Meßkirch Gebärdensprachkurs in Meßkirch hat Zukunft

Der Gehörlose Gerhard Heinzle gibt in Meßkirch einen Gebärdensprachkurs – eine Premiere im Landkreis, viele Interessenten stehen auf einer Warteliste. Bislang war allerdings unklar, ob das Angebot des katholischen Bildungswerks auch weiter bestehen wird, denn eine Förderung gab es nicht.

Wer sich mit Gerhard Heinzle unterhält, merkt erstmal nichts von seiner Gehörlosigkeit. Was auffällt, ist sein aufmerksamer Blick ins Gesicht, denn er liest von den Lippen ab. Die Antwort kommt ihm dann ganz flüssig über die Lippen. Dennoch wählen viele Gehörlose die Gebärdensprache, um sich mit anderen auszutauschen. Das Problem: Bisher gibt es kaum eine Möglichkeit, die Sprache zu lernen. Gerhard Heinzle hat das geändert, er gibt mit dem katholischen Bildungswerk Meßkirch seit Januar den ersten Kurs im Landkreis. Jetzt ist klar, dass das Projekt Zukunft hat: Im Oktober soll der nächste Anfängerkurs beginnen, 2018 dürfen Fortgeschrittene ihr Wissen vertiefen.

Wie groß das Wissen bereits ist, zeigt sich bei einer der vorerst letzten Übungsstunden im Haus der Musik in Meßkirch. Die acht Teilnehmer kennen schon viele Begriffe, finden Parallelen zwischen einer Formulierung und der nächsten. Bei diesen lautsprachbegleitenden Gebärden zählen Mimik und Gestik – während die Hände eine Gebärde zeigen, etwa das Zeigen des kleinen Fingers für "dünn", formen die Lippen das Wort mit. Das hilft, Missverständnissen vorzubeugen: Für die Worte "neidisch" und "Spaß" wandert der Finger etwa beide Male an die Nase, nur dass der Finger bei "neidisch" gestreckt und bei "Spaß" geklopft wird.

Gerhard Heinzle zeigt Mimik, Gestik und Mitsprechen.
Gerhard Heinzle zeigt Mimik, Gestik und Mitsprechen.

Viele der Teilnehmer haben gehörlose Menschen in ihrem Umfeld. Die Söhne von Iris und Peter Feineisen aus Pfullendorf sind beide nahezu gehörlos. Wenn es ihnen abends zu anstrengend wird, dem Stimmengewirr des Hörgeräts zu folgen, ziehen sie diese aus und sprechen Gebärden, erzählt Iris Feineisen. "Dann sind wir außen vor." Ihr Mann Peter ergänzt: "Wir haben immer wieder nach einem Kurs geschaut, sonst hätten wir das schon früher gemacht." So geht es vielen, die die Premiere des Gebärdensprachkurses nutzen: Gabriele Steidle aus Walbertsweiler wollte nach eigenen Angaben schon immer lernen, auf diese Weise zu kommunizieren, denn alleine mit einem Buch oder einer DVD falle das schwer. "Da ist keiner, der einem Fehler zeigt."

Gerhard Heinzle zeigt seinen Teilnehmern, wenn sie Fehler machen. Der Sprachkurs teilt sich in zwei Bereiche: Einzelne Wörter und ganze Sätze, die sich aus bereits gelernten Gebärden auch aus den Vorwochen zusammensetzen. Zwei Teilnehmern fehlen noch einige Worte: CDU-Landtagsabgeordneter Klaus Burger ist mit Sohn Michael vor Ort und hat gute Nachrichten mitgebracht: Nachdem er in Stuttgart keine Lösung herbeiführen konnte, wird eine Krankenkasse einen Teil der Kosten übernehmen. Und mit der Organisationsform einer Selbsthilfegruppe seien weitere Förderungen möglich. Das sei dem Engagement von Gerhard Heinzle zu verdanken – entsprechend erntet er mit winkenden Händen einen Applaus in Gebärdensprache.

Iris Feineisen und CDU-Landtagsabgeordneter Klaus Burger üben fleißig.
Iris Feineisen und CDU-Landtagsabgeordneter Klaus Burger üben fleißig.

Sprache und Kurs

  • Die Gebärdensprache ist eine eigene Sprache mit eigenständiger Grammatik, sie wurde 2002 mit dem Behindertengleichstellungsgesetz in Deutschland anerkannt. Gebärdensprache ist keine klassisch internationale Sprache, es gibt auch regionale Dialekte.
  • Der Kurs ist ein Angebot des katholischen Bildungswerks Meßkirch und startete im Januar mit Teilnehmern aus Meßkirch, Pfullendorf, Wald, Leibertingen, Stetten a.k.M und Schwenningen. Dozent ist Gerhard Heinzle aus Rulfingen, er ist gehörlos. Initiatorin des Kurses waren Waldemar Gorzawski, Leiter des Bildungswerks, und Bianca Metz, Europameisterin im Schwerhörigen-Radrennen aus Meßkirch. Es ist laut Gorzawski der erste Gebärdensprachkurs im Landkreis Sigmaringen, rund 50 Menschen haben sich dafür interessiert.
  • Die Kosten: Der Gebärdensprachkurs wurde bisher nicht gefördert, Teilnehmer zahlen eine Kursgebühr von 100 Euro – diese wird jetzt reduziert. Das Land übernimmt Gebärdensprach-Unterricht nur für die rund 10 800 Gehörlosen in Baden-Württemberg, nicht für Angehörige.

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