Wenn jemandem in der Nacht zum Sonntag im Pfullendorfer Ortsteil Otterswang die Ohren abgefallen sind, waren vielleicht die zehn Grad minus Schuld daran. Doch viel wahrscheinlicher steckten die zahlreichen Guggenmusiker dahinter, die in ihrer Umgebung alles zum Vibrieren brachten. Die O-Town-Gugge hatte nämlich zum sechsten Guggenmusiktreffen eingeladen – ab 21 Uhr wurde es in der Halle Spieß von Minute zu Minute enger, wie Guggenmusik-Vorsitzender Berthold Müller mit zufriedener Miene registrierte. Von sibirischen Außentemperaturen war am Veranstaltungsort nichts zu spüren, dafür sorgten Heizgebläse. Den Rest erledigten die Guggen. Weil die Rhythmen absolut tanzbar waren, zappelte man sich einfach warm. Und den Akteuren rann über kurz oder lang sowieso der Schweiß von der Stirn.
Der mechanische Handzähler der Kassenfrau zeigte um 22.30 Uhr 700 Besucher an. Die Fans standen wie die Ölsardinen zwischen Bar und Bühne und ließen sich mitreißen. Die Hedos aus Herdwagen hatten den Abend eröffnet. Die Schlagwerksektion trieb das Ganze voran, die Blechbläser jagten hinterher, und alle fragten sich: „Who let the Hedos out?“
Das Treffen war wieder ein Beweis dafür, dass eine Fastnacht ohne Guggen nur halb so schön wäre. Der Sound aller fünf Gruppen war gewohnt schräg, temporeich, durchdringend und fetzig. Ein Haufen Blechrebellen eben, womit es die Ostracher Guggenmusik treffend auf den Punkt bringt. Obwohl – oder gerade weil – immer knapp neben den Noten gespielt, ging die Musik durch Mark und Bein, Herz und Nieren. Das Repertoire deckte so ziemlich alles ab, von Schlagern à la „Rosamunde“ über Bob Marleys „No woman no cry“ bis hin zu „Let me entertain you“ von Robbie Williams. Dazwischen Tote Hosen, Ärzte und Opus.
Mit ihrem schnellen, dreckigen Sound überzeugten die Champs, die schon zum fünften Mal dabei waren. Die Lumpenkapelle aus Riedheim absolvierte einen wilden Ritt, bei dem sie unter anderem Abbas „Mamma mia“ in rekordverdächtiger Geschwindigkeit zum Besten gab. Eine beachtliche Leistung zeigte der Riedheimer Lumpenschwenker, der in affenartigem Tempo die Fahne tanzen ließ. Zum ersten Mal in Otterswang spielten die Jongner Zigeiner aus Jungnau. Viel Applaus heimste auch die Sunshine-Gugge aus Heudorf ein, die ihr neues Häs präsentierte. Selbst die Instrumente trugen orangefarbenes Fell. Apropos Outfit: Modisch gesehen dominierte zotteliger Pelz, als Weste, Stulpe, Schuhbesatz oder Lendenschurz getragen, dicht gefolgt von gewalkten Stoffen in Form von Jankern und Armeemänteln, wie etwa bei den Blechrebellen aus Ostrach.
In den Pausen heizte ein DJ ein, um Stimmung und Körpertemperatur nicht absinken zu lassen. Sechs Security-Leute hatten zudem ein Auge darauf, dass alles friedlich blieb.
