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Meßkirch Henriette Gärtner - Diese Frau verzaubert

Henriette Gärtner schließt mit ihrem Auftritt die Herbstreige der Schlosskonzerte ab.

Beifall für Henriette Gärtner. Die Pianistin bei ihrem zweistündigen Programm mit Klaviersonaten im Schlosssaal.
Beifall für Henriette Gärtner. Die Pianistin bei ihrem zweistündigen Programm mit Klaviersonaten im Schlosssaal. | Bild: Günther Brender

Die Pianistin Henriette Gärtner entwickelt sich zu einem Publikumsmagnet: Zum Abschluss der Herbstreihe von Meßkircher Schlosskonzerten spielte sie vor vollem Haus ein zweistündiges Programm mit Klaviersonaten von Baldassare Galuppi, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert sowie der Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt. In charmanter Art führte sie ins Programm ein und gab Informationen zu den Werken. So verriet sie, dass Galuppi mit seinen Sonaten im Scarlattistil (Temposteigerung vom Andante über ein Allegro zum Allegro assai) das Publikum auf hohem Niveau unterhalten wollte. Das Publikum solle sich zurücklehnen und einfach mal schöne Musik hören, meinte die Pianistin. Von den ersten Tönen des Andante der Sonate V in C-dur an verzauberte Henriette Gärtner durch ihre Anschlagskultur den Saal: die rechte Hand ließ eine einfache Melodie aufblühen, die den ganzen Raum mit Wohlklang erfüllte, die linke Hand spielte ganz leise, fast unhörbar, die Begleitfigur. Im folgenden Allegro und vor allem im Allegro assai wechselte die Stimmung zu Ausgelassenheit und virtuosen Sprüngen. Beethovens Sonata quasi una fantasia in cis-moll (op. 27,2) korrespondiert in der Steigerung des Tempos mit Galuppis Sonate (Adagio sostenuto, Allegretto, Presto agitato), stellt aber sonst den krassen Gegensatz dazu dar. Henriette Gärtner verriet, dass die Bezeichnung „Mondscheinsonate“ die Erfindung des Verlegers gewesen sei, um den Absatz zu steigern und dass sie das Werk etwas anders also sonst üblich interpretieren werde.

Und so erlebte das Publikum das Kontrastprogramm zu Galuppis Sonate: ein Adagio, nicht als Nachtidyll, sondern als Trauermarsch gespielt, ein munteres Allegretto als Freudentanz mit Synkopen und rhythmischen Verschiebungen und einen leidenschaftlichen, dank ihrer überragenden Technik auch wirklich im presto agitato gespielten Schlusssatz, das Ringen des Lebenswillens gegen Leiden und Dunkelheit. Henriette Gärtner sucht immer, wie sie sagt, nach weniger bekannten Werken, um sie als bisher vergessene Perlen zu präsentieren; so kam sie auf Galuppi, und so holte sie auch die Rigoletto-Paraphrase von Verdi/Liszt aus der Notenkiste hervor. Die sonore Verdimelodie aus dem „Rigoletto“ wurde mit Liszt'schen Glitzerfiguren umspielt, wieder ein Unterhaltungsstück auf höchstem Niveau. Nach der Pause erklang, zum zweiten Mal in Meßkirch, ihre Interpretation der großen c-moll-Sonate von Schubert, vier Wochen vor seinem Tod entstanden. Hier weicht Henriette Gärtner von der üblichen Praxis ab, das Werk als von Todesahnungen durchwehtes Stück zu sehen. Von den ersten Akkorden an interpretiert sie diese Sonate als Schuberts Auseinandersetzung mit dem überragenden Beethoven, hebt den zweiten Satz mit seinen Spannungspausen und Farbwechseln in überirdische Höhen; vor allem nimmt sie den letzten Satz als lebensbejahende Tarantella mit einer Stretta am Schluss. Der Beifall wurde mit Zugaben belohnt: zwei Bagatellen von Beethoven und der Tarika I von Peter Feuchtwanger, ein Klangstück in Nachahmung persischer Musik für das Instrument Santur. (wf)

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