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Southside Diese Bands lohnen sich 2017: SÜDKURIER-Volontärin Jeanne Lutz empfiehlt ihre Top-Acts beim Southside

Um die 80 Bands werden beim Southside-Festival auftreten. Manche sind bekannt, manche weniger. Die SÜDKURIER-Volontäre empfehlen ihre persönlichen Top-Künstler des Festivals. Jeanne Lutz freut sich besonders auf zwei Auftritte.

Mando Diao: Es war ein Samstagnachmittag im Jahr 2005, als ich das erste Mal das Musikvideo zu „Down in the past“ von Mando Diao auf dem damals noch frei empfänglichen Sender MTV sah. Danach zog ich mir die Schuhe an, ging in den CD-Laden meines Vertrauens und kaufte das Album „Hurricane Bar“. Mein 13-jähriges Ich war verloren, eine große Liebe begann. Die schwedische Band, in die ich mich 2005 verliebt hatte, schrieb in ihren ersten Jahren Songs, die von Musikgrößen wie den Beatles, den Rolling Stones oder den Kinks beeinflusst waren. Single-Auskopplungen wie „Sheepdog“, „God knows“ oder „Good morning Herr Horst“ durften auf keiner Indie-Playlist fehlen.

Gutaussehend waren die Jungs aus Borlänge auch noch, allen voran die Sänger Björn Dixgard und Gustaf Noren, die schwitzend und schreiend die Hymnen unserer Jugend ins Mikro brüllten. Der Mode entsprechend trugen sie Röhrenjeans und Chelsea-Boots, eine Zigarette und ein Bier waren ebenso Accessoire wie das obligatorische Handtuch, das am Ende jedes Konzertes dem Publikum vermacht wurde. Ich muss es wissen, ich war auf acht Mando Diao-Konzerten.
Björn Dixgard, der Sänger der Band "Mando Diao", tritt am 28.05.2016 in München (Bayern) beim Musikfestival "Rockavaria" auf. Das Festival dauert noch bis zum 29.05.2016. Foto: Sven Hoppe/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |
Mando Diao, hier Sänger Björn Dixgard, sind alte Bekannte auf dem Southside-Festival. 2017 sind sie wieder mal mit dabei. | Bild: Sven Hoppe (dpa)
 
Heute, zwölf Jahre später, bin ich immer noch bekennender Fan, auch wenn mich die vergangenen beiden Alben, das folkloristische„Infruset“ und das 80er-Synthie-Machwerk „Aelita“ eher verstört als begeistert zurückließen. Dabei hatten Mando Diao ihren alten Sound schon spätestens mit dem vierten Studioalbum abgelegt. Ihr fünftes Album 2009 markierte den absoluten Durchbruch. „Give me fire“ stieg auf Platz 1 der deutschen Charts, die Single „Dance with somebody“ dominierte bundesweit die Hot-Rotation der Radiosender.

Als Fan der ersten Stunde war ich geneigt, ihnen den Hochverrat des Kommerz vorzuwerfen, den Verkauf ihrer Seele als authentische Musiker. Allerdings brachte der Erfolg auch zahllose Konzerttouren mit sich, sodass ich im Endeffekt gnädig darüber hinwegsehen konnte. Bei den oben genannten „Infruset“ und „Aelita“ war das deutlich schwieriger. Gerade letzteres Album klang nach allem, aber nicht nach Mando Diao. Die Band stilisierte sich zu einem Gesamtkunstwerk, das niemand verstand, außer sie selbst. 2016 verließ Gustaf Noren die Gruppe. Das Ende meiner Lieblingsband schien besiegelt.

Doch jetzt, mehr als ein Jahr später, melden sich die Schweden in neuer Besetzung zurück. Im Mai erscheint das achte Mando Diao-Album „Good Times“. Mit mehr Angst als Freude habe ich mir die erste Single-Auskopplung „Shake“ angehört. Es ist nicht der von mir geliebte 2005-Sound. Aber es ist auch nicht "Aelita". Es besteht also Grund zur Hoffnung – auch wenn ich mir ein Konzert ohne Gustaf noch nicht so recht vorstellen kann. Für eine Überraschung sind Mando Diao in jedem Fall gut – und ein paar alte Songs haben sie garantiert im Gepäck. Vielleicht auch "Down in the Past":


Bilderbuch: Bei dieser Band ist der Name Programm. Jeder Versuch die vier Österreicher in eine musikalische Schublade zu stecken, täte ihnen unrecht.
Die vier Jungs von Bilderbuch (v.l.): Maurice Ernst, Philipp Scheibl, Peter Horazdovsky und Michael Krammer.
Die vier Jungs von Bilderbuch (v.l.): Maurice Ernst, Philipp Scheibl, Peter Horazdovsky und Michael Krammer. | Bild: Elizaveta Porodina
Was nicht heißt, dass es nicht mehrfach versucht worden wäre: Hip Hop, Alternative, Pop, Art-Punk – der Zuhörer kann sich je nach Gusto aussuchen in welchem Genre er eine der derzeit erfolgreichsten Bands Österreichs verorten will. Wahre Fans versuchen das aber erst gar nicht. Bilderbuch sind schillernd, zeigen mit jedem Song eine neue Facette und sind daher nie langweilig.

Mit Sänger Maurice Ernst falkoesquem, deutschsprachigem Gesang schwimmt die Band nicht nur auf der vor allem in Deutschland spürbaren Austro-Pop-Welle mit, sondern führt sie gemeinsam mit den Kollegen von „Wanda“ auch an. Die Singles „Maschin“, „Bungalow“ oder „Spliff“ sind obligatorische Titel in jeder WG-Party-Playlist. Und so klingt "Spliff":

Dass das, was die Jungs da seit zwölf Jahren machen, gut ist, wurde inzwischen auch von oberster Instanz offiziell bestätigt. Im Mai wurden Bilderbuch in den Kategorien „Band des Jahres“ und „Live Act des Jahres“ mit dem Amadeus Austrian Music Award, dem bedeutendsten österreichischen Musikpreis, ausgezeichnet.

Trotz ausgewachsenem Selbstbewusstsein wirken sie in ihren schaustellerhaften Bühnenoutfits sympathisch, weil alles was sie, vor allem live, bieten, mit einem gewissen Augenzwinkern zu geschehen scheint. Dennoch kommt die musikalische Raffinesse nicht zu kurz. Ein Konzert der Band zu beschreiben, ist ähnlich müßig wie die Besprechung eines Bilderbuchs: Man muss es erlebt und gesehen haben, um es zu verstehen, um danach wissend zu nicken oder sich kopfschüttelnd einem anderen Kapitel zuwenden zu können – was schade wäre. Denn die lohnen sich. Und zwar so richtig.
 

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