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Pfullendorf Kiffen wird zum Suchtproblem

Im Gemeinderat Pfullendorf werden die Ergebnisse des Projekts "Suchthilfe" vorgestellt. Vereine können sich für das Siegel "Jugendfreundlicher Verein" bewerben.

Als eine von 19 Kommunen in Baden-Württemberg ist Pfullendorf seit zwei Jahren beim Landesprojekt "Starthilfe" dabei und hat bezüglich der kommunalen Suchtprävention über den Landkreis Sigmaringen hinaus eine Vorbildfunktion inne, wie Janine Stark vom Landratsamt lobte. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates präsentierte sie mit Hauptamtsleiter Hans-Jürgen Rupp die Ergebnisse von Arbeitsgruppen, runden Tischen Zielvereinbarungen und konkreten Maßnahmen.

So werden in nächster Zeit jugendliche Alkoholtestkäufer in den Geschäften unterwegs sein, um das Abgabeverbot von Alkoholika an Minderjährige zu überprüfen. Dabei gehe es um die Sensibilisierung des Personals und nicht vorrangig um die Verhängung möglicher Bußgelder, deshalb werden die Geschäfte vorab informiert. Als es während der Fasnet 2010 Probleme mit alkoholisierten Jugendlichen gab, entschloss sich die Verwaltung zum Handeln. So initiierte die Stegstreckerzunft daraufhin den Ochseneinspannwettbewerb und organisierte eine Jugendparty. Die Schulsozialarbeit thematisierte Alkohol, Nikotin und Co und bei Theateraufführungen wurden Süchte und deren Folgen problematisiert. Mit Vertretern lokaler Vereine wurden Workshops durchgeführt und nachdem man sich erfolgreich für die Aufnahme ins Landesprojekt "Starthilfe" beworben hatte, trafen sich Vertreter von Stadt, Vereinen, Jugendhilfeeinrichtungen und weiteren Organisationen, um einen Maßnahmekatalog für präventive Suchtarbeit zu erstellen.

Dazu gehört, dass sich Vereine, die sich aktiv um den Jugendschutz und die Suchtprävention kümmern, dies durch das Siegel "Jugendschutz Plus" der Stadt Pfullendorf quasi zertifizieren lassen können, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. "Ich habe alle Vereine angeschrieben, aber bislang interessieren sich nur zwei dafür", hofft Janine Stark, dass sich das Interesse noch erhöht. Die Streetworker-Tätigkeit wird erhöht und die Jugendarbeiter werden die von Jugendlichen bevorzugten Plätze aufsuchen, um mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen beziehungsweise sie auf Lärmbelästigung und Müllvermeidung hinweisen.

Der Alkoholmissbrauch im öffentlichen Raum, sprich dessen permanente Verfügbarkeit, ist nach Angaben von Janine Stark ein großes Problem bei der Suchtberatung. Seit vier Jahren wächst auch die Suchtproblematik in Zusammenhang mit Medien und besonders Cannabis, wo häufig das Unrechtsbewusstsein fehle. Die Hauptnutzergruppe ist dabei zwischen 14 und 28 Jahre alt. Wirkung zeigt nach Überzeugung der Fachfrau die langjährige Aufklärungsarbeit beim Nikotin, denn hier gebe es rückläufige Suchtzahlen. Cannabis und seine Folgen thematisiere sie seit fünf Jahren bei ihren Vorträgen in Schulen, wobei sich die Schüler durchaus bewusst seien, dass Cannabisnutzung illegal ist.

Siegel "Jugendschutz plus" der Stadt

Im Rahmen der kommunalen Suchtprävention können Vereine das Siegel "Jugendschutz plus" erhalten, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.

  • Bei Vereinsfesten, Veranstaltungen und im Vereinsheim wird das Jugendschutzgesetz eingehalten: Bier, Wein und Sekt erst ab 16 Jahren. Spirituosen, Mixgetränke und Zigaretten nur für Volljährige.
  • Aktionen, die zum schnellen Trinken von Alkohol motivieren, sind nicht gestattet. Das günstigste alkoholfreie Getränk darf nicht teurer sein als das günstigste alkoholische Getränk in gleicher Menge.
  • Hinter der Bar stehen volljährige Personen. Trainer und Anleiter leben einen maß- und genussvollen und vor allem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vor. Sie benehmen sich in Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen immer wie ein Vorbild.
  • der Verein muss sich zur Einhaltung der verbindlichen Regeln verpflichten. Die Trainer und Jugendleiter werden mindestens einmal jährlich in den Themen Jugendschutz und Suchtprävention von Fachkräften geschult, wobei die Stadt einlädt.
  • Für die erstmalige Zertifizierung erhält der Verein 200 Euro. Eine Zertifizierung gilt drei Jahre. Informationen gibt es bei der Stadtverwaltung Pfullendorf (hans-juergen.rupp@stadt-pfullendorf.de)

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