besetzten Café Moccafloor zählen definitiv dazu. Bis aus Gera und Saarbrücken waren Fans in den Linzgau gekommen, um Steve „Big Man“ Clayton und Alexander Zwingenberger zu hören. Mit Dr. Tom und Patrick Ziegler als Gäste betraten zwei weitere Tastenzauberer die Bühne, und dann ging es auch mal mit acht Händen zurück in die Zeit, als Boogie-Woogie in den Clubs angesagt war. „Diese Musik wird ewig leben“, zeigte sich ein Fan überzeugt.

Der Faszination Boogie-Woogie wurde im Moccafloor so eindrücklich präsentiert, dass manchem Zuhörer bestimmt nachts im Bett noch die Beine wippten. Dieser Musikstil verdankt seine Eigenständigkeit und Frische seiner musikalischen Substanz. Die braucht aber ständig auch Nahrung durch Musiker wie Nordlicht Alexander Zwingenberger, der in Pfullendorf mit dem Shanty „Hamborger Veermaster“ vom Publikum begrüßt wurde. Dann war es aber schnell vorbei mit der Segelschiffromatik. Der Mann, der zur Boogie-Woogie-Elite in Europa zählt und in den USA in der „Hall of Fame“ des Boogie-Woogie verewigt ist, gab so richtig Gas.

Mit seinen scharf akzentuierten, rollenden Bassfiguren, die eine linke Hand von fast maschineller Präzision erfordern, sowie den in der rechten Hand improvisierten, unaufhörlich wechselnden Bluesvariationen mit Trillern, Tremoli und abwechselnden Melodiefiguren im Charakter einer Gegenstimme, vermag der Stil bis heute Pianisten wie Zuhörer in den Bann zu ziehen. Am Samstagabend gelang dies von der ersten Minute an. Denn auch Steve Clayton, der „Big Man“ aus dem Linzgau, versteht sein Handwerk. Neben der roten Weste und den roten Socken hat der Brite noch ein anderes Markenzeichen: unbändige Lust an der Musik, eine Stimme, die manchmal an ein Reibeisen erinnert und Hände, die wie von Magie beseelt über die Tasten tanzen. Als „Einheizer“ für seinen Freund Alexander war Clayton einmal mehr erste Sahne. Und man sollte nicht verschweigen, dass nicht wenige Musikfans wegen ihm gekommen waren. „Zu Clayton gehe ich immer“, machte ein Fan aus Mengen deutlich.

Boogie-Woogie stand an der Wiege der musikalischen Rock 'n' Roll-Revolution, die um die Welt ging und bis heute in der Popmusik fortwirkt. Die alten Boogie-Meister sind inzwischen längst im Musikerhimmel und sorgen da für Abwechslung. Ihre Kunst und ihr Können leben aber ungebrochen weiter. Besser gesagt: Sie blühen wieder auf mit den begnadeten Händen von Menschen wie Clayton, Zwingenberger, Dr. Tom und Ziegler. Und auch mit nicht so bekannten Talenten wie Robert aus Filderstadt, der zusammen mit seiner stimmlich bestens begabten Tochter Maja ein kurzes Gastspiel gab. Im März kommenden Jahres wird es übrigens wieder eine Veranstaltung mit Boogie-Woogie geben. Darauf darf man sich jetzt schon freuen.

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Das Klavierspielen selbst beigebracht"

Patrick Ziegler wurde 1989 in Heidelberg geboren. Heute wohnt er in Hockenheim. Mit seinen erst 28 Jahren hat sich das Nachwuchstalent längst in der Szene etabliert. 2013 wurde er mit dem Nachwuchspreis des Boogie-Woogie, dem Pinetop-Award ausgezeichnet. Auch Steve Clayton und Axel Zwingenberger wurden schon in anderen Kategorien mit dem Boogie-Woogie-Award für ihr Schaffen geehrt.

Patrick befand sich also in Pfullendorf in bester Gesellschaft. Wenn man ihn fragt, wie er denn zum Boogie-Woogie gekommen ist, dann erhält man eine verblüffende Antwort: „Ich habe in der Plattensammlung meiner Eltern gekramt und da hat mir diese Musik gefallen.“ Da war er sechs Jahre alt. Nur gut, dass zu Hause auch ein Klavier stand. Da begann er dann zu improvisieren. Klavierunterricht? „Hatte ich auch mal ein paar Stunden“, lacht der Profimusiker. Doch dem Lehrer sei das mit ihm zu stressig gewesen. Patrick: „Der hat dann das Weite gesucht.“ Doch das war für das Jungtalent kein Problem. Er hat sich das Klavierspielen selbst beigebracht. Und das hat er wirklich gut gemacht. Die Musikfans im „Moccafloor“ waren begeistert.

Für Axel Zwingenberger, der sogar in der Hall of Fame des Bougie Woogie in den USA verewigt ist, macht Pianistenkollege Ziegler deutlich, dass „diese Musik nicht untergehen wird“. Seit den 1970er-Jahren habe sich in Deutschland eine Szene fest etabliert, die diesen Musikstil pflegt. Damit das weiter so bleibt, braucht es Künstler wie Zwingenberger, Steve Clayton, Dr. Tom und Patrick Ziegler. (fah)

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