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Pfullendorf Alkoholkonsum der Jugend: Sicherheitsprofi macht sich Sorgen

Silvio Dietrich, der 2003 die Sicherheitsfirma D.S.S.D. gründete, ist besorgt über den steigenden Alkoholkonsum der Jugend und mangelndes Verantwortungsbewusstsein der Eltern.

Seit etlichen Jahren gehören die schwarz gekleideten Frauen und Männer des Sicherheitsdienstes D.S.S.D. bei vielen öffentlichen Events in Pfullendorf wie Biker-Days, Public Viewing oder Konzerten wie selbstverständlich dazu. Jeweils zu zweit beaufsichtigen sie die Besucher, kontrollieren an Ein- und Ausgängen und sorgen dafür, dass Partys und Feste friedlich bleiben. „Klar ist, dass wir als Security unseren Teil zu einer guten Stimmung beitragen müssen“, erklärt der 36-jährige Firmenchef Silvio Dietrich, dass für seine Crew ein freundlicher Umgangston mit den Besuchern absolut Pflicht ist, denn schließlich begrüßten und verabschiedeten sie die Gäste. Was aber tun, wenn auf der Gegenseite keine freundliche Antwort, sondern Anmache und Provokation folgt, verursacht durch Alkohol oder Angeberei? „Selbstbewusst und sicher auftreten, ruhig und menschlich bleiben“, formuliert der frühere Zimmermann als Grundsatz. Dass Frauen wie in Köln von einer Horde Männer bedrängt und genötigt werden, hat er in dieser Dimension noch nie erlebt. Aber auch in der Region gibt es Situationen, in denen Frauen belästigt werden wie beim Narrentreffen in Hohentengen. „Da kamen mehrere Frauen auf uns zu und sagten, dass zwei Männer sie beim Tanzen immer belästigen“, erzählt Dietrich, dass das Duo angesprochen und aus dem Zelt verwiesen wurde. Richtig zufrieden ist der Security-Mann, wenn im Anschluss an ein Fest die Leute fragen, ob überhaupt Sicherheitspersonal vor Ort war. Dann haben seine Leute ihren Auftrag im Hintergrund für Ruhe und Sicherheit zu sorgen, absolut erfüllt.

Sorgen bereitet dem Familienvater der zunehmende Alkoholkonsum bei Jugendlichen und deren Respektlosigkeit gegenüber der Obrigkeit. Viele Jugendliche wüssten genau, was sie sich gegenüber Polizisten erlauben könnten, während das Verhalten von Security-Leuten doch unkalkulierbarer sei und deshalb der Respekt größer. „So schnell so voll wie möglich“, definiert er das Trinkverhalten vieler Jugendlicher. Deshalb ist für ihn die Einführung des „One-Way-Tickets“ absolut sinnvoll, denn so wird verhindert, dass Jugendliche sich außerhalb mit mitgebrachten Alkohol betrinken und immer wieder in die Location zurückkehren, außer sie zahlen immer wieder Eintritt. Keinen Respekt hat Dietrich vor Eltern, die die Security kritisieren, wenn diese ihre minderjährigen Sprösslinge entsprechend den gesetzlichen Vorgaben um Mitternacht aus einem Zelt verwiesen haben. Und schier fassungslos erlebt er manchmal, wie Erziehungsberechtigte ihren Kindern an der Bar einen Drink besorgen. „Das Verantwortungsbewusstsein ist bei vielen Eltern rückläufig“, konstatiert Silvio Dietrich klar. Bei den Jugendlichen wird er noch mit einer anderen Schwierigkeit konfrontiert – es wird immer schwieriger, besonders bei den Mädchen, das Alter einzuschätzen. Deshalb wird beispielsweise der vor fünf Jahren kreisweit eingeführt Partypass rigoros kontrolliert, was den Security-Leuten bei den Kids keine Freunde bringt. Trotz der negativen Entwicklungen stellt Silvio Dietrich der Jugend ein gutes Zeugnis aus und er versteht besonders in Pfullendorf den Frust der Jugendlichen, da es einfach keinen zentralen Platz für sie gibt. So treffen sich die verschiedenen Cliquen an unterschiedlichen Locations und durch seine Streifenfahrten beispielsweise durch den Seepark hält der D.S.S.D. den Kontakt mit ihnen. Eine eindeutige Aussage gibt's von ihm auch zur aktuellen Sicherheitsdiskussion in der Republik. „Die Leute haben Angst und wollen sich selbst schützen“, berichtet Dietrich, dass beispielsweise bei seinem Ausrüster kein Pfefferspray mehr lieferbar ist. Dass immer mehr Leute sogar Waffen wie Schreckschusspistolen mit sich führen ist für ihn nicht nachvollziehbar. „Ich würde diese Anscheinwaffen alle verbieten“, weist er auf ein trügerisches Sicherheits- oder gar Überlegenheitsgefühl hin, das für die Besitzer im Ernstfall fatale Folgen haben kann. Im Bewachungsgewerbe ist das Tragen solcher Gegenstände übrigens verboten.
 

„Rufen Sie laut um Hilfe und sprechen Sie Passanten an“

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat Verhaltenstipps parat, wie man sich bei Gewalt und sexuellen Übergriffen in der Öffentlichkeit schützen kann:

Versuchen Sie, aggressiv und bedrohlich wirkende Situation von vornherein zu vermeiden.

Wenn man dennoch in eine schwierige Situation gerät: Verlassen Sie die Situation so schnell es geht. Lassen Sie sich nicht provozieren und vermeiden Sie Diskussionen. Beleidigen Sie den Angreifer nicht. Gehen Sie in die unmittelbare Nähe anderer Menschen.

Machen Sie auf sich aufmerksam. Rufen Sie laut um Hilfe und sprechen Sie Passanten an, und zwar direkt.

Siezen Sie den Angreifer. So demonstrieren Sie Distanz und zeigen Außenstehenden, dass es sich nicht um eine private Angelegenheit handelt.

Wehren Sie sich.

Verzichten Sie allerdings auf Abwehrwaffen wie Pfeffersprays, denn dieser Einsatz kann leicht zur Gefahr für Sie selbst werden.

Beobachten Sie genau und prägen sich Tätermerkmale ein. Auffälligkeiten wie Tätowierungen helfen bei den späteren Ermittlungen. Größe, Kleidung - jedes Detail ist hilfreich.

Rufen Sie die Polizei über die Notrufnummer 110. Sie können auch einen Notruf per SMS an die Nummer 0 15 22/1 80 71 10 absetzen.

Erstatten Sie Anzeige!

Als Zeuge eines Übergriffs sollten Sie den Betroffenen helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Fordern Sie andere Leute aktiv und direkt zur Mithilfe auf. Beobachten Sie genau und prägen Sie sich Tätermerkmale ein. Rufen Sie die Polizei und kümmern Sie sich um das Opfer. Stellen Sie sich dann später als Zeuge zur Verfügung.

Informationen zu Zivilcourage:

www.aktion-tu-was.de

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