Sie sind seit mehr als drei Jahrzehnten in Pfullendorf?
Genauer gesagt, seit 1980 wohnen wir in Pfullendorf. Vorher habe wir 45, Jahre in Ruhestetten gelebt und ich habe als Geschäftsführer bei Wolf Optik gearbeitet. Das Geschäft habe ich im Dezember 1979 übernommen.
Wie sah die Innenstadt damals aus?
Die Hauptstraße war gepflastert und als Einbahnstraße ausgewiesen, wo man beidseitig parken konnte. In der gesamten Innenstadt bis zur Heiligenbergerstraße, alles war voll mit Geschäften Leerstand war kein Thema und wir hatten reichlich Betrieb.
Und wie ging's dann weiter?
Ja. Die Hauptstraße wurde geteert und später der Teer wieder aufgerissen und die Straße gepflastert und zur verkehrsberuhigten Zone.
Waren Sie für diese Maßnahme?
Die Meinungen waren geteilt und eine Vorhersage, wie sich die Innenstadt entwickeln würde, war damals natürlich ganz schwierig. Wir hatten natürlich andere Voraussetzungen, so das Verhältnis von Einkaufsfläche Innenstadt zu den Randzonen. Die Innenstadt war das Zentrum der Stadt.
Wann verlor die Innenstadt diese zentrale Bedeutung?
Es begann nach meiner Meinung mit der Ansiedlung der Discountmärkte am Rande der Innenstadt.
In den vergangenen Jahrzehnten mussten Sie dann Abschied von vielen Geschäftskollegen nehmen?
Ja und jede Geschäftsaufgabe tut weh und bringt eine weitere Ausdünnung des Angebotes. Das Überleben wird für die übrigen Geschäfte dadurch noch schwerer und heutzutage muss man um jeden Kunden kämpfen.
Aber Sie und Ihr Optikgeschäft sind seit Jahrzehnten da?
Ja. Aber unser Geschäft lässt sich nicht mit anderen vergleichen. Der Wiederbeschaffungszyklus bei Brillen beispielsweise beträgt vier Jahre. Und hier sind persönliche Beratung, Service und Angebot natürlich sehr wichtig. Früher war sogar ein ärztliches Rezept für eine Brille nötig. Aber auch wir müssen uns anpassen und beispielsweise das Internet im Auge behalten.
Sie haben sich seit Beginn Ihrer Geschäftstätigkeit auch sehr aktiv für die Stadt engagiert?
20 Jahre war ich Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Attraktives Pfullendorf, AAP. Da haben wir viele Aktionen gemacht und 30, 35 Geschäftsleute haben sich beteiligt. Ich denke nur an die tollen Modeschauen oder die italienischen Abende. Aber die Vergangenheit ist passé.
Wie sehen Sie die Zukunft?
Die Rahmenbedingungen werden insgesamt problematischer. Wir von der Innenstadt müssen uns positiv mit dem Seeparkcenter auseinandersetzen und es miteinander schaffen.
Derzeit gibt's ja eine neue Untersuchung der Beratungsfirma Imakom?
Ja. Da lass ich mich überraschen. Ich erwarte als Ergebnis zukunftsweisende Vorschläge. Allgemeine Stellungnahmen hatten wir schon genug.
