Am 2. April 2013 soll es soweit sein: Die Klosterstadt-Baustelle in Meßkirch öffnet. Der Verein Karolingische Klosterstadt aus Aachen wird in der Stadt, deren wohl bekanntester Sohn der Philosoph Martin Heidegger ist, den St. Galler Klosterstadtplan, der im 9. Jahrhundert auf der Insel Reichenau entstand und heute in der St. Galler Stiftsbibliothek aufbewahrt wird, in die Tat umsetzen (wir berichteten).
Bei den Vorarbeiten zu dem Klosterstadt-Bauprojekt, das auf 40 Jahre angelegt ist und von dem sich seine Unterstützer erhoffen, dass es dem Tourismus einen starken Impuls verleiht, gelangte Bert Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, jedoch zu einer grundlegenden Frage: Wo sollte die Hauptachse des Komplexes mit der großen Klosterkirche und weiteren 51 Gebäuden im Gelände verlaufen? Dabei stieß er auf eine Gruppe des Ludwig-Uhland-Gymnasiums in Kirchheim unter Teck, die sich durch ihre astronomische Forschung einen Namen gemacht hatte und die die Orientierung (Ausrichtung nach Osten) der Klosterstadt für die Nacht auf den 1. August vornahm.
Das Ergebnis: eine Abweichung von 29 Grad in Richtung Norden. Kieß erläutert, dass man sich für den ersten August entschied, da auf diesen der Heiligentag „Petrus in Fesseln“ falle, der bereits in karolingischen Kalendern erwähnt werde. „Gleichzeitig ist der 1. August Nationalfeiertag in der Schweiz, was bei der Verwirklichung eines Plans aus St. Gallen auch nicht von Nachteil ist“ und schließlich habe man noch erfahren, dass Geurten just an diesem Tag seinen 63. Geburtstag feiert. Für Geurten steht die eigentliche Handlung der Orientierung, die, wie er sagt, im Wesentlichen aus der Beobachtung des Sonnenaufgangs besteht, weit über der reinen Berechnung, die die Gruppe schon vorab leistete. „Denn sie bindet auf natürliche Art die Klosteranlage in das Universum ein, indem seine Baulinie die kosmischen Gesetze berücksichtigt“, sagt Geurten.
Mit dabei bei der Bestimmung der Hauptachse war der Dokumentarfilmer Reinhard Kungel, der einen Fernsehfilm über das Projekt dreht. Nach der Orientierung soll die Grundsteinlegung im nächsten Jahr der zweite wesentliche Schritt für den Bau des Klosters sein, berichtet Kieß. Der Termin werde von seiner Gruppe demnächst bestimmt. Erst wenn Geurten den ersten Stein in die Baugrube gelegt hat, könne mit dem Bau der Klosterstadt begonnen werden. Und dafür, dass das Projekt ein Erfolg wird, gründete sich zwischenzeitlich auch der „Förderverein Karolingische Klosterstadt“ mit dem Sigmaringer Landrat an der Spitze, der das Vorhaben unterstützt.
Nach dem weltberühmten Klosterplan von St. Gallen lassen der Verein Karolingische Klosterstadt und die Stadt Meßkirch eine frühmittelalterliche Klosterstadt entstehen.
