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Meßkirch Ein Jahr Campus Galli - Bert M. Geurten zieht im Interview Bilanz

Am vergangenen Sonntag jährte sich die Eröffnung des Campus Galli. Bert M. Geurten, Vorsitzender des Klosterstadtvereins zieht eine Bilanz.

Herr Geurten, der Campus Galli ist jetzt ein Jahr geöffnet, woran hakt es am meisten?

Wir haben zuwenig Mitarbeiter und es könnten ein bisschen mehr Zuschüsse sein. Die Stadt sieht das wahrscheinlich anders aber unsere Mitarbeiter sind Oberkante Unterlippe mit Arbeit ausgefüllt.

 

Wie ist der Stand der Arbeiten und was soll diese Saison noch getan werden?

Wir bauen die Holzkirche und haben für das Steinfundament Mörtel nach einem Originalrezept aus dem neunten Jahrhundert mit Ziegelmehl angerührt. Auf einer Zeichnung aus der Karolingerzeit haben wir eine Kelle entdeckt, die wir nachgeschmiedet haben. Für die Kirche, die im Herbst stehen soll, müssen wir auch 100 Eichenstämme behauen. Ob es mit dem Dach vor Saisonende klappt, steht noch nicht fest. Im Herbst soll dann mit dem Bau der Scheune begonnen werden. Das ist der Plan für dieses Jahr in dem es noch tausend andere Kleinigkeiten gibt.

 

Worüber können Sie sich freuen, wenn Sie an die zurückliegenden Monate denken?

An die begeisterten Besucher, die sagen es ist ein tolles Projekt und wir kommen wieder. Seit dem 2. April waren 11 000 Besucher bei uns, seit der Eröffnung 2013 sind es 22 500.

Was ist Ihre größte Sorge, wenn Sie an die Zukunft des Campus Galli denken?

Das falscheste wäre es, wenn wir keine Unterstützung mehr von der Stadt erhielten. Aber das tun sie nicht. Ich habe immer gesagt, wir brauchen volle vier Jahre, um eine schwarze Null zu schreiben und das schaffen wir. Mehr kann ich nicht tun.

 

Die Eröffnung im Vorjahr hatte sich immer wieder verschoben, da Genehmigungen noch nicht vorlagen. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den zuständigen Genehmigungsbehörden in der Zwischenzeit entwickelt?

Das Regierungspräsidium Tübingen war sehr reserviert, jetzt hat die zuständige Abteilung einen Betriebsausflug zu uns geplant. Ich denke, das sagt alles. Für die Scheune ist die Statik eingereicht worden. Da sind wir gut im Zeitplan.

 

Haben Sie Kenntnis darüber, woher die Besucher der Klosterstadtbaustelle in der Regel kommen?

Prozentual kommen immer mehr Menschen von außerhalb des Landkreises. Das merkt man deutlich und das ist unser Ziel. Die Besucher kommen aus der Schweiz, aus Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und NRW. Genial ist die Alterstruktur, die vom Kindergartenalter bis zu 95 Jahren geht. Bei uns muss man laufen können.

 

Für Menschen mit Behinderungen oder eingeschränktem Gehvermögen gibt es aber Probleme. Haben Sie dieses Problem erkannt?

Ich denke darüber nach, da mir das Thema am Herzen liegt. Es gibt bei uns auch Kutschfahrten speziell für Behinderte. Für Rollstuhlfahrer ist der Wegbelag schwierig. Da arbeiten wir dran.

 

Hat sich bei der Suche nach einem Geschäftsführer schon etwas ergeben – vor Pfingsten hat es ja schon zwei Bewerbungen gegeben, die der Stadt vorlagen.

Ich habe auch noch zwei bekommen und jetzt muss man in Ruhe darüber sprechen. Vielleicht sollte man die Stelle auch teilen in einen technischen Bereich und in eine Stelle, die für die Büroorganisation überwacht. Denn auch dort fällt sehr viel an. Es gibt auch noch anderen Personalbedarf. Unsere beiden Bürodamen müssten ganztags da sein und wir bräuchten noch zwei Leute auf der Baustelle.

 

Ein Zimmermann sollte auf der Baustelle eingestellt werden, wie ist da der Stand?

Zwei haben leider wegen des Geldes abgesagt aber jetzt haben wir einen bekommen.

 

Wo liegt denn der Verdienst eines Ihrer Mitarbeiter?

Wir haben bei uns einen Durchschnittslohn von brutto 1700 Euro im Monat. Wir sind stolz, die Initiatoren des Projekts zu sein. Ich will mich nicht mit Lametta behängen aber wir haben mit viel harter Arbeit und mit der Hilfe vieler anderes etwa bewegt hier. Wir müssen uns nicht schämen dafür, was wir geleistet haben und die Stadt muss für uns keine Kredite aufnehmen. Der Campus Galli ist nicht dafür da, dass ich Mittelalter spielen kann, wie das gelegentlich gesagt wurde. Nein, wir machen das für die Region.

 

Wie entwickelt sich denn das Bus-Geschäft?

Im Juli haben wir 70 feste Buchungen, bis Jahresende sind es 150. Die Damen von der Touristinformation machen das für uns und da ist die Zusammenarbeit sehr gut. Frau Bausch sagt mir auch, dass sie bei Messen als Vertreterin Meßkirchs mit Respekt wahrgenommen werde, da sie aus der Stadt mit dem Campus Galli kommt.

 

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Kritik daran, dass Themen, die Entwicklung des Campus Galli betreffen, in nichtöffentlichen Gemeinderatssitzungen verhandelt wurden. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Seit einem Jahr zeichnet der Wirtschaftsförderer Wilhelm Stöcker jede unserer Rechnungen ab. Mehr Transparenz ist nicht möglich und ich habe nichts zu verstecken. Man soll nicht behaupten, unser Projekt ist undurchsichtig. Die Hauptkosten sind bei uns die Gehälter. Wenn der Bürgermeister entscheidet, etwas nichtöffentlich zu verhandeln hängt das nicht an mir aber ich habe es zu respektieren.

 

Wie steht die Suche nach Sponsoren?

Wir führen Gespräche, auch mit Schweizer Firmen. Ich hoffe, dass bis zum Ende des Jahres der erste sechsstellige Betrag wird fließen können. Vom jetzigen Landrat wurden wir unterstützt und ich erwarte auch von der neuen Landrätin Unterstützung. Etwa in der Form, dass wir die Darlehen nicht zurückzahlen müssen. Ich will uns nicht überschätzen aber wir sind ein Impulsgeber für die Region und es wäre schön, wenn man die Unterstützung durch die Kreisverwaltung noch ausbauen könnte.

 

Sie sagten jüngst, dass der Klosterstadtverein weiter dafür einstehen werde, dass auch dem Campus Galli kein Disneyland wird. Können Sie da konkreter werden?

Ich bin nicht gegen Kommerz, den gab es auch im neunten Jahrhundert aber, um nur zwei Beispiele zu nennen, wird es keinen Kaffee auf der Baustelle geben und sie wird werbefrei bleiben. All das muss draußen bleiben denn sonst können die Besucher bei uns nicht mehr entschleunigen.

 

 

Zur Person: Bert M. Geurten

Zu Bert M. Geurten, dem Initiator der Klosterstadt-Baustelle:
Bert M. Geurten aus Aachen ist Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt und Ideengeber für den Campus Galli. Der 54-Jährige ist nach Kreenhein-stetten gezogen und lebt dort zusammen mit seiner Mitstreiterin Verena Scondo, der stellvertretenden Vorsitzenden des Klosterstadtvereins. Geurten ist gelernter Großhandelskaufmann und arbeitete 18 Jahre als Journalist beim Radio. Er repräsentiert den Campus Galli nach außen . (mos)

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