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Meßkirch Dreikönigsaltar ist nach 250 Jahren wieder vereint

27.07.2012
Meßkirch -  Die derzeit laufende Zimmern-Ausstellung in der Kreisgalerie in Schloss Meßkirch zeigt neben vielen anderen Ausstellungsstücken auch den Hochaltar des namentlich unbekannten Meisters von Meßkirch.

Die beiden Standflügel des ehemaligen Meßkircher Hochaltars schließlich sind über Paris und Würzburg im Jahr 1900 nach München in den Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlung gekommen und befinden sich normalerweise in der Staatsgalerie in der Augsburger Katharinenkirche. Das linke Bild zeigt den heiligen Christophorus.  Bild: Günther Brender

Die linke Flügelaußenseite zeigt den heiligen Werner als Bischof von Merseburg mit goldener Mitra und grünem Pluviale, den Bischofsstab und ein aufgeschlagenes Buch in Händen haltend. Die Tafel gelangte über verschiedene Privatsammlungen nach Den Haag und gehört heute dem Bonnefantenmuseum in Maastricht.  Bild: Günther Brender

Die linke Flügelinnenseite zeigt den Kirchenpatron St. Martin im Bischofsornat mit einer unter seinem Mantel hervorlugenden Bettlergestalt als Attribut. Vor ihm kniet im standesgemäßen Harnisch und mit offenem Visier in Gebetshaltung der Stifter Gottfried Werner von Zimmern, kenntlich an dem viergeteilten gräflichen Wappen Zimmern/Wildenstein. Die Innenseiten der beiden Drehflügel (166 auf 40 Zentimeter) mit den Porträts des Stifterpaars gelangten über die Sammlung des Gelehrten Joseph von Laßberg, ebenso wie die rechte Flügelaußenseite mit einer Darstellung der heiligen Maria Magdalena, in den Besitz des Hauses Fürstenberg nach Donaueschingen. Seit einigen Jahren hängen alle drei Bilder - als Leihgabe des Fürstenhauses - in der Staatsgalerie Stuttgart.  Bild: Günther Brender

Das Dreikönigsbild (166 auf 93 Zentimeter) befindet sich ansonsten, eingezwängt in ein Rokoko-Gehäuse und damit in einer wenig glücklichen Aufstellung, über einem der linken Seitenaltäre der Meßkircher St. Martinskirche. Es zeigt unter einer antikisierenden Ruinenarchitektur Maria mit dem Jesuskind, beide von goldenen Scheibennimben hinterfangen, sowie die in farbenprächtige wertvolle Gewänder gekleideten heiligen Drei Könige.  Bild: Günther Brender

Diese Tafel zeigt den zweiten Kirchenpatron Johannes den Täufer im grünen Mantel und mit dem Lamm Gottes auf dem Arm. Ihm zu Füßen kniet die Stiftergattin Apollonia von Henneberg mit einer weißen, das halbe Gesicht verschleiernden Kopfhaube, ebenfalls gekennzeichnet durch das viergeteilte gräfliche Wappen Henneberg/Römhild. Die Tafel befindet sich normalerweise in der Stuttgarter Staatsgalerie.  Bild: Günther Brender

Die rechte Flügelaußenseite zeigt die Heilige Maria Magdalena, mit beiden Händen das Salbgefäß haltend und in ein zartblaues Gewand mit reichem Faltenwurf gekleidet. Analog zu den Stifterinschriften der Flügelinnenseiten befindet sich unter der Figur eine Inschrift mit einem Zitat aus Lukas VII, das auf die Sündenvergebung anspielt. Die Tafel kommt aus der Staatsgalerie Stuttgart.  Bild: Günther Brender

Der rechte Standflügel des Meßkircher Hochaltars zeigt den Heiligen Andreas mit seinen beiden Attributen »Buch« und »Andreaskreuz«. Der in leichter Linkswendung stehende Heilige trägt über einem grünen Unterkleid einen rosafarbenen Mantel. Sein Blick ist versunken nach oben ins Leere gerichtet. Wie die anderen auf dem Altar dargestellten Heiligen, so gehört auch St. Andreas zum Kreis der zimmerischen Hausheiligen. Der rechte Standflügel kommt aus der Augsburger Katharinenkirche in die Meßkircher Ausstellung.  Bild: Günther Brender

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Der Dreikönigsaltar gilt als einer der bedeutendsten Flügelaltäre der schwäbischen Kunstgeschichte und zugleich als das Hauptwerk des nach ihm benannten Meisters von Meßkirch. Denn entstanden ist er zwischen 1535 und 1538 für die Meßkircher Stadtkirche St. Martin. Das Mittelstück mit einer Darstellung der Anbetung der Heiligen Drei Könige gehört als einziges Relikt auch heute der Meßkircher Kirche.

Anlässlich der Barockisierung dieser Kirche ist der Altar schon 1772 in seine Einzelteile zerlegt worden. Die Seitenflügel gelangten, nachdem sie zunächst auf dem Dachboden der Kirche verwahrt wurden, im 19. Jahrhundert in den Kunsthandel. Erstmals seit rund 250 Jahren ist der Meßkircher Dreikönigsaltar nun für wenige Wochen im Rahmen der Zimmern-Ausstellung in der Kreisgalerie im Meßkircher Schloss wieder vollständig zu bewundern.

Die Grafen von Zimmern und den Meister von Meßkirch nennt man meist in einem Atemzug. Denn einen guten Teil seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung verdankt das Geschlecht der Zimmern eben jener in ihrem Auftrag entstandenen Meßkircher Kirchenausstattung mit insgesamt wohl zwölf Flügelaltären, die seinerzeit deutschlandweit ihresgleichen suchten. Der namentlich unbekannte zimmerische Hofmaler hat mit diesem um die sechzig Einzelgemälde umfassendem Großauftrag in Meßkirch sein Lebenswerk geschaffen; er wird heute zu den bedeutendsten Künstlern des 16. Jahrhunderts in Deutschland gerechnet.

Nicht minder bekannt sind die Grafen von Zimmern auch aufgrund ihrer Zimmerischen Chronik, einem der wertvollsten Geschichtswerke des 16. Jahrhunderts. Sehr zum Kummer der Kunsthistoriker hat ihr Verfasser, Graf Froben Christoph von Zimmern (1519-1566), den Maler mit keiner Silbe erwähnt. Über die kostspielige Frömmigkeit seines Onkels Gottfried Werner (1484-1554), dessen zahlreichen kirchlichen Stiftungen sein Erbteil empfindlich geschmälert hatten, war der ansonsten durchaus mitteilungsfreudige Chronist offenbar so erbost, dass er den Künstler buchstäblich totgeschwiegen hat.

Der Hochaltar mit dem Dreikönigsbild war der strahlende Höhepunkt einer erstaunlich ambitionierten Neuausstattung, die ab 1535 für die schon 1526 durch den Konstanzer Münsterbaumeister Lorenz Reder als spätgotische Säulenbasilika von Grund auf neuerbauten Kirche entstand. Elf weitere kleinere Flügelaltäre, allesamt vom Meister von Meßkirch geschaffen, zeigten in den Mittelstücken die Passionsgeschichte Christi und auf den Seitenflügeln eine fast unüberschaubare Anzahl von Heiligen. 52 Flügelbilder und acht Mittelstücke sind bis heute erhalten geblieben und inzwischen verstreut über Museen und Privatsammlungen der ganzen Welt (Berlin, Bodman, Coburg, Karlsruhe, New Haven, München, Nürnberg, Philadelphia, Rottenburg, Sankt Gallen, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Warschau, Wolfegg und Zürich).

Gottfried Werner von Zimmern hatte mit dem Neubau der Meßkircher St. Martinskirche inmitten der Stürme der Reformationszeit ein Bollwerk des Katholizismus errichten wollen. Für nahezu jede Berufsgruppe, jede Krankheit, jedes Alltagsproblem fand sich in der neuen Stadtkirche der zuständige Schutzpatron abgebildet. Ein Bildprogramm in solcher Dichte, Vielfalt und künstlerisch aus einem Guss war einzigartig in einer Zeit, als andernorts Altäre Bilderstürmern zum Opfer gefal-len waren, allenthalben religiöse Unsicherheit herrschte, potentielle Stifter sich in Zurück- haltung übten und selbst namhafte Künstler unter Auftragsnot zu leiden begannen und arbeitslos wurden.

Vor allem aber schien ein solch betont sinnenfreudiges und in allen Lebenslagen Trost und Hilfe verheißendes Altarprogramm geeignet, wan- kende Seelen im Schoß der alten römischen Kirche zu halten. 1525, im Jahr der großen Bauernerhebung, hatte nämlich auch die Meßkircher Bürgerschaft ihre Solidarität mit der aufrührerischen Landbevölkerung bekundet und zugleich offen mit den neuen Gedanken der Reformation sympathisiert. Vom Auftreten lutherischer Winkelprediger ist die Rede. Der den Meßkirchern im Jahr darauf auferlegte Kirchenneubau mag auch als Straf- und Sühnemaßnahme verstanden worden sein. Und da der Graf selbst, wie sein Neffe Froben Christoph distanziert bemerkt, ein „gotzförchtiger und viel bettender herr“ und „warlicher catholicus“ war, erschien ihm der Großauftrag an den Meister von Meßkirch als die wirksamste Waffe im Sinne einer kirchlichen Propaganda.

Weitere Bildergalerien
Serie "Stadtgeschichte"

In der Kreisgalerie Schloss Meßkirch läuft noch bis zum 16. September die Aussstellung "Mäzene, Sammler, Chronisten. Die Grafen von Zimmern und die Kultur des schwäbischen Adels". In der SÜDKURIER-Serie werden ausgewählte Ausstellungsstücke vorgestellt, die einen Bezug zum Ausstellungsort Meßkirch haben.

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