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Meßkirch Probleme auf Campus Galli: Gaststätte erfüllt Vorschriften nicht

Die Bürokratie macht den Akteuren auf der Mittelalterbaustelle Campus Galli einen Strich durch die Rechnung. Moderne Vorschriften in Sachen Hygiene und Statik müssen eingehalten werden – mittelalterliche Methoden hin oder her. Nach einem Besuch des Wirtschaftskontrolldiensts ist klar: Die Gaststätte kann so nicht weiter betrieben werden.

Auf der Klosterstadtbaustelle Campus Galli bremsen Hygiene- und Bauvorschriften den Drang der Akteure, möglichst authentisch mit mittelalterlichen Methoden zu arbeiten. Nach einem Besuch des Wirtschaftskontrolldiensts könne der Gaststättenbetrieb so nicht fortgeführt werden. Das sagte Thomas Schlude, stellvertretend für den neuen Geschäftsführer der karolingischen Klosterstadtbaustelle, Hannes Napierala, beim ersten CDU-Stammtisch im Hotel Adler.

„Im Campus Galli prallt die Bürokratie des 21. Jahrhunderts auf die mittelalterliche Karolingerzeit“, sagte Thomas Schlude, der auch Gemeinderat ist. Er hatte neben seinem Hauptberuf als selbständiger Finanzberater während der letzten Monate dem neuen Geschäftsführer hauptsächlich in kaufmännischer Hinsicht Hilfestellung und Einweisung gegeben.

„Die Gastronomie auf dem Marktplatz im Campus darf in der gegenwärtigen Weise nicht fortgeführt werden“, berichtete Schlude, „hier hat uns der Wirtschaftskontrolldienst einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Eine moderne Küche in mittelalterlichem Gewand sei sicherlich ein notwendiger Kompromiss, den man wie auch an anderen Stellen finden müsse und werde, so sein Fazit. Durch aktuelle Bauvorschriften und statische Berechnungen seien auch bei Bauwerken wie der Holzkirche vielfach Kompromisse notwendig. Denn man könne zwar das Fundament der Kirche wie im Mittelalter ohne Eisenarmierung herstellen, es gebe aber dann keine Abnahme durch die örtliche Baubehörde. Dadurch wäre ein Zutritt zu der Kirche für Besucher in aller Zukunft eben nicht möglich, stellt Schlude fest. „Das alles heißt in der Summe: Wir können das Mittelalter heute nicht mehr eins zu eins umsetzen“, so Schludes nüchternes Fazit.

Campus Galli habe sich mittlerweile zu einem mittelständischen Unternehmen entwickelt, welches von einem Mann alleine nicht mehr geführt werden könne, begründete Schlude die Notwendigkeit der Einstellung eines Geschäftsführers. Der Klosterstadtverein sehe die Einstellung von Hannes Napierala als absoluten Glücksgriff. Er habe sich in der kurzen Zeit bereits in hervorragender Weise in die Materie eingearbeitet und beweise über seine große Fachkenntnis als Archäologe hinaus auch hervorragende Eigenschaften in der Mitarbeiterführung, sagte Schlude. Dies sei angesichts der zahlreichen ehemaligen Langzeitarbeitslosen, die zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern auf dem Campus mit großem Engagement teilweise schwerste körperliche Arbeit leisteten, besonders anerkennenswert. Alleine etwa 4500 Arbeitsstunden seien bisher in den Aushub des Fundamentes und den Bau der Holzkirche investiert worden, fuhr Schlude fort. Auch gestandene Fachleute und Handwerker seien in Zukunft gefragt, die allerdings auch erst lernen müssten, ohne moderne Maschinen ihr Handwerk auszuüben, so Schlude.

Das Jahr 2014 sei mit knapp 37 000 Besuchern und 420 Führungen ein durchaus erfolgreiches Jahr für die Klosterstadtbaustelle gewesen. So hätten sich Workshops mit mehreren tausend Schülern, Managementseminare der Akademie für Führungskräfte und viele andere Veranstaltungen für Gruppen etabliert. Dadurch fänden sich immer mehr Multiplikatoren für das Projekt.

Man sei bei den beiden großen Festen im Sommer und im Herbst deutlich an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gestoßen, so Schlude. So müsse auch die Infrastruktur und die Personaldecke entsprechend der Zunahme der Besucherzahl wachsen. Er ist überzeugt, dass eines Tages 100 000 Besucher pro Jahr Campus Galli besichtigen werden, sagte Schlude, denn das professionelle Marketingkonzept greife bereits jetzt spürbar. Im kommenden Jahr wolle man nur ein großes Fest veranstalten und darüber hinaus Thementage, beispielsweise zum Holzbau oder dem Werkstoff Stein anbieten, kündigte Schlude an. Auch Kinder müsse noch mehr angeboten werden: Man denke da etwa an eine Kinderbaustelle.

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