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Pfullendorf BUND zeigt Film von Holger Strohm über Gefahren der Atomenergie

Film „Friedlich in die Katastrophe“ von Holger Strohm klärt über Machenschaften in der Atomlobby auf

Der Film „Friedlich in die Katastrophe“ beim BUND Pfullendorf: Film- und Buchautor Holger Strohm zeigt die Gefahren der Atomenergie auf.
Der Film „Friedlich in die Katastrophe“ beim BUND Pfullendorf: Film- und Buchautor Holger Strohm zeigt die Gefahren der Atomenergie auf. | Bild: Hug

Erschütternd und schonungslos ehrlich bringt der Film „Friedlich in die Katastrophe“ von Holger Strohm die Problematiken der Atomenergie auf den Tisch. Vor 40 Jahren hatte der Autor Strohm sein gleichnamiges Buch auf den Markt gebracht. Nun ist zur Thematik unter dem Einsatz vieler engagierter Menschen ein Film entstanden, den Strohm am vergangenen Samstag in der BUND-Zentrale in Pfullendorf 25 Zuschauern vorstellte.

Von vielen deutschen Kinos werde der Film boykottiert, sagte Strohm, der seit über 40 Jahren für die Aufdeckung der Machenschaften der Atomlobby kämpft. In seinem Film kommen Experten und Insider zu Wort, darunter Professor Michael Müller, ehemaliger Staatssekretär des Bundesumweltministeriums und Hermann Scheer – 2010 verstorben – deutscher Politiker und Mitglied des Bundesvorstands der SPD sowie der deutsche Strahlenbiologe und Arzt Edmund Lengfelder und der Toxikologe und ehemalige Vorsitzende der Wissenschaftlichen Fachkommission zur Ursachenaufklärung der Leukämieerkrankungen im Raum Geesthacht/Elbmarsch, Professor Otmar Wassermann. Im November 2004 hatte die Mehrheit der Wissenschaftler dieser Kommission aus Protest gegen die Verschleierungspolitik ihren Rücktritt erklärt.

Die Verschleierung der Gefahren der Atomenergie sowie die Machtstrukturen der Atomlobby werden mit Strohms Dokumentationsfilm eindrücklich belegt. Die Aussagen, Atomenergie sei die günstigste und klimaschonendste Form der Energieerzeugung, werden im Film in Frage gestellt. Vom Abbau des Rohmaterials Uran bis hin zur Zwischenlagerung der strahlenden Abfälle produziere diese Art der Energieerzeugung immense Mengen an Kohlendioxid.

Mehr als 200 Milliarden Euro an Steuergeldern sei bislang in die deutsche Atomindustrie geflossen. Kein deutsches Atomkraftwerk wäre heute genehmigungsfähig und allein in Deutschland gebe es jährlich 100 Störfälle. Selbst bei störungsfreiem Betrieb entweichen radioaktive Abfallprodukte in Form von Gasen in die Umwelt. Bezahlen müssten dies vor allem Kinder, die, so die Analyse Holger Strohms, nachweislich häufiger an Leukämie erkranken, je näher ihr Wohnort einem Atomkraftwerk liegt. Scheer betonte im Film, er diskutiere nicht mehr über Kostenfragen: „Es ist eine Frage des humanen Augenmaßes“. Radioaktivität mache krank und es sei eine Illusion, die Atomenergie kontrollieren zu können. „Ich bin sehr bestürzt“, war mehrfach aus dem Publikum zu hören. Gefragt wurde auch, wie man selbst handeln könne. „Das Wichtigste ist, dass wir aktiv werden!“ betonte Strohm, der es als Wunder bezeichnet, am Leben zu sein, nach dem, was er beim Kampf gegen die Atom-Mafia erlebt habe. Zehn Jahre lang musste er im Exil leben, weil ihm gedroht wurde, seinen Kindern könne etwas zustoßen. Der Film erscheint im Herbst 2013 als DVD mit Bonusmaterial und kann vorbestellt werden.

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