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Meßkirch Tastenzauber mit charmanter Pianistin

Meßkirch – Der Saal konnte die Menge der Besucher kaum fassen, die zum „Tastenzauber“, dem zweistündigen Klavierkonzert von Henriette Gärtner mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Theodor Leschetitzky, Moritz Moszkowski und Modest Mussorgski gekommen waren. Das Konzert am Sonntagabend beendete die Reihe der Schlosskonzerte in diesem Jahr.

Wie gewohnt gab die Pianistin charmante Einführungen in die gespielten Werke.

Landrat Dirk Gaerte begrüßte die Besucher und verlieh seiner Freude Ausdruck, dass die Künstlerin, die in der Region aufwuchs und in Meßkirch am Martin-Heidegger-Gymnasium das Abitur gemacht hat, immer wieder gern hierher kommt. Henriette Gärtner begann das Programm klassisch mit Mozarts Sonate in A-dur (KV 331), 1778 in Paris entstanden. Den ersten Satz, ein Andante grazioso mit sechs Charaktervariationen, spielte sie zierlich, graziös, klangvoll, fast impressionistisch, eben als „Tastenzauber“. Das folgende Menuett erinnert nur noch von ferne an den beliebten Rokokotanz, bevor sie den berühmten Türkischen Marsch furios zu Ende brachte. In dieser Sonate kamen zum ersten Mal im Programm die gefürchteten Oktavenparallelen vor, die in allen Stücken dieses Abends so etwas wie ein Leitmotiv bildeten.

Henriette Gärtner gräbt immer wieder unbekannte oder sehr selten gespielte Werke aus. Theodor Leschetitzky (1830-1915), heute den meisten unbekannt, ist einer der Mitbegründer der so genannten „russischen Schule“. Er galt zu seinen Lebzeiten wegen der großen Zahl berühmter Schüler als bester Klavierlehrer der Welt. Henriette Gärtner wählte drei seiner Klavierstücke – aus zwei Gründen: Einmal wollte sie nicht im 200. Geburtsjahr von Schumann und Chopin wie hundert andere Pianisten Werke der beiden spielen; und zum anderen ist sie über ihren Lehrer in Imola eine Enkelschülerin in der vierten Generation von Leschetitzky. Sie spielte drei Hommages (à Czerny, à Schumann, à Chopin) dieses Komponisten – und damit doch noch ihren Beitrag zum Schumann- und Chopinjahr.

Hier wurde nun aus dem „Tastenzauber“ ein „Tastenfeuer“: Virtuos, kraftvoll und brillant flogen Gärtners Hände über die ganze Tastatur und ließen vergessen, dass der Komponist Leschetitzky einen für einen Klavierlehrer eher sperrigen Klaviersatz schrieb. Auch bei der Paraphrase zu Isoldes Liebestod (aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“) wählte Henriette Gärtner nicht die bekannte Version von Liszt, sondern die weniger bekannte, aber nichtsdestotrotz kongeniale des deutschen Komponisten Moritz Moszkowski (1854 in Breslau geboren), einem früher bekannten Vertreter der so genannten Salonmusik. Satte Klänge, Steigerungen bis zum dreifachen Forte und ein atemberaubendes Pianissimo beeindruckten bei dieser Musik.

Nach der Pause erklangen die „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski in der Originalfassung für Klavier. Wenn man Henriette Gärtner hört, wie sie die gegensätzlichen Stimmungen mit schnell wechselnden Spielfiguren von zierlich und spritzig bis gewaltig und feurig technisch meistert und trotzdem noch die Programmatik dieser Musik auslotet, versteht man, warum dieses Werk so selten im Konzertsaal zu hören ist. Für den Beifall bedankte sich Henriette Gärtner mit drei Zugaben: „Die Spieluhr“ von Carl Nielsen, „Ahnung“ von Robert Schumann, vor einigen Jahren zufällig in Überlingen aufgefunden, und „Bugatti Step“ von Jezek.

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