Der 40. Marathon in New York lockte eine fünfköpfige Läufergruppe aus der Region in die amerikanische Metropole. Eindrucksvoll beschreibt Leserreporter Alexander Beck ihren 42.195 Meter langen Lauf von Manhattan, Brooklyn in die Bronx bis zum Ziel im Central-Park.
Fast wie eine Erlösung, am 1. November, 4.30 Uhr Ortszeit New York City, klingelt der Wecker. Man ist aufgeregt vor dem Marathon, den man schon seit Jahren plant. Eigentlich besteht ja kein Grund für die Aufregung, denn den Weltrekord von 2,04 Stunden des Äthiopiers Haile Gebreselassie müssen wir ja nicht unterbieten. Schnell unter die Dusche, danach die Haut gut eincremen, damit nirgends etwas reiben und scheuern kann und die Laufklamotten anziehen, die schon vor dem ins Bett gehen akkurat zurecht gelegt wurden, mit der Startnummer, Digitalkamera, iPod und Kopfhörer. 6 Uhr ist die Abfahrt mit den gecharterten Bussen in Richtung Fort Wadsworth auf Staten Island, wo 43 741 Läufer an den Start gehen wollen. Ich denke darüber nach, was ich die Stunden bis zum Start meiner Welle (die zweite von drei Startwellen im Abstand von 20 Minuten mit je 14 000-15000 Läufern) um 10 Uhr bei sieben Grad allein machen sollte, da in meiner Startwelle niemand aus unserer Laufgruppe ist. Wir steigen bei unangenehmem, kaltem Wind mit leichtem Nieselregen aus. Jetzt trennen sich unsere Wege, denn für die drei Startwellen gibt es drei abgegrenzte „Läufer Dörfer“. Alles ist einfach: Toiletten (ca. 30 Dixie Klos) sind nicht zu übersehen, denn davor stehen schon Schlangen, warme und kalte Getränke und auch was zu essen (natürlich kostenlos) Endlich, der Aufruf zur zweiten Welle. Ich weiß nicht mehr, ob ich vor Kälte oder Aufregung zittere. Dann der Startschuss der zweiten Welle, ich mache mich auf die 42,195 Kilometer lange Strecke. Nach 1,3 Kilometern geht es nach Brooklyn Richtung Sunset Park, wo uns Zuschauer jubelnd empfangen.
Was für ein Gefühl! Den Sunset Park lassen wir hinter uns und jetzt geht es die Fourth Avenue in eine ewig lange Gerade, in der sich die Zuschauer am Straßenrand drängten und rufen: „You are a hero““ und „Go runners!“. 17,7 Kilometer laufen wir in Brooklyn und am Straßenrand stehen immer mehr Menschen, die uns die Hände zum Abklatschen entgegenstreckten Von Brooklyn geht es nach Queens, der halbe Marathon, 21 Kilometer, sind geschafft, zwar in der sonst nicht üblichen Zeit, da ich unterwegs viele Bilder und Videos mache. Dann geht es nach Manhattan geht. Wahnsinn! Menschenmassen am Straßenrand, man kommt sich vor wie im Film, die New Yorker sind wirklich so wie man es aus Filmen zu kennen glaubt. Spätestens jetzt ist man sich sicher, dass wirklich etwa 2,5 Millionen Zuschauer am Straßenrand stehen. Nach 6,44 Kilometern geht es in die Bronx, wo mich die Straßenmusiker faszinieren. Über die Madison Avenue Bridge geht es zurück nach Manhattan und den letzten 8005 Metern, aber auch zu den schwersten Kilometern für mich überhaupt. Langsam spüre ich Schmerzen in den Oberschenkeln und den Fußsohlen: „Was mach ich hier?“ „Warum tu ich mir das an?“, frage ich mich immer öfters. Es sind zwar „nur“ noch acht Kilometer, aber die gehen noch zum größten Teil durch den hügeligen Central Park. Es ist doch nicht mehr weit! Ich bin so weitgekommen, den Rest schaffe ich auch noch, denke ich. Im Central-Park herrscht Volksfeststimmung, wo sich hunderttausende Zuschauer versammelt haben. Cheerleader umarmen und berühren mich, die wahnsinnig vielen Polizisten klatschen begeistert Beifall und feuern die Läufer an. Man versucht sich aufzuraffen und erneut alles zu geben, auch wenn es schwer fällt, man steht kurz vor dem Ziel des Marathons der Marathons überhaupt. 600 Meter, 500 Meter, nur noch 400 Meter, das Ziel ist in Sichtweite, der Jubel der Zuschauer im abgesperrten Zielbereich, wo die Karte 250 US-Dollar kostet, kennt keine Grenzen mehr! Keine Schmerzen, ich renne wie in Trance nur noch auf das Ziel zu! Die Glückshormone sprudeln! Ich bin total fertig! Man liegt sich mit wildfremden Menschen in den Armen. Welch ein Erlebnis!
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