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Ostrach 288 Seiten Kulturgeschichte

Ostrach – Ein wichtiges Stück der Kulturgeschichte des heutigen Landkreises Sigmaringen liegt nun aufgearbeitet in Buchform der Öffentlichkeit vor. Der Landkreis und der Meßkircher Gmeiner-Verlag stellten den Band „Historische Orgeln im Dreiländerkreis Sigmaringen“ vor.

Die beiden Autoren (von links) Mark Vogl und Wolfgang Manecke erhalten ebenso wie Landrat Dirk Gaerte (rechts) in der historischen Dorfkirche von Levertsweiler von Verleger Armin Gmeiner (2.v.r.) bei der Buchpräsentation die ersten Exemplare des Orgelbuchs und der CD überreicht
Die beiden Autoren (von links) Mark Vogl und Wolfgang Manecke erhalten ebenso wie Landrat Dirk Gaerte (rechts) in der historischen Dorfkirche von Levertsweiler von Verleger Armin Gmeiner (2.v.r.) bei der Buchpräsentation die ersten Exemplare des Orgelbuchs und der CD überreicht | Bild: Bild: Steinmüller

Das Werk von Wolfgang Manecke und Mark Vogl unter der Redaktion von Kreisarchivar Edwin Ernst Weber enthält unter anderem ein komplettes Verzeichnis der Pfeifenorgeln in den katholischen, altkatholischen und evangelischen Kirchen im Landkreis.

Wer als normaler Kirchgänger ohne besondere musikalische Ausbildung einen feierlichen Gottesdienst erlebt, ist vielleicht von der Wucht der Orgelmusik beeindruckt. Für viele Kirchenbesucher ist das Thema Orgel nach dem Verlassen des Gotteshauses mit diesem Eindruck abgehakt. Doch hinter jeder Orgel steckt eine eigene Geschichte, in der sich die Probleme, Schwierigkeiten und der jeweilige Zeitgeist widerspiegeln. Genau um diese Geschichte, um das Schicksal der Orgeln im Landkreis, geht es in diesem Buch und macht es damit zu einer interessanten Lektüre.

Eine Gemeinsamkeit zieht sich allerdings wie ein roter Faden durch fast jedes Orgelleben, es fehlte und fehlt fast immer am Geld, um die majestätischen Musikinstrumente zu erhalten. Beispielsweise die Wallfahrtskirche in Engelswies. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1903. Schon 1906 war die erste Reparatur fällig, weil eine Maus an den Membranen der pneumatischen Steuerung genagt hatte. Bereits 1940 scheitert der Einbau eines neuen Gebläses am Geldmangel. 1951 war es so schlimm, dass Brocken aus der Kirchendecke auf die Orgel fielen. Sogar der badische Ministerpräsident wurde eingeschaltet, bevor die Reparatur für 1715 Mark erfolgen konnte. Die Einschätzung im Buch, die Orgel sei seit 2002 „restaurierungsbedürftig“, möchte Pfarrer Julius Auer, wie er im SÜDKURIER-Gespräch betont, in dieser Schärfe allerdings nicht teilen.

Doch selbst wenn Geld für eine Reparatur oder Wartung vorhanden war, ist die Existenz der Orgel noch lange nicht garantiert. Professor Michael Kaufmann von der Musikhochschule in Trossingen brachte es in seinem kurzen Vortrag zur Buchvorstellung in der Levertsweiler Kirche auf den Punkt, wenn er manche Orgelreparaturen oder Orgelrenovationen der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts als „Schlachtfest“ bezeichnete. Viel Wertvolles sei damals zerstört worden und müsste heute bei erneuten Maßnahmen wieder geschaffen werden. Als Beispiel nannte der Orgelfachmann die Orgelrenovierung 1974 in Ostrach. Damals seien minderwertige Materialien eingebaut worden, die sich jetzt bereits „auflösten“.

Das 288 Seiten starke, gebundene Werk, besticht durch seine für Produkte aus dem Gmeiner-Verlag übliche handwerklich gute Aufmachung und besonders durch die zahlreichen durchweg in Farbe und in exzellenter Qualität gedruckten Fotografien der einzelnen Orgeln. Ein ausführliches Orts- und ein Namensregister mit einem „who is who“ der Orgelbauwelt im Landkreis Sigmaringen runden das Buch ab und zeugen von der wissenschaftlichen Arbeitsweise der Autoren.

Das Orgelbuch ist für 24,90 Euro im Buchhandel oder beim Kreisarchiv im Sigmaringer Landratsamt erhältlich. Begleitend zum Orgelbuch ist eine CD mit klassischer Orgelmusik, eingespielt von Johannes Mayr an den Orgeln in Göggingen, Habsthal, Inzigkofen, Krumbach, Sießen und Wald zum Preis von 12,50 Euro erschienen. Bestellungen sind im Kreisarchiv möglich.

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