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Meßkirch Erste Flüchtlinge dürfen arbeiten

Handwerk und Industrie benötigen Arbeitskräfte. Seit Ende vergangenen Jahres ist auch die Gemeinschaftsunterkunft in Meßkirch in Betrieb und die ersten beiden Personen konnten von dort nun an die Firma Thoma in Rohrdorf vermittelt werden.

Ihre Aufgabe: Leichte Montagetätigkeiten, Verpacken und Sichtprüfungen, sagt Firmeninhaber Karl-Heinz Thoma. „Am Montag haben sie angefangen. Man muss den Leuten doch eine Chance geben.“ Auch bei der Bix GmbH soll nächste Woche ein Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft die Arbeit aufnehmen. Zunächst auf Probe bei einem Praktikum, sagt Insa Bix. Der Mann sei angeblich Ingenieur und nun gelte es zu prüfen, wie qualifiziert er tatsächlich ist. Der künftige Einsatzbereich des Mannes: Anlagentechnik. Für die Firma sei dies eine gute Situation, sagt Bix. „Die Wirtschaft braucht Leute, die motiviert sind und die sich einbringen wollen.“ Dabei sei es besonders im ländlichen Raum für die Unternehmen schwer, geeignete Bewerber zu finden. Der Kontakt über die Gemeinschaftsunterkunft sei unbürokratisch und schnell gewesen. Der künftige Praktikant sei Vater zweier Kinder und suche Wohnraum in der Stadt. „Dabei bietet ein Arbeitsplatz doch die beste Integrationsmöglichkeit“, sagt sie und fügt an, dass später durchaus auch eine Festanstellung für den Mann denkbar sei.

Laut Sanja Mühlhauser, Sozialarbeiterin der Caritas in der Gemeinschaftsunterkunft Meßkirch, gebe es dort derzeit 17 bis 18 potentielle Arbeitnehmer. Gabriele Bernhardt, Koordinierungsstelle für das Ehrenamt im Flüchtlingsbereich bei der Caritas, verweist darauf, dass für dieses Jahr eine Informationsveranstaltung für Arbeitgeber geplant ist, bei dem es um Fragestellungen rund um die Beschäftigung von Flüchtlingen gehen soll. „Das ist ein Thema, das wir stark voranbringen wollen.“ Mühlhauser sagt, dass es in der Gemeinschaftsunterkunft immer wieder vorkomme, dass Bewohner zu ihr kommen, um nach der Möglichkeit einer Arbeit zu fragen. So sei sie derzeit auch gerade bei dem Versuch, ein weiteres Praktikum zu vermitteln.

Eine weitere Anlaufstelle, wenn es um die Vermittlung von Flüchtlingen in die Arbeitswelt geht, ist auch Eberhard Samtner aus Sigmaringen, der im ganzen Kreisgebiet tätig ist. Samtner hat den „Arbeitskreis Flüchtlingspotentiale“ initiiert und steht unter anderem in Kontakt mit der Kreishandwerkerschaft. Oftmals sei es so, dass es himmelweite Unterschiede in Sachen Arbeitsorganisation und Technologie zwischen dem gibt, was die Flüchtlinge bisher in ihren Herkunftsländern kennen gelernt haben und dem, auf das sie vor Ort treffen. Hinzu kämen oft Schwierigkeiten wegen fehlender Sprachkenntnisse oder fehlender Mobilität. Doch investieren müssten Arbeitgeber ja ohnehin in ihren betrieblichen Nachwuchs – ganz gleich woher er kommt. Die Rückmeldungen, die er von Arbeitgebern bekam, zeigten ihm jedenfalls, dass diese hochzufrieden mit ihren neuen Beschäftigten sind.

 

Keine Prüfung bei Aufenthaltserlaubnis


Fragen und Antworten rund um das Thema Flüchtlinge und Arbeit:

1. Welchen Flüchtlingsschutz gibt es in Deutschland? Wer nach dem Grundgesetz (Artikel 16a) als politisch Verfolgter gilt, ist asylberechtigt und erhält eine Aufenthaltsberechtigung für drei Jahre. Nach einer erneuten Prüfung kann es eine Verlängerung oder eine unbefristete Niederlassungserlaubnis geben. Wer nach der Genfer Konvention und Artikel 3 des Asylgesetzes als Flüchtling anerkannt wird erhält ebenfalls eine Aufenthaltsberechtigung für drei Jahre, die verlängert oder in eine Niederlassungserlaubnis umgewandelt werden kann. Wer nach Artikel 4 des Asylgesetzes subsidiären Schutz genießt, gilt als Schutzberechtigter und erhält eine Aufenthaltsberechtigung für ein Jahr. Auch hier ist eine Verlängerung möglich und nach sieben Jahren auch eine Niederlassungserlaubnis.

2. Wie sind die Bestimmungen für Asylbewerber und Geduldete mit Blick auf den Arbeitsmarkt? Personen mit einer Aufenthaltsgestattung und einer Duldung haben ein Beschäftigungsverbot in den ersten drei Monaten nach ihrer Einreise, informiert die Bundesagentur für Arbeit in Balingen. Vom vierten bis zum 15. Monat gibt es eine Vorrangprüfung. Das heißt es wird geprüft, ob für die betreffende Stelle Deutsche oder EU-Bürger oder andere ausländische Staatsbürger mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus zur Verfügung stehen, informiert die Bundesagentur für Arbeit aus Balingen. Vom vierten bis zum 48. Monat prüft die Bundesagentur die Beschäftigungsbedingungen. Gezahlt werden muss in jedem Fall der Mindestlohn. Eine Zeitarbeit ist ab dem 16. Monat möglich. Die Vermittlung erfolgt über die Agentur für Arbeit. Ein Beschäftigungsverbot gilt für Geduldete aus sicheren Herkunftsstaaten.

3. Wie verhält es sich bei Personen, die eine Aufenthaltserlaubnis haben? Menschen, die dieses Aufenthaltsdokument besitzen, gelten als Asylberechtigte, als Zuwanderer mit anerkannter Flüchtlingseigenschaft oder als Kontingentflüchtlinge. Bei ihnen ist jede Beschäftigung in der Regel sofort und ohne eine weitere Prüfung erlaubt. Die Vermittlung erfolgt über das Jobcenter.

4. Wie ist der Bildungsstand der Flüchtlinge im Land? Wie die Bundesagentur in Balingen mitteilt, waren zum ersten Oktober 2015 8233 Personen im Land bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Davon hatten 5171 keine Deutschkenntnisse. Acht Prozent waren Akademiker, elf Prozent hatten Facharbeiter-Niveau und 80 Prozent keine Ausbildung.


 

Beschäftigung von Flüchtlingen und Asylbewerbern


Für Arbeitgeber aus dem Raum Meßkirch, die Interesse an der Einstellung eines Flüchtlings haben, gibt hier weitere Informationen:
In der Meßkircher Gemeinschaftsunterkunft ist Caritas-Sozialarbeiterin Sanja Mühlhauser erreichbar unter Telefon 0 75 75/9 26 30 95.

 

Unter dem Link „Beschäftigung von geflüchteten Menschen – www.arbeitsagentur.de“ sind unter anderem weiterführende Informationen darüber zu finden, unter welchen Voraussetzungen eine Arbeit oder Ausbildung möglich ist, was bei einem Praktikum beachtet werden muss oder welche finanziellen Unterstützungsleistungen Arbeitsagenturen und Jobcenter gewähren können.

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