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Ostrach Halbzeit bei der Pfarrheimsanierung – Teilabriss bringt wertvolle Balken zutage

Der einstige Fachwerkbau wurde 1755 erbaut und in den 80er-Jahren zum Pfarrheim umgebaut. Seit 2016 wird das Pfarrheim saniert. Alte Balken sollen erhalten bleiben.

In Ostrachs kirchlichem Gebäudeensemble und zugleich Gemeindezentrum dominiert eine Baustelle das Erscheinungsbild. Es handelt sich um den Umbau, die Erweiterung und Sanierung des Pfarrheimes an der Kirchstraße. Einst war das Gebäude eine Pfarrscheune zur Lagerung von Getreide, Stroh und Heu, erbaut im Jahr 1755 unter Pfarrer Johann Konstantin Hacho. 1927 wurde das Gebäude zum Jugendheim umgebaut und durch Pfarrer Anton Hofer eingeweiht. Abermals umgestaltet wurde das Haus in den Jahren 1981/82 in der Amtszeit von Pfarrer Alfred Haas zum Pfarrheim.

Planung und Baubeginn für die neuerliche Sanierung waren im Jahr 2016 unter Pfarrer Rudolf Dehne. Pfarrer Meinrad Huber wird das neue Pfarrheim noch in diesem Jahr einweihen. Das jedenfalls verkündete er am Tag des Kirchenpatroziniums 2017. Für zwei Stunden öffnete sich an diesem Tag die Baustelle, die ihre Halbzeit bereits überschritten hat. Der Besuch zeigte, dass die Bürger reges Interesse am künftigen Aussehen ihres Pfarrheimes haben, das von vielen heute noch Jugendheim genannt wird.

Hätte die Pfarrscheune die Schlacht bei Ostrach nicht überlebt, gäbe es heute auch kein Pfarrheim. Zwar ist von dem einstigen Fachwerkbau nicht viel übrig geblieben, doch die Zimmererleute der Firma Saile staunten nicht schlecht, als sie beim Teilabriss auf die Balken des einstigen Heubodens stießen, zwischen denen sie als Isoliermasse Torf aus dem Ried vorfanden. Diese Balken werden auch den aktuellen Umbau überstehen. Isoliert wurde die Decke nunmehr mit Steinwolle. Die neue Decke wird zurzeit mit Rigipsplatten erstellt. Der Umbau betrifft den Saal, die Bühne, die Küche, die Sanitäranlagen, den Eingang, Gruppenräume und die Garderobe. Großer Wert wurde bei der Planung auf die Erhaltung der historischen Fassade entlang der Kirchstraße gelegt. Hier sind die Fenster bereits nach unten verlängert, um mehr Licht für den Saal zu gewinnen.

Blicken die Ostracher zurück in die erste Umbauzeit, so treffen sie auf einen mustergültigen Gemeinschaftssinn von Jugend, Bürgern und Pfarrer. Nicht umsonst sprachen die Bürger 1927 vom „Gnadenjahr des Jahrhunderts“. Es war auch das Geburtsjahr der katholischen Jugendarbeit in der Pfarrgemeinde St. Pankratius. Um Pfarrer Anton Hofer scharten sich die Kapläne Beuter und Glöckler, die Lehrerin Maria Strassner und Josef Sorg. Sie gründeten den Gesellenverein, den Jugend- und Jungmännerverein, die Fußballmannschaft „Deutsche Jugendkraft“ und den „Rosengarten unserer lieben Frau“. Gemeinsam mit den Ostracher Handwerkern wurde der Umbau der Pfarrscheune gestemmt, dessen Kosten die Pfarrpfründe übernahm.

Pfarrer Anton Hofer riskierte dazu allerdings ein Darlehen in Höhe von 10 000 Reichsmark. Wenn durch das jetzige Bauvorhaben, das dem Kostenvoranschlag nach rund 1,2 Millionen Euro in Anspruch nehmen wird, in der Mitte des Ortes ein Gemeindezentrum als „Wohnzimmer der Kirchengemeinde“ entsteht, ist es wert, der Initiatoren „von anno dazumal“ dankend und ehrend zu gedenken.

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