Pfullendorf -
Das geplante Verbot des so genannten „Schenkelbrandes“ für Fohlen, mit denen Züchter ihre Tiere kennzeichnen, sorgt in Kreisen der Pferdezüchter- und -sportler für große Empörung. Während Tierschützer das Prozedere als Quälerei bezeichnen, verweisen die Befürworter auf die jahrhunderte alte Tradition sowie Gutachten, nach denen das Brennen den Pferden kaum Schmerzen bereitet.
Blitzschnell hat Brennmeister Arndt Ehlers dem dreimonatigen „DJ“ den Brand auf die Flanke gedrückt. Das Fohlen zuckt bei dem Prozedere nur kurz auf.
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Brandmeister Arndt Ehlers bereitet das „Brandeisen“ vor.
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Hobbyzüchter Erwin Knoll aus Hohenstein-Ödenwaldstetten mit dem drei Monate alte Holstein-Fohlen „DJ“ und dessen seiner Mutter „Nixe“. Bild:
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Trippelnd folgt das drei Monate alte Holstein-Fohlen „DJ“ seiner Mutter „Nixe“ auf den Brandplatz, am Zügel geführt von Hobbyzüchter Erwin Knoll aus Hohenstein-Ödenwaldstetten. Er nutzt die Fohlenschau in Brunnhausen, um dem Jungtier das typische Holsteinbrandzeichen aufdrücken zu lassen. Ruhig stehen Stute und Fohlen auf dem Platz, sodass Stefanie Bergmann keine Probleme hat, mit dem Lesegerät den Chip im Hals des Fohlens abzulesen. Jeder Züchter muss für alle nach dem 1. Juli 2009 geborenen Fohlen laut einer EU-Verordnung den Tieren per Spritze einen solchen Mikrochip einsetzen, um das Tier jederzeit identifizieren zu können.
Die Agrarwissenschaftlerin Bergmann ist beim Holsteinverband angestellt und derzeit mit ihrem Kollegen Arndt Ehlers quasi auf einer deutschlandweiten Brenn-Tour. Ehlers ist Pferdezüchter und Brandmeister und er verpasst den Fohlen den unverwechselbaren Brand. Allerdings wird das Eisen nicht wie in Wildwest-Filmen von Cowboys über einem Lagerfeuer erhitzt und dann dem Tier auf die Hinterflanke gedrückt, bis es qualmt. Mit dem Bunsenbrenner erhitzt der ruhige Mann das Eisen, setzt die entsprechenden Kennzahlen ein und streicht dem Tier sanft über die Flanke. Dann drückt er blitzschnell das Eisen drauf, es zischt etwas und nach Sekundenbruchteilen ist die Prozedur vorbei. „DJ“ zeigt keine Reaktion und auch Mutter „Nixe“, die zu drei Vierteln ein Vollblut ist, ist gänzlich ruhig geblieben.
Züchter ärgern sich über geplantes Verbot
Nicht ruhig bleiben die Pferdezüchter, wenn sie über das von Bundesagrarministerin Ilse Aigner geplante Verbot des „Schenkelbrandes“ zur Kennzeichnung ihrer Tiere sprechen. „Das hat eine jahrhundertlange Tradition und ist für die Pferde völlig ungefährlich“, regt sich Züchterin Silvia Hämmerle auf. Für das Renommee und die Zucht sei es sehr wichtig, dass man auf den ersten Blick erkenne, um welche Rasse es sich handle. Die Frage, ob ein Experte nicht auf den ersten Blick erkenne, ob es sich bei einem Pferd um einen Holsteiner oder Hannoveraner handelt, antwortet die Wissenschaftlerin, dass es Deutschland elf Pferderassen gebe, die in verschiedenen Gebieten gezüchtet werden. „Für einen Einsatz im Springparcours braucht man leichtere Pferde“, nennt sie als Beispiel, nach welchen Kriterien Rassen gezüchtet werden. In Deutschland werden die Vierbeiner fast ausschließlich für Sport und Freizeit genutzt, während in früheren Zeiten besonders die schweren Kaltblütler als Arbeitstiere unerlässlich waren.
Um eine eindeutige Identifizierung der Holsteiner zu gewährleisten wird von jedem Tier eine DNA-Probe entnommen. Des Weiteren bekommt jeder Vierbeiner eine Art „Pferdepass“ und nicht zuletzt gibt es den Schenkelbrand. Entsprechend der EU-Vorschrift wird den Vierbeinern auch ein Chip implantiert, allerdings haben die Mitarbeiter des Holsteinschen Züchterverbandes bei ihrer Deutschland-Tour festgestellt, dass diese Methode fehlerhaft ist. „Von etwa 300 Pferden konnten wir bei 40 und 50 mit unserem Lesegerät den Chip nicht mehr einlesen“, berichtet Stefanie Bergmann.
Sie widerspricht auch der Aussage, dass die Chipimplantierung für das Tier schmerzfreier sei, als der Schenkelbrand. „Ein Gutachten aus Schleswig-Holstein hat durch Gewebeproben nachgewiesen, dass beim Brand, anders als beim Chippen, kaum Entzündungsreaktionen beim Pferd auftreten“, zitiert sie aus dem nach ihren Angaben wissenschaftlich fundierten Beitrag. Auch der heimische Holstein-Züchter Heinrich Joos ist über das geplante Verbot des „Schenkelbrandes“ empört. Ohne dieses typische Erkennungsmerkmal der international geschätzten Rasse würden Zucht und besonders Export der Tiere erschwert.
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