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Meßkirch Er sammelt Titel wie andere Briefmarken

02.09.2011


Meßkirch – Am 29. Juli verwandelte der 29-jährige Robert Kampczyk den Satz- und Spielball zum Weltmeister-Titel.

Die deutsche Nationalmannschaft des Behinderten-Volleyballs erspielte sich in Phnom Penh in Kambodscha vor einer Kulisse von 8000 jubelnden Zuschauern zum vierten Mal den Weltmeistertitel. Aus den Händen des Ministers für „Social Affairs“ erhielt Robert Kampczyk die Trophäe für den besten Angreifer.

Nun ist Robert Kampczyk wieder zurück in Meßkirch, wo er seit Februar wohnt. In die Kreutzer-Stadt lockte ihn seine Lebenspartnerin Birte Pförtner, die seit knapp drei Jahren Westernpferde trainiert. In Dresden geboren und mit Lebensstationen in Köln und Zürich genießt der 29-Jährige die Ruhe in Meßkirch. „Allerdings bin ich daran gewöhnt, rauszugehen und in die Bahn zu steigen, wenn ich irgendwo hin will“, meint der Volleyballer schmunzelnd. Hier müsse man sich daran gewöhnen, das Auto zu nehmen.

Volkssport in Kambodscha

Warum ausgerechnet in Kambodscha die wichtigsten internationalen Wettkämpfe im Behinderten-Volleyball ausgetragen werden? Diese Frage kennt Kampczyk aus zahlreichen Interviews. In Kambodscha sei Volleyball zum einen Volkssport, zum anderen gebe es dort wegen der Minen viele Behinderte. Es war dann der in Kambodscha lebende Australier Chris Minko, der den Behindertensport ins Leben gerufen hat. „Für uns ist der Austragungsort ganz praktisch“, erläutert Kampczyk. „Der Flug ist zwar teuer, aber das Leben dort recht günstig.“ Vor allem gehöre die deutsche Mannschaft zu den Lieblingen der Kambodschaner, nicht nur wegen ihrer Erfolge.
„Wenn wir in Phnom Penh in der Stadt sind, werden wir häufig angesprochen“, berichtet der Nationalspieler. Ein weiterer Vorteil des Austragungsortes sei die Unterstützung, die der Behinderten-Volleyball erhalte, bis zum König hoch, so dass auch das Fernsehen das Finale live übertrug.

„Ich selbst muss immer im Spiel bleiben“, erklärt Kampczyk. Wegen der vollständigen Lähmung seines rechten Armes gehört er zur Spielerkategorie C. Ein Athlet dieser Kategorie ist in der Mannschaft obligatorisch (siehe Infokasten). In Deutschland gibt es keine Behindertenliga, insofern trainieren die Mitglieder der Nationalmannschaft in Nichtbehinderten-Mannschaften. „Das ist auch gut so“, bestätigt Kampczyk, „denn da müssen wir uns gut durchsetzen.“ In der Regel trainieren die Spieler ein bis zwei Mal die Woche, da alle voll berufstätig oder im Studium sind. Robert Kampczyk ist Kundenbetreuer für eine Schweizer Software-Firma und spielte bis zur vergangenen Saison in Zürich. Seit dieser Saison trainiert er bei der TG Tuttlingen, die in der Verbandsliga Südbaden spielt. Als Behinderten-Nationalmannschaft trainieren die Spieler nur drei bis vier Mal im Jahr. „Wenn wir irgendwo im Trainingslager sind, haben wir häufig ein Freundschaftsspiel gegen die Heimmannschaft – und die staunen nicht selten, dass sie gegen uns kaum eine Chance haben“, berichtet der Volleyballer.

Dass in seinem Leben der Sport eine wichtige Rolle spielen wird, stand für Robert Kampczyk immer außer Frage. Die Mutter war Handballerin und der Vater Fußballer. Seine sportliche Laufbahn begann er mit Schwimmen, es folgte Orientierungslauf, bis er 1998 beim Basketball für das Volleyball-Spiel entdeckt wurde.

„Das bedeutete erst einmal harte Arbeit, um mir die Grundkenntnisse anzueignen“, blickt er auf diese erste Phase zurück. Im Jahr 2001 startete er dann in der deutschen Behinderten-Nationalmannschaft, die mittlerweile als dreifacher Weltcup-Gewinner, fünffacher Europameister, vierfacher Weltmeister und vierfacher Paralympics-Sieger zu der erfolgreichsten Behindertenmannschaft der Welt zählt.

Dieses Jahr stehen für Robert Kampczyk in sportlicher Hinsicht noch der Halbmarathon von Lindau nach Bregenz sowie der Beach-Volleyball-World-Cup in Malaysia auf dem Programm. Nächstes Jahr geht es dann zur nächsten Weltmeisterschaft nach Ägypten.

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