Die Sonderkommission „Stadion“ hat ihre Ankündigung vom 11. September wahr gemacht und gestern nochmals intensiv im Seepark und im Stadtsee nach dem Tatwerkzeug gesucht, mit dem am 15. Juli die 64-jährige Lilly B. getötet wurde. Hinweise auf den möglichen Fundort des von der Polizei als „Tatwerkzeug“ bezeichneten Gegenstands gaben die vor zehn Tagen eingesetzten Spürhunde. Die so genannten „Mantrailer-Hunde“ sind in der Lage, anhand von Geruchsspuren den Weg von Personen nachzugehen, auch wenn zwischen Spurenlegung und Spurensuche schon Tage oder gar Wochen verstrichen sind. Die fünfköpfige Suchgruppe durchkämmte ab 9 Uhr den Uferbereich des Stadtsees, aus dem seit Montag das Wasser abgelassen wird. Vorneweg geht ein Mann des Kampfmittelbeseitigungskommandos mit einem Metalldetektor.
Langsam arbeitet sich die Gruppe voran und immer wieder piepst der Detektor und die Männer drehen jeden Stein um, graben mit Spaten im schlammigen Uferbereich. Schnell weckt die Suche das Interesse von neugierigen Passanten, die sich die Szenerie anschauen. „Heute Morgen war schon jemand hier und hat die Böschung mit einem Rechen gesäubert“, informiert ein Passant den Einsatzleiter, dass er deshalb die Polizei verständigt habe. „Wir wissen Bescheid“, bedankt sich der Polizist bei dem aufmerksamen Bürger.
„Wenn der See komplett leer ist, werden wir eine zweite Suchaktion durchführen“, erklärt Dobler gegenüber dem SÜDKURIER. Insgesamt waren gestern 35 Beamte der Bereitschaftspolizei im Einsatz. Denn zeitgleich gleiteten mehrere Taucher ins kalte Wasser des Seeparks und suchten an jenen speziellen Stellen, die von den Suchhunden vor zehn Tagen angezeigt wurden. Und zwei Dutzend Beamte durchkämmten außerdem das Gelände des Regenüberlaufbeckens beim Stadion. Das überwucherte Areal, das sich im Besitz der Bundeswehr befindet, war von Mitarbeitern der Standortverwaltung teilweise schon abgemäht worden, aber auch gestern wurden Gras, Sträucher und Büsche mit der Sense entfernt. In einer Reihe durchstöberten die Bereitschaftspolizisten den Untergrund. Das etwa acht Kubikmeter fassende Becken wurde ebenfalls abgepumpt und das Wasser in einen Tankwagen der Bundeswehr gepumpt. Dabei achtete ein Polizist darauf, ob aus dem Schlauch neben Wasser noch etwas anderes kam.
Bis zum Nachmittag hatte die Suchmannschaft beim Stadtsee neben Flaschen, Müll und mehreren Fahrrädern auch zwei Gegenstände aus dem Stadtsee geborgen, die von der Polizei einbehalten wurden. Aber aufgrund des dichten Algenbewuchses gehen die Ermittler davon aus, dass diese Gegenstände nichts mit dem aktuellen Fall zu tun haben. Bis zum heutigen Donnerstag wird der Stadtsee komplett abgeflossen sein und die Suchaktion fortgesetzt. Nach Angaben von Edwin Dobler hoffen die Ermittler die Suchaktionen noch Ende der Woche abzuschließen. Derzeit erfolgt noch die kriminaltechnische Auswertung von etlichen Mikrospuren, die bei den vorherigen Aktionen gefunden wurden. Hier könnten bis in zwei Wochen Ergebnisse vorliegen. Als „absurd“ bezeichnen die Einsatzkräfte vor Ort Mutmaßungen, dass der Fundort der Leiche von Lilly B. möglicherweise nicht der Tatort war, wie gerüchteweise kolportiert wird. Die Sonderkommission „Soko“ wurde auf mittlerweile 17 Mitglieder reduziert und bis Ende des Monats wird entschieden, ob die Soko weiter besteht.
Keine Aussagen zur der gestrigen Suchaktion gab es gestern von Nicole Luther, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Hechingen. Sie verwies gegenüber dem SÜDKURIER auf die laufende Ermittlungsarbeit, und dass man nicht jedes Detail in die Öffentlichkeit bringen müsse.
Seit dem Tattag, dem 15. Juli, fanden schon etliche Suchaktionen statt, wobei neben dem Tatwerkzeug vor allem die Suche nach Zeugen im Focus stand. Aufgrund von Aussagen wurde mehrfach gezielt nach Personen gesucht, die sich am fraglichen Tag in der „Fuchshalde“ beziehungsweise in der Umgebung aufgehalten haben sollen. Manche Aufrufe verpufften allerdings, so die Suche nach einem jungen blonden Mann, der am Sonntagvormittag beim Stadion mit einem Hund gesichtet worden war. Erfolgreich war hingegen ein Presseaufruf an ein junges Paar, das sich mit seinem Hund tatsächlich in der „Fuchshalde“ aufgehalten hatte. Mehrere Zeugen hatten sich an das Paar mit einem Rottweiler oder ähnlichen Hund erinnert. Und so wurden Pfullendorfer Hundebesitzer, auf deren Tier die Beschreibung zutraf, von Mitgliedern der Sonderkommission kontaktiert um abzuklären, ob sie am 15. Juli in der „Fuchshalde“ unterwegs waren.
Wie der SÜDKURIER bereits berichtete hat der inhaftierte Ehemann der getöteten Lilly B. mittlerweile eine neue anwaltliche Vertretung, über den wohl auch der Kontakt mit den Ermittlungsbehörden läuft.
Am Sonntag, 15. Juli, wurde die 64-jährige Lilly B. tot im Unterholz an einer beliebten Joggingstrecke nahe dem Pfullendorfer Stadion gefunden. Halten Sie sich im SÜDKURIER-Themenpaket auf dem Laufenden.
