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Pfullendorf Sanierung des Dominikanerinnenklosters verteuert sich weiter

Auf rund 5,8 Millionen Euro summieren sich die Sanierungskosten für das Dominikanerinnenkloster in der Pfullendorfer Innenstadt. Gravierende Schäden am so genannten "Walderhaus" sorgen für eine weitere Kostensteigerung.

Die Sanierung des Dominkanerinnenklosters wird für Verwaltung und Gemeinderat immer mehr zu einem kommunalpoltischen Balanceakt und für die Stadt zu einem finanziellen Kraftakt. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates im neuen Rats- und Bürgersaal informierte Architekt Helmut Hagmüller die Verantwortlichen, dass die Kosten sich um weitere 600 000 Euro auf nunmehr 5,8 Millionen Euro erhöhen. Als Ursache benannte er den unerwartet schlechten Zustand des Walderhauses. Erst nachdem die Arbeiter das Dach geöffnet hätten, habe man das tatsächliche Ausmaß der Schäden sehen können. "Man greift mit der Hand in die Eichenbalken und alles zerbröselt zu Mehl", schilderte Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peter den desolaten, durch eindringende Feuchtigkeit bedingten Zustand der gesamten Konstruktion.

Durch diese unterwartet großen Schäden verteuert sich die unerlässliche statische Ertüchtigung des Klosterkomplexes von 1,9 auf 2,53 Millionen Euro. Im Anschluss ist die Umsetzung des Nutzungskonzeptes vorgesehen, wobei ein Großteil der Räume künftig von der Verwaltung genutzt werden soll. Für Umsetzung dieses Konzepts, sprich die Herstellung der Räumlichkeiten samt behindertengerechten Zugängen, kalkuliert Architekt Hagmüller angesichts der vollen Auftragsbücher der Handwerker, einen Kostenzuschlag von zwei bis vier Prozent ein, wodurch sich die Gesamtkosten auf 5,83 Millionen Euro erhöhen würden. "Wir dürfen uns nicht in die Tasche lügen", plädierte Hagmüller für Ehrlichkeit und machte deutlich, dass man nicht in das Haus reinschauen konnte und Architekten keine Hellseher seien.

Etwas konstaniert murmelte Bürgermeister Thomas Kugler, dass er erstmals von diesen Kostensteigerungen höre und fragte nach Kompensationsmöglichkeiten. Emil Gabele wurde deutlicher: "Das hat einen Beigeschmack", ärgerte sich der CDU-Rat, dass die Architekten Kostensteigerungen bei den Handwerksleistungen nicht bei der ursprünglichen Berechnung einkalkuliert hatten.

Ungläubig vernahm das Gremium, dass das Denkmalamt die Erhaltung des historischen Treppenhauses verlangt, obwohl es im Prinzip nicht mehr genutzt wird. Man könnte das Treppenhaus doch komplett dicht machen, schlug Markus Schenzle (FW) vor. Er wunderte sich, dass beim Nutzungskonzept für das Untergeschoss noch die Unterbringung des Archivs vorgesehen ist, nachdem der Gemeinderat dies vor Monaten schon abgelehnt hatte. "Das ist nur ein Platzhalter" beruhigte Bürgermeister Kugler. Dass aus Sparzwängen in dem sanierten Komplex womöglich ein Geschoss nicht genutzt wird, würde dem Rathauschef hingegen nicht behagen. Klaus Heusel (FW) fragte, ob sich beim Landeszuschuss etwas ändere, wenn es zu Kostensteigerungen bei dem Projekt komme. Hier müsse man nochmals nachhaken, stufte Kugler das Risiko als überschaubar ein.

Letzlich einigte sich das Gremium, einen flexiblen Bauantrag inklusive des Aufzuges zu stellen, wobei Amtsleiter Josef Waldschütz klar machte, dass die Anforderungen an Barrierefreiheit und Brandschutz berücksichtigt werden müssen. Bis Herbst soll der Bauantrag vorliegen, wobei Architekt Hagmüller ankündigte, bei der Feinplanung nach Sparpotenzialen zu schauen. "Wir machen das Schritt für Schritt", gab Thomas Kugler als Devise aus.

Am Sitzungsende hellte Kämmerer Michael Traub die Mienen etwas auf, als er die positiven Folgen der aktuellen Steuerschätzung für Pfullendorf bezifferte. Um etwa 300 000 Euro erhöht sich nach seinen Angaben der Einkommenssteueranteil und an Schlüsselzuweisungen gibts 75 000 Euro mehr. Dazu verbuchte er noch eine Nachzahlung von 200 000 Euro. Diese Mehreinnahmen könne man für die Klostersanierung und den Verlustausgleich für den Seepark verwenden.

Historie

Im Jahr 1250 vermachten Dienstleute der Grafen von Pfullendorf das dort errichtete "Schlösslein" dem Konstanzer Dominikanerinnnenkloster. Durch den Kauf benachbarter Gebäude wurde der Besitz der "weißen Schwestern", so benannt nach ihrer weißen Tracht, stetig erweitert. Nach der Säkularisation wurde das Kloster 1807 aufgehoben.

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