Ein hohes Maß an Zufriedenheit attestieren die heimischen Firmen dem Wirtschaftsstandort Pfullendorf, wie die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) in einer repräsentativen Umfrage ermittelte. IHK-Präsident Peter Jany höchstselbst präsentierte die Ergebnisse im Vortragssaal der Geberit rund 70 Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik. Bei der Umfrage konnten 29 Standortfaktoren aus den Themengebieten Verkehr, Arbeitskräfte, Standortattraktivität sowie weiteren harten und weichen Bedingungen benotet werden.
Als sehr pragmatisch bewertete Gastgeber Robert Lernbecher von der Geberit Produktions GmbH die Umfrage. Im IHK-Bezirk waren 6295 Betriebe angeschrieben worden und im Regierungspräsidium Tübingen sogar 18 313, wobei jedes fünfte Unternehmen antwortet. In Pfullendorf betrug die Rücklaufquote 27 Prozent, denn 33 von 123 Betrieben beteiligten sich. Dabei gab ein Drittel an, in den nächsten zwei Jahren flächenmäßig zu expandieren, vornehmlich in Pfullendorf, auch wegen der ausreichenden Verfügbarkeit von preiswerten Gewerbeflächen. Bei diesem Standortfaktor liegt Pfullendorf im regionalen Ranking im Spitzenfeld und bei der Zufriedenheit mit den Parkmöglichkeiten belegt die Kommune sogar den ersten Platz. Absolut zufrieden sind die heimischen Firmen mit der Umweltqualität, der Sicherheitslage, dem Sport- und Freizeitangebot, der Verfügbarkeit von preiswertem Wohnraum und dem Image der Region.
Erwartungsgemäß werden die mangelhafte Verkehrsanbindung, der ÖPNV, die fehlende Schiene und die unzureichende DSL- und Breitbandversorgung moniert. Absoluter Spitzenreiter mit 76 Prozent Unzufriedenheit sind die Strompreise. „Je weiter man von der Autobahn weg ist, desto unzufriedener sind die Firmen“, ergänzte IHK-Präsident Jany, dass Verkehr ein „harter“ Standortfaktor ist. Mit „gut“ bewerteten die Unternehmen die Gewerbesteuer. Dies spiegle die Zufriedenheit über die Verwendung der Steuergelder durch die Kommune wider, vermutet Professor Jany. Als „aufschlussreich“ bezeichnete Bürgermeister Thomas Kugler die Standortanalyse, die den wirtschaftsfreundlichen Kurs der Stadt. Das Thema „Innenstadt“ will der Rathauschef noch stärker in den Focus rücken und auch die schon gute Kommunikation zwischen Verwaltung und Wirtschaft verstärken. Eine Teilnehmerin monierte, dass es in der Stadt keine gastronomischen Angebote wie Szenelokale für Jüngere gebe, dafür aber viele Spielotheken. Im Seepark habe sich eine neue Wasserski-Szene entwickelt, entgegnete Geberit-Chef Lernbecher, dass Pfullendorf sogar in seiner bayrischen Heimat eine Nummer sei.
IHK-Vizepräsidentin Anne Schmieder gratulierte den Stadtoberen zum hervorragenden Ranking. Die Region Oberschwaben müsse besonders in der „großen“ Politik mehr mit ihren Pfunden wuchern, forderte sie eine Image-Kampagne. „In Berlin weiß niemand, dass wir hier 1300 Familienbetriebe haben“, erklärte Schmieder, die vor 25 Jahren als Ein-Frau-Betrieb startete und heute 123 Mitarbeiter in der Vermittlungsbranche beschäftigt.
