Pfullendorf So entsteht ein Neubaugebiet
Josef Waldschütz leitet den Fachbereich II, Baurecht/ Umwelt.
Viele Häuslebauer in spe fiebern der Genehmigung ihrer Bauanträge entgegen. Dann können endlich Kran und Bagger anrollen, der Traum vom Eigenheim rückt in greifbare Nähe. Aber wie entstehen überhaupt Neubaugebiete? Man könnte zwar den Eindruck haben, im aktuellen Wohngebiet Berghof würden die Häuser über Nacht aus dem Boden schießen, doch vorgeschaltet war ein langes Verfahren. Bauplätze werden nicht willkürlich aus dem Ärmel geschüttelt, wie Josef Waldschütz, Leiter des Fachbereichs II Baurecht/ Umwelt, im Gespräch mit dem SÜDKURIER erklärt.
2008 beschloss der Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren Berghof II zu eröffnen. Mit dem ersten Planentwurf fand im Januar 2010 eine sogenannte „frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung“ statt. Parallel dazu wurden die Fachbehörden angehört (zum Beispiel Naturschutzbehörde, Landwirtschaftsamt, Straßenverkehrsbehörde etc. ) und deren Stellungnahmen ausgewertet. Die interessierte Öffentlichkeit konnte in das überarbeitete Planwerk erneut Einsicht nehmen, ehe im Mai 2010 der Bebauungsplan in Kraft trat. Dieser Plan regelt die verbindliche Bebauung, zum Beispiel was die erlaubte Gebäudehöhe betrifft. Themen wie Firstausrichtung oder Dachneigung werden im Vergleich zu früher nicht mehr so restriktiv gehandhabt.
Wenn Bauland geschaffen wird, taucht oft der Begriff „Ausgleichsfläche“ auf. Beispiel Berghof: Als Folge der Artenschutzprüfung bietet man der in unmittelbarer Nähe des Wohngebiets gesichteten Feldlerche entlang von eingesäten Ackerrändern neidlingwärts Brutraum-Alternativen an.
Bevor die Stadt Bauplätze ausweisen und vermarkten konnte, musste ihr erst einmal die Fläche gehören. Es galt, intensive Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern zu führen. Nach dem erfolgreichen Grunderwerb seitens der Stadt wurden die rund 4,5?Hektar Land vermessen und in durchschnittlich 620 Quadratmeter große Baugrundstücke aufgeteilt. Nicht zu vergessen die Erschließung des Areals: Anschluss an Kanalisation, Verlegen von Wasser- und Stromleitungen, Telefon/ Kabel-TV/ Internet, Straßen, Beleuchtung, öffentliche Grünflächen…
Der Verkauf der 45 Bauplätze begann im Juni 2011. Ein halbes Jahr später waren bereits 26 Plätze verkauft, für elf weitere liegen bereits Bewerbungen vor.
Und wäre Berghof II im übergeordneten Flächennutzungsplan nicht als Wohngebiet vorgesehen gewesen – dann würde Gras darüber wachsen.
Mit der Einstufung Pfullendorfs als Mittelzentrum im Landesentwicklungsplan Baden-Württemberg (2002) ist ein entsprechender Versorgungauftrag verbunden, der unter anderem die Bereitstellung von Wohnbauland und Gewerbeflächen beinhaltet. Eine Stufe unterhalb des Landesentwicklungsplans steht die Regionalplanung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben und schließlich die örtliche Bauleitplanung durch die Gemeinde. Aufgabe der Gemeinde ist es, besagten Flächennutzungsplan zu erstellen, der für zehn bis 15 Jahre festgeschrieben wird, und auf dessen Grundlage der Bebauungsplan entwickelt wird.
