Zwei Tage nach dem Gewaltverbrechen an Lilly B. aus Pfullendorf herrscht überall in der Stadt tiefe Betroffenheit und Verunsicherung. Die 64-Jährige war überall im Ort beliebt. Sie hatte viele Jahre bei der Geberit und bei anderen Unternehmen in Pfullendorf und Umgebung gearbeitet. „Lilly war kein Vereinsmensch“, erklärte ihre Nachbarin Anita Bolinksi, „aber sie war eine Frohnatur! Wir sind seit 27 Jahren Nachbarn und haben uns immer großartig verstanden.“ Ihr Mann: „Meine Frau war immer freundlich, nie hatte sie ein böses Wort zu irgendjemand. Sie war liebenswert und offen zu jedem.“ Feinde? „Nein, Feinde hatte Lilly keine!“
Auch gestern hatten erneut 140 Bereitschaftspolizisten das Waldgebiet südlich des Stadions in Pfullendorf durchsucht. Dort hatte der Ehemann am Sonntagnachmittag die Leiche der 64-Jährigen gefunden. Er selbst hatte vor ihr das Haus verlassen, um Rad zu fahren. Sie selbst war wohl gegen 9.30 Uhr zu ihrem gewohnten Dauerlauf auf der Joggingstrecke hinter dem Pfullendorfer Stadion aufgebrochen, auf die sie ihr Mann nie begleitete. „Sie hatte keine Angst, sonst wäre ich auf dem Fahrrad neben ihr her gefahren“, erklärte ihr Mann, dem das Fahrradfahren mehr liegt als das Joggen. Als der Mann gegen 12.45 Uhr nach Hause zurückkam, merkte er sofort, dass etwas nicht stimmen konnte. Normalerweise war die Wohnung gerichtet, an diesem Sonntag war das anders. Der Ehemann sprach zuerst mit Anita Bolinksi und ihrem Mann, dann schwang er sich aufs Fahrrad und fuhr zum Stadion.
Dort fand er das Auto und im Wagen die Schuhe seiner Frau, die sie vor dem Laufen immer wechselte. Er fuhr die Strecke ab, doch ohne Erfolg. Zu Hause rief B. dann seinen Schwager an und mit ihm ging er erneut auf die Suche. Dieses Mal zu Fuß, da entdeckte er seine Frau, die, die Hände vors Gesicht geschlagen, tot im Unterholz lag.
Seither ermittelt die Polizei mit einer 27 Mann starken Sonderkommission. Wonach die Polizisten so fieberhaft suchen, was die Todesursache war und ob der Fundort der Leiche auch der Tatort ist, zu diesen und anderen Details schweigt die Polizei beharrlich: „Wir wollen dem Täter keinen Vorsprung geben“, erklärt Pressesprecher Dobler. Bislang hat die Polizei gegen niemanden einen dringenden Tatverdacht. Jedoch scheint sicher, so der Polizist, dass es sich „nicht um eine Sexualstraftat handelt“.
Die Pfullendorfer sind verunsichert. Eine Anwohnerin in Stadionnähe: „Ich wohne seit einem Jahr in Pfullendorf und gehe täglich diese Route vom Stadion zum Spitz mit meinem Hund spazieren. Es sind immer sehr viele Jogger und Spaziergänger dort unterwegs. Ich suche mir jetzt, solange der Täter noch nicht gefasst und der Fall aufgeklärt ist, eine andere Route aus.“
Am Sonntag, 15. Juli, wurde die 64-jährige Lilly B. tot im Unterholz an einer beliebten Joggingstrecke nahe dem Pfullendorfer Stadion gefunden. Halten Sie sich im SÜDKURIER-Themenpaket auf dem Laufenden.
