Nur eine knappe Stunde hat der Vortrag des Leiters des Bildungswerkes Meßkirch, Waldemar Gorzawsky, über eine Reise nach Guedelon im französischen Burgund gedauert, wo nach mittelalterlichen Methoden eine Burg gebaut wird. Er stand unter dem Thema „Von Guedelon lernen: Klosterstadt – profitables Unternehmen oder ewiger Zuschussbetrieb.“ Dann verließ die Mehrzahl der Besucher, etwas mehr als ein Dutzend waren der Einladung gefolgt, unter Protest den Vortragssaal im Herz-Jesu-Heim.
Empört brachten einzelne Besucher zum Ausdruck, dass es sich keineswegs mit den Interessen eines Bildungswerkes vertrage, wenn dessen Leiter, der zugleich Geschäftsführer einer Waffenhandlung ist, derart offensichtlich wirtschaftliche Eigeninteressen vertrete. Hintergrund der Kritik ist, dass sich Margarete Ratajczak, Gorzawskys Lebensgefährtin, bereits im März 2011 mit ihrer Firma die Namensrechte an der Wort-Bild-Marke „Karolingische Klosterstadt“ patentrechtlich hatte sichern lassen (der SÜDKURIER berichtete).
In der französischen Klosterstadt Guedelon, die sich über jährlich rund 100 000 Besucher in der Anlage freut, habe 1997 ein im Bau und der Restauration von Burgen und Schlössern erfahrener Privatmann sehr viel eigenes Kapital investiert und schließlich auch EU-Mittel erhalten, erklärte Gorzawsky. Dadurch habe dieses Projekt letztendlich zu einem profitablen Unternehmen entwickelt werden können. Das könne man keineswegs auf Meßkirch übertragen, kam der Einwand aus den Reihen der Zuhörer. Denn hinter dem Projekt „Klosterstadt Meßkirch“ stehe ein von Bert M.
Geurten geführter eingetragener Verein, welcher gar keine Profite erwirtschaften dürfe, um nicht den Status der Gemeinnützigkeit zu verlieren. Zudem sei in Meßkirch zum einen sehr stark die Stadt und somit die öffentliche Hand in das Projekt eingebunden, zum anderen aber auch sehr vielfältiges ehrenamtliches Engagement. So sei des in höchstem Maße verwerflich, wenn nun Einzelne hinterrücks versuchten, durch patentrechtliche Tricksereien größtmögliche Gewinne aus dem Projekt abzuschöpfen, war die einhellige Meinung der Mehrzahl der Zuhörer.
„Das Klosterstadtprojekt muss profitabel sein und ich werde mir die notwenigen Rechte sichern, um zukünftig karolingische Waffen verkaufen zu können“, kündigte Gorzawsky an. Daraufhin verließ die Mehrzahl der Besucher die Veranstaltung im Herz-Jesu-Heim mit dem Hinweis, dass solch ein eklatanter Interessenskonflikt für die Zukunft des Meßkircher Bildungswerkes entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen müsse.
Nach dem weltberühmten Klosterplan von St. Gallen lassen der Verein Karolingische Klosterstadt und die Stadt Meßkirch eine frühmittelalterliche Klosterstadt entstehen.
Die dort gezeigte Kleidung entspricht nicht der ... mehr ...