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Pfullendorf Agrofotovoltaik: Landwirte ernten Lebensmittel und Strom

Ein Modellvorhaben, das höchste internationale Aufmerksamkeit erregt hat: Auf einer 0,5-Hektar großen Fläche der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach wird nächstes Jahr eine Fotovoltaikanlage in Ständerbauweise gebaut. Unter dem Solardach werden Lebensmittel angebaut.

Ein Modellvorhaben, das höchste internationale Aufmerksamkeit erregt hat, wurde bei der Sitzung des Planungsausschusses des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben im neuen Ratssaal vorgestellt – auf einer großen 0,5 Hektar Ackerfläche der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach wird 2016 eine besondere 190-Kw-Agrofotovoltaikanlage gebaut.

Auf einer fünf Meter hohen Stahlkonstruktion werden Fotovoltaik-Module installiert, mit denen Energie erzeugt wird und unter diesem Solardach werden Kartoffeln und Gemüse angebaut und auf dem Areal weiden Kühe. Auf einem angrenzenden Feld wird dieselbe Landbewirtschaftung betrieben und Experten untersuchen etwaige Unterschiede bezüglich Erntemenge oder Bodenqualität. Durch diese „doppelte Landnutzung“, also die gleichzeitige Ernte von Solarstrom und Lebensmitteln, könnte die Landnutzungskonkurrenz zwischen Land- und Energiewirtschaft beendet werden, die durch den zunehmenden Bau von bodennahen Fotovoltaikanlagen entstanden ist.

Für den Landwirt erhöhe sich durch den Betrieb einer Agrofotovoltaikanlage die Landnutzungsrate bis zu 80 Prozent, erläuterte der Projektverantwortliche Stefan Schindele vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme Freiburg, das das Modellvorhaben initiierte, und zwar gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie sowie der Universität Hohenheim. Er prognostizierte bis zum Jahr 2050 eine Solarstromproduktion von 250 Gigawatt, wovon 25 Prozent durch Solaranlagen auf freier Fläche erzeugt würden. Das Potenzial für sonstige regenerative Energiezeugung wie Biogas stuft er für die Verbandsregion als gering ein und Windkraftanlagen seien sehr umstritten. „Der massive Ausbau der Windenergie ist gescheitert“, hatte zuvor Verbandsdirektor Winfried Franke mit Hinweis auf etliche Gerichtsverfahren bezüglich Baugenehmigungen oder Ausweisung von Windkraftstandorten festgestellt.

Mit dem Ausbau der Agrofotovoltaik sehen die Verantwortlichen eine Möglichkeit, die Ziele der Energiewende zu erfüllen, wonach 38 Prozent des Stroms bis zum Jahr 2022 aus regenerativer Erzeugung stammen sollen. Derzeit sind es bundesweit 25 Prozent, wobei die Bodenseeregion lediglich 12 Prozent vorweist. Die Kosten für das Projekt, das bis 2019 fixiert ist, betragen 3,2 Millionen Euro, wovon das Bundesforschungsministerium 90 Prozent und die Kooperationspartner der Wirtschaft, darunter die Agrargenossenschaft BayWa zehn Prozent tragen. Die Bürgerschaft soll durch Informationsveranstaltungen vor und nach Inbetriebnahme aktiv in das Projekt eingebunden werden, um die Akzeptanz für das Vorhaben zu erhöhen.

Weitere Testvorhaben sind auf einem Obstanbaubetrieb und einem Hopfenbetrieb geplant, wobei die Nutzung des Solardaches als Hagelschutz schon projektiert ist und im Freiburger Raum soll ein Solardach einen Weinberg überspannen. Die Mitglieder des Planungsausschusses des Regionalverbandes nahmen das Projekt äußerst wohlwollend und mit Stolz zur Kenntnis, dass ein solch wegweisendes Vorhaben in der Region verwirklicht wird, das womöglich weltweiten Vorbildcharakter erhalten könnte.

Modellanlage

Die Fotovoltaikanlage wird in Ständerbauweise errichtet, ist 40 Meter breit, 120 Meter lang und fünf Meter hoch. Unter der Dachkonstruktion findet auf 0,5 Hektar weiter landwirtschaftliche Nutzung statt und angrenzend gibt es eine gleichgroße Kontrollfläche ohne Dach, um Erträge etc. zu vergleichen.

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