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Meßkirch Flüchtlinge: MeßkircherThomas Nuding begibt sich auf eine Rettungsmission ins Mittelmeer

Kann man sorgenfrei dort Urlaub machen, wo viele tausend Menschen sterben? Freie Wähler Gemeinderat Thomas Nuding aus Meßkirch hat darauf eine eindeutige Antwort: "Nein." Im Oktober flog er in Richtung Malta, um als Kapitän auf einem Schiff der Hilfsorganisation "Sea Eye" in Richtung libyscher Küste zu fahren.

Mit Deckung von Marineschiffen europäischer Staaten kreuzte das Schiff über Tage in einem Bereich zwischen zwölf und 24 Meilen vor der Küste des afrikanischen Bürgerkriegsstaats. Und noch heute ist Nuding erschüttert über die Erlebnisse, die er auf dem Mittelmeer gemacht hat. Schlauchboote, mit denen Schleuser die Flüchtlinge auf das Meer bringen und von denen er von Zuhause aus dachte, dass sie 15 oder 16 Meter lang sind, entpuppten sich in der Praxis als zehn Meter-Boote, gefüllt mit bis zu 160 Menschen. "Die Boote sind so überladen, dass sie 30 Zentimeter aus dem Wasser herausgucken." Der Boden der Boote sei teils mit Brettern ausgelegt, dazwischen Lücken und über die Bretter würden Dielen gelegt. Zusammengehalten würden Bretter und Dielen mit Schrauben, die von unten her mit Unterlegscheiben durchgebohrt werden und die teils zehn Zentimeter nach oben ins Freie ragten.

Die Schlepper brächten die Flüchtlinge bis zum Ende der Zwölf-Seemeilen-Zone, wo die Hoheitsbefugnisse Libyens enden und schraubten den Flüchtlingsbooten dann den Motor ab, um ihn für die nächsten Boote wieder zu verwenden. Bedenke man, dass die italienische Insel Lampedusa, die die Flüchtlinge zu erreichen suchten, über 300 Kilometer entfernt ist, werde klar, dass die Flüchtlinge fast keine Chance hätten, ohne Motor zu überleben. "Wenn es keine privaten Hilfsorganisationen wie Sea Eye geben würde, würden im Mittelmeer Hunderttausende Flüchtlinge ertrinken", ist sich Nuding sicher. Mit Schiffen wie dem, mit er unterwegs war, würden Menschen vor dem Tod gerettet. Die Koordinaten, an denen die Flüchtlingsboote gesichtet werden, erhielten sie über die italienische Koordinierungsstelle für Seenotfälle in Rom.

Seien die Flüchtlinge dann mit Rettungswesten versorgt oder zur Not auf das eigene Schiff evakuiert, werde gewartet, bis die Flüchtlinge von einem Marineboot oder der Küstenwache aufgenommen werden, die sie dann nach Europa bringen.

"Es geht hier nicht darum, über Flüchtlinge herzuziehen. Es ist eine rein humanitäre Geschichte", sagt Nuding, der selbst passionierter Segler ist. Er kam über einen Vereinskollegen auf die Idee, sich auf hoher See zu engagieren. Als Rettungsschiff diente ein Kutter der ehemaligen Fischfangflotte der DDR. Bis der Motor lief, musste der Maschinist 15 Minuten Arbeit investieren. "Die Ventile mussten von Hand während der Fahrt geschmiert werden. Das war wie in einem alten U-Boot-Film", sagt Nuding. Mit Vollgas lief der Kutter sieben Knoten, etwa zwölfeinhalb Stundenkilometer.

Die Tragödien auf See gehen indes immer weiter. "Allein die letzten drei, vier Tage sind 340 Menschen im Mittelmeer ertrunken." "Aber es gibt sicher auch zig Menschen, die 500 Meter vor der afrikanischen Küste ertrinken." Die Dunkelziffer sei hoch. Nuding geht davon aus, dass dieses Jahr 10 000 Menschen im Mittelmeer sterben werden.

Titel Info

Kaum zurück von hoher See zurück hat sich Thomas Nuding schon für zwei weitere Rettungs-Einsätze 2017 bei der Nichtregierungsorganisation "Sea Eye" eingeschrieben. Sea Eye sei eine kleine Hilfsorganisation, bei der gerade darüber nachgedacht werde, ein zweites Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Ein Vorhaben, das freilich auch finanziert sein will. Wer den Flüchtlingen helfen will, könne beispielsweise bei Sea-Eye auch eine symbolische Rettungsweste für 20 Euro als Weihnachtsgeschenk kauft. Mehr Informationen unter: www.sea-eye.org

 

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