Meßkirch Dilemma mit Notruf-Faxen
Meßkirch – Markus Hellstern, Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Rohrdorf, engagiert sich in der Brandschutzaufklärung behinderter Menschen. Ein Gebiet, das im öffentlichen Bewusstsein wenig vorhanden ist und für das Aufklärungsbedarf besteht, wie er sagt.
Hellstern nennt ein Beispiel: In ganz Baden-Württemberg könnten Hörgeschädigte einen Notruf über SMS an die 112 senden, der dann bei den jeweiligen Rettungsleitstellen per Fax eingeht. Das Problem bestehe nun aber darin, dass dies meist nicht bekannt sei und dass viele Rettungsleitstellen eigene Notruf-Faxnummern angeben und nicht auf die Möglichkeit mit der 112 hinweisen.
In Sachen barrierefreier Brandschutz nahm Hellstern jüngst auch an einer Fachtagung zum Thema „Brandschutz für Menschen mit Behinderung“ in Frankfurt teil, bei der er sich weiter über dieses Gebiet informierte. Das Themenspektrum umfasste dort Einsatzberichte, Brandschutzkonzepte mit Fallbeispielen, die Anlagentechnik und die Organisation eines Einsatzes vor Ort. Ein besonderes Problem stelle so die Rettung von Menschen mit Behinderungen in einem Unglücksfall dar. Viele Menschen mit Behinderung seien auf eine Fremdrettung angewiesen und dies brauche viele Helfer und dauere sehr lange. Zwei Dinge, die gerade in der Anfangsphase eines Brandeinsatzes nicht zur Verfügung stehen, heißt es in einer Zusammenfassung der Tagungsergebnisse. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe weist darin zudem darauf hin, dass der Brandschutz für Menschen mit Behinderung auch viele Möglichkeiten zur besseren Integration und Inklusion bietet. Menschen mit Behinderungen setzten sich so gerne selbst selbstlos für andere Menschen ein.
Für Hellstern steht so fest, dass es in diesem Bereich noch eine Menge Arbeit gibt. Das Bekanntmachen der einheitlichen Faxnummern zum Absetzen eines Notrufes steht für ihn dabei zunächst jedoch an oberster Stelle. Hellstern, der derzeit eine Umschulung zum Heilerziehungspfleger an der Vöhringer Schule in Wilhelmsdorf absolviert, berichtet so von einer Schulveranstaltung, bei der er von einer Hörgeschädigten erfuhr, dass sie auf ihrer Fahrt nach Wilhemsdorf durch die Gebiete dreier Rettungsleitstellen fahre und so drei Faxnummern parat haben müsste für den Fall, dass unterwegs ein Notfall eintritt. Dabei müsse sie genau wissen, welche der Notruf-Faxnummern gerade die Richtige ist. In anderen Bundesländern sei es schon lange so geregelt, dass es landesweit nur die 112 gibt und dies auch entsprechend kommuniziert wird, beschreibt Hellstern das kaum beachtete Dilemma. Seine Hoffnung sei, dass es bei der anstehenden Zusammenlegung der Rettungsleitstellen Sigmaringen und Ravensburg zur Rettungsleitstelle Oberschwaben zum Ende dieses Jahres zu einer Änderung in dieser Informationspolitik kommt.
