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Pfullendorf Alno: Gespräche über Stellenabbau

Die Führung der Alno AG informierte gestern bei der Betriebsversammlung in Pfullendorf über ihre aktuelle Situation: die Verwaltungsstrukturen sollen zentralisiert werden, was ein Stellenabbau von 31 Beschäftigten am Standort Pfullendorf bedeutet. Der Versand wird in die Transportfirma „Logismo“ ausgelagert.

Im vollbesetzten Kasino erläuterte gestern die Führungsetage der Alno AG bei einer Betriebsversammlung rund 500 Beschäftigten die aktuelle Situation und informierte über die Zentralisierung der Verwaltungsstrukturen, was zu einem Stellenabbau an den drei deutschen Standorten führte, darunter 31 in Pfullendorf. Die Betroffenen sollen befristet in einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) beschäftigt werden. Des Weiteren wird der Versand am Stammsitz in die 100-prozentige Alno-Tochter „Logismo“ ausgelagert, wovon 35 Mitarbeiter betroffen sind, wie Betriebsratsvorsitzende Waltraud Klaiber gestern auf Anfrage des SÜDKURIER erläuterte.

Sie berichtete von einer ruhigen Stimmung bei der Betriebsversammlung und machte klar, dass die Arbeitnehmervertreter die Strategie von Vorstandschef Max Müller vorbehaltlos unterstützen. „Selbstverständlich tut es mir für jeden betroffenen Kollegen leid“, ergänzte Klaiber, dass für die Alno-Beschäftigten seit 1. Januar 2015 wieder der Tarifvertrag gilt. Im Rahmen eines Standortsicherungsvertrages hatten Unternehmensleitung und Betriebsrat vor Jahren eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach jeder Beschäftigte unentgeltliche Mehrarbeit leisten musste, um die Kosten zu senken und damit wettbewerbsfähig zu werden.

Exakt wegen dieser Wettbewerbsfähigkeit habe Alno-Chef Max Müller bei seiner gestrigen Ansprache an alle Beschäftigten appelliert, die Unternehmensstrategie mitzutragen und das „Beste zu geben“, erklärte Pressesprecher Jürgen Schulze-Ferebee gegenüber dem SÜDKURIER. „Das hätte man schon lange tun müssen und im Gegensatz zu früher, gehen wir an die Strukturen ran und verändern sie“, kommentiert er die geplante Zentralisierung im administrativen Bereich und nennt als weiteres Beispiel für die unterschiedlichen Strukturen, dass konzernweit verschiedene IT-Systeme eingesetzt wurden. Nicht widersprechen will der Konzernsprecher der Rechnung, wonach sieben Millionen Euro Einsparpotential durch den Stellenabbau in etwa 100 Arbeitsplätze entsprechen.

Im dritten Quartalsbericht zum Geschäftsjahr 2015 vermeldete der Konzern gestern, dass zwischen Januar und September der Umsatz um 3,7 Prozent auf 392,9 Millionen Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum gesteigert wurde. Das Ergebnis, also der Gewinn vor Steuern und Zinsen, habe sich bereinigt um Sondereffekte um 90 Prozent von minus 22,4 auf minus 2,2 Millionen Euro verbessert.

Die Börse reagierte auf den gestrigen Quartsbericht zunächst mit einer zehnprozentigen Erhöhung des Aktienkurses auf 66 Cent, um dann im Tagesverlauf wieder unter die 60-Cent-Marke zu fallen, wobei einige Anleger durch den schnellen Verkauf eine „Gewinnmitnahme“ realisierten. In den vergangenen Wochen hat die Familie Müller mehrfach Alno-Aktien gekauft, so dass Max Müller aktuell 2 639 122 Aktien und damit einen Anteil von 3,49 Prozent besitzt. Transaktionen von Führungskräften müssen entsprechend dem so genannten „Directors Dealing“ öffentlich angezeigt werden, und die Besonderheit beim Geschäftsmann aus der Schweiz ist, dass er bislang immer nur Aktien gekauft und keine verkauft hat.

 

„Wir sehen die Notwendigkeit“

Betriebsratsvorsitzende Waltraud Klaiber nahm in der gestrigen Betriebsversammlung zu den Plänen der Unternehmensführung Stellung und erklärte im Gespräch mit dem SÜDKURIER, dass die Arbeitnehmervertreter die Notwendigkeit einer Verwaltungsrestrukturierung sehen. In mehrere Mitarbeiterbriefen habe die Geschäftsführung die Pläne sowie „harte Einschnitte“ angekündigt. Am vergangenen Montag habe man mit Vertretern der Agentur für Arbeit in Pfullendorf viel versprechende Gespräche über die Pläne sowie der Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG) geführt.

Vorbehaltlich der endgültigen Zustimmung der Behörde erhalten, die vom Stellenabbau betroffenen Kollegen in den kommenden Tagen ein entsprechendes Angebot, befristet in diese BQG zu wechseln. Auch auf Ebene der Leitungsfunktionen werden Stellen abgebaut. „Diese Pläne sind realitätsnah und Herr Müller und Frau Demirtas glauben an den Erfolg“, vertrauen Klaiber und ihre Kollegen dem Vorstandsduo. Als absolute Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung der Alno AG hätten die Führungskräfte die Produktqualität bezeichnet: Die Strukturen seien geschaffen und jetzt müsse man liefern. (siv)

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Alno AG: Die Alno AG mit Sitz in Pfullendorf ist einer der größten Hersteller von Küchen in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog das Unternehmen von Wangen bei Göppingen nach Pfullendorf um. Dort ist - nach einer kurzen Episode in Düsseldorf - seit 2011 auch wieder Sitz der AG.
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