Der Gesetzgeber fordert von den Gemeinden, dass sie für ausgesetzte oder misshandelte Tiere eine Unterbringung bereitstellen. Im Landkreis erfüllt diese Aufgabe das Kreistierheim in Sigmaringen, das 2009 vom Landkreis übernommen wurde. Zuvor hatte ein Verein die Versorgung, Betreuung und Weitervermittlung von Fundtieren und herrenlosen Tieren erledigt. Die Finanzierung erfolgte durch eine Kopfpauschale. Je Einwohner mussten die Kommunen 50 Cent bezahlen, unabhängig von der Anzahl der Fundtiere aus den jeweiligen Kommunen. Mit der Übernahme durch den Landkreis entfiel diese Umlage in Höhe von 70 000 Euro und das Tierheim wurde über den Kreishaushalt finanziert, wobei im vergangenen Jahr ein Verlust von 170 000 Euro anfiel, wie Katharina Schönenberger, Pressesprecherin des Landratsamtes, auf Anfrage des SÜDKURIER erklärte.
Dieses Defizit wird damit über die Kreisumlage von allen Kommunen getragen, unabhängig, ob von einer Gemeinde überhaupt Tiere abgegeben wurden. Ein neues Kostenerstattungsmodell soll mehr Gerechtigkeit erbringen. Bezahlen müssen nur noch die Gemeinden, aus denen tatsächlich Tiere ins Heim eingeliefert werden. Für einen Hund werden täglich 15 Euro fällig und für eine Katze acht Euro. Derzeit sind sieben Hunde und 89 Katzen im Heim untergebracht, was Tageskosten von exakt 817 Euro verursacht. Würden alle Tiere ein Jahr dort verbleiben, würden die Kosten 259 880 Euro betragen. Von diesen 96 Vierbeinern wurden zwei Hunde und elf Katzen direkt von Privatleuten abgeliefert. Diese Direktabgabe soll es künftig nicht mehr geben, sondern die Bürger müssen ihre Gemeindeverwaltung informieren, ansonsten erhalten sie die Rechnung.
In Pfullendorf können Fundtiere beim Fundbüro gemeldet oder abgegeben, erklärt Jürgen Hess vom Ordnungsamt. „Zwischen fünf und sieben Tiere sind es pro Jahr“, ergänzt der Amtsleiter. Die exakte Zahl kann er nicht benennen, da einige Tiere von Bürgern sicher auch direkt in Sigmaringen abgeliefert wurden. Der neue Abrechnungsmodus könne für die Stadt zu deutlichen Mehrkosten führen. Man werde deshalb noch stärker versuchen, den Besitzer von ausgesetzten Tieren zu ermitteln.
