Beuron Da fliegen die Fetzen: Heiße Debatte über den Luchs

„Eine sachliche Diskussion ist nur schwer möglich, sobald Vertreter verschiedener Gruppen im Raum sind“: Mit dieser Einschätzung lag Micha Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt goldrichtig. Thema war der Luchs, Schauplatz ein Vortrag im "Haus der Natur". Jäger, Bauern, Naturschützer, Wissenschaftler - jeder sieht das anders.

Beuron – Im übervollen Vortragsraum im „Haus der Natur“ gab es eine interessante über zweistündige Informations-Veranstaltung zum Luchs-Vorkommen in mitteleuropäischen Raum und in der Region. In der anschließenden Diskussion wurde es sehr lebhaft und die Gemüter erhitzten sich.

Gastgeberin Ute Raddatz vom Naturschutzzentrum als auch Peter Willmann, der Vorsitzende der Luchs-Initiative Baden Württemberg, waren überwältigt vom Interesse am Luchs. Als nach den Vorträgen die Diskussion eingeläutet wird, zeigt sich aber trotz versöhnlichem Abschluss und ausgleichender Worte, wie unterschiedlich die Haltung der verschiedenen Interessengruppen ist. Jäger, Bauern, Naturschützer, Wissenschaftler sind von der Wiederansiedlung des Luchses ebenso betroffen wie beispielsweise die Tourismusbranche. „Eine sachliche Diskussion ist nur schwer möglich, sobald Vertreter verschiedener Gruppen im Raum sind“, sagte Micha Herdtfelder, der bereits zweimal vor der Jägerschaft im Kreis referierte.

Die Jäger unterstützen die Zuwanderung der Luchse, das wurde aus den einigen Statements deutlich, nicht aber deren Auswilderung. Dennoch gibt es lautstarke Wortmeldungen von beiden Seiten. Weil damit die Sachlichkeit auf der Strecke blieb und angesichts des späten Abend immer mehr Besucher den Raum verließen, wurden die guten und informativen Vorträge des Abend fast entwertet.

Herdtfelder von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt beschäftigt sich mit dem Monitoring, also der Überwachung des Vorkommens von Wölfen und Luchsen. Er zeigte im ersten Vortrag des Abends die historische Entwicklung auf, die durch die Einstufung als Schädling zu einer Ausrottung des Luchses in Deutschland geführt hat. Der Referent machte klar, dass die Luchse eher scheu und für den Mensch nicht gefährlich sind. „Die Tiere sind hochspezialisierte Beutegreifer und Überraschungsjäger“, sagte Herdtfelder. Ihre Beute seien zu 70 Prozent Rehe und zu 21 Prozent Gemsen.

Inzwischen haben Experten wieder vier aus dem Jura und den Alpen zugewanderte Luchse in Baden-Württemberg ausmachen können, darunter den bekannten Luchs Friedl. Er hat einen Sender bekommen, anhang dessen man sein Verhalten dank der GPS-Daten über ein Jahr nachverfolgt hat. Alle bis jetzt identifizierten Luchse sind männlich, da sie offensichtlich mutiger sind und die vom Mensch gebauten Sperren wie Straßen, Brücken und Gräben umgehen, während die Weibchen sich das nicht trauten. Ob man das ändern kann und will, ist einer der zentralen Streitpunkte.

Der Vortrag von Donautal-Ranger Armin Hafner war mehr eine Präsentation von älteren und aktuellen Fotos von Luchsen. Hafner, der selbst auch Jäger ist, hatte 2015 im Donautal den ersten Luchs gesichtet. „Als ich das damals erzählt habe, hat man es als Jägerlatein abgetan“, erinnerte er sich. Inzwischen hat Hafner die Luchse dank moderner Kameratechnik und feinem Gespür für das Verhalten der Tiere mehrfach vor die Linse bekommen. Eindrucksvolle Fotos und Videosequenzen in schwarz-weiß und in Farbe sowie die Erläuterungen begeisterten die Besucher.

Der Luchs

Der Luchs war in Europa weitgehend ausgestorben. Ab 1970 hat ein Sinneswandel stattgefunden und es wurden in der Schweiz wieder Luchse ausgewildert. In Baden-Württemberg gab es in den Folgejahren zwar eine Diskussion darüber, aber eine Genehmigung durch das Ministerium blieb aus. Um die Akzeptanz zu verbessern, gründet sich 2004 die heutige "AG Luchs und Wolf" und ist bemüht, die Interessengruppen zu moderieren.

Informationen im Internet: www.luchs-bw.de

 

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