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24.09.2012  |  von Sandra Häusler  |  0 Kommentare

Pfullendorf Hilfe beim Verstehen

Pfullendorf -  Selbst nach zwölf Jahren und unzähligen Veranstaltungen hat die Schauspielerin und Sängerin Donata Höffer mit ihrer Lesung von Rainer Maria Rilke „Wie soll ich meine Seele halten?“ im Rahmen des Kulturfestivals der Stimmen wieder das Publikum in ihren Bann gezogen. In der Stadtbücherei Steinscheuer in Pfullendorf hörten ihr 80 Gäste gefesselt zu.

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„Ein Festival der Stimmen ohne Donata Höffer ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte der Pfullendorfer Kulturbeauftragte André Heygster in seiner Begrüßung. Deshalb war die Freude groß, als die Schauspielerin, die seit zweieinhalb Jahren in Jerusalem lebt, mit der Idee für einen Rilke-Abend auf die Veranstalter zukam. Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) zählt zu den bedeutendsten Lyrikern deutscher Sprache.

Mit „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ aus einem der ersten Gedichtbände Rilkes stieg Donata Höffer in die Lesung ein. Den Vergleich mit fallenden Blättern und Menschen, die am Ende ihres Lebens „fallen“, beinhaltete das hoffnungsvolle Gedicht „Herbst“. Einen gefangenen Panther hinter Gitterstäben beschrieb „Der Panther“. Donata Höffer suchte während der Lesung stets den Blick und Kontakt zum Publikum. Leise in sich lächelnd, eindringlich, fragend, energisch, transportierte sie mit ihrer Stimme, Sprache, Körperhaltung, Mimik und Gestik die Emotionen und Textinhalte von Rilkes Werken.

Von Donata Höffers Ausdrucksstärke war eine Besucherin aus Radolfzell tief beeindruckt. Eine Pfullendorfer Zuhörerin beschrieb: „Wenn Donata Höffer vorträgt, kann man die Inhalte ganz anders erfassen und verstehen, als wenn man Rilke liest.“ Nachdenklich stimmte das „Requiem auf den Tod eines Knaben“, romantisch hingegen das „Liebes-Lied“.

Auch als Erzähler erwies sich Rainer Maria Rilke als brillanter Beobachter seiner Zeit und Gesellschaft, wie in der Geschichte „Die Flucht“, erklärte Donata Höffer. Mit „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, rezitierte sie eines der bekanntesten Werke Rilkes, das der Lyriker in einer einzigen stürmischen Nacht auf der Suche nach seinen eigenen Vorfahren niederschrieb. Ein Held will der Cornet (Fahnenträger) sein. Rilke schildert eindrücklich die Gefühle und Gedanken des jungen Mannes im Zug gegen die eingefallenen Türken. Bei der Rettung der Fahne fällt der Cornet schließlich.

Mit dem Gedicht „Das Karussell“ nahm Donata Höffer die Zuhörer abschließend mit auf eine Karussellfahrt. Das Karussell steht für die Kindheit. Eine Karussellfahrt aus Sicht des Kindes und eine Kindheit vergehen aus der Sicht des Erwachsenen viel zu schnell. Lang anhaltenden Beifall erhielt Donata Höffer für ihre eindrucksvolle Lesung. Nach der Veranstaltung stand Donata Höffer noch zum Gespräch und Austausch bereit. Die Bitte, bald wieder zu kommen, zeigte, dass Donata Höffer ihren Platz in den Herzen der Pfullendorfer längst erobert hat.

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