Am 17. Februar ist Meßkirch nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschlittert. Das erklärte Feuerwehrkommandant Markus Gruber am Montag vor der Großen Strafkammer beim Landgericht Hechingen am fünften Verhandlungstag gegen einen Hausbesitzer. Der Mann soll laut Staatsanwaltschaft an diesem Morgen sein Haus am Adlerplatz angezündet haben, obwohl sich noch Menschen darin befanden. Die Anklage lautet deshalb auf versuchten Mord (der SÜDKURIER berichtete).
Ein Schwerpunkt bei der Einvernahme der Zeugen von der Feuerwehr und der Polizei war das Verhalten des Tatverdächtigen am Brandort. Das Feuer war in einem Computerladen im Erdgeschoss des Gebäudes ausgebrochen. Obwohl der Brandherd nach dem Ablöschen der Flammen aus Sicherheitsgründen noch gesperrt gewesen sei, habe sich der heutige Angeklagte Zugang zu dem Ladenlokal durch die von der Feuerwehr eingeschlagene Schaufensterscheibe verschafft. Dabei habe er auch einen im Schaufensterbereich aufgestellten Monitor zur Seite getreten. In dem Ladenlokal schien der Mann nach etwas zu suchen. Nach was er suchte, konnten sich die Feuerwehrleute nicht erklären. Erst später zeigte sich, als der Brandsachverständige an derselben Stelle im Brandschutt mit dem Fuß scharrte, dass dort ein Plastikdeckel lag.
Ob der Angeklagte nach diesem Plastikdeckel suchte, der, wie der Vorsitzende Richter Herbert Anderer erläuterte, zu einem Benzinkanister gehörte, ist noch unklar. Nach wie vor ungeklärt ist auch, wie die blaue Tonne, die bei der Brandstiftung eine Rolle spielte, aus dem Ladenlokal verschwand. Auf den Bildern, die die Feuerwehr unmittelbar nach den erfolgreichen Löscharbeiten machte, ist die Tonne noch zu sehen. Auf den später von der Polizei gemachten Aufnahmen ist sie verschwunden. Die Feuerwehrzeugen sind sich aber sicher, dass sie es bemerkt hätten, wenn jemand die Tonne weggebracht hätte. Der Angeklagte selbst hat zugegeben, das Gefäß am Brandmorgen in den Keller gebracht zu haben. Die ersten Polizeikräfte vor Ort aus Sigmaringen hatten noch keinen Anhaltspunkt für eine Brandstiftung erkennen können. Deshalb verließen sie auch den Brandort und vertrauten ihn der Feuerwehr an. Erst rund 45 Minuten später trafen die Kollegen vom Polizeiposten Meßkirch an und setzten die Ermittlungsarbeiten fort. Zusammen mit den Mitarbeitern der Kriminaltechnik stießen sie auf deutliche Hinweise auf eine mögliche Brandstiftung. Die Ermittlung ging deswegen auf die Kriminalpolizei über.
Am kommenden Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt, dann sollen Gutachter ihre Expertisen vorlegen. Insgesamt sind 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 7. November gesprochen.
