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Meßkirch Armin Heim kritisiert fehlende Differenzierung in Gröber-Debatte

Der Vorsitzende der Museumsgesellschaft Armin Heim äußert sich zur Causa Conrad Gröber und setzt sich für eine Differenzierung ein, die der Autor Wolfgang Proske vermissen lasse. Heim ermuntert den Gemeinderat, zu seinen Ehrenbürgern zu stehen – von der Stadt Meßkirch könne man nicht erwarten, ein Urteil über die Politik der katholischen Kirche im Dritten Reich zu fällen.

Bald wird der Gemeinderat Meßkirchs über die Causa Conrad Gröber sprechen, im Vorfeld äußert sich nach Zeitzeuge Josef Joos (der SÜDKURIER berichtete) auch Armin Heim, Vorsitzender der Museumsgesellschaft. Wie bereits Joos spricht er sich für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Meßkircher Erzbischof aus – und kritisiert an Wolfgang Proske, der die Diskussion mit einem Vortrag zu seinem Buch "NS-Belastete aus Südbaden" ins Rollen brachte, dass eben diese Differenzierung bei ihm nicht stattgefunden habe. Heim: "Für eine Neubewertung der Causa Gröber erscheint sein Aufsatz durchaus zu schmalbrüstig."

Der Historiker Heim bezeichnet es als bemerkenswert selbstbewusst, wenn ein Gastredner dem örtlichen Publikum "Nachhilfeunterricht erteilt, welche Konsequenzen aus seinen eigenen Forschungsergebnissen zu ziehen seien". Besonders vor dem Hintergrund, dass ein ähnliches Ansinnen kürzlich in Freiburg von einer Historikerkommission abgelehnt wurde. Heim war für die Museumsgesellschaft Gastgeber des Abends und hat mit einem solchen Verlauf nach eigener Aussage nicht gerechnet. Er vermutet auch wirtschaftliche Interessen: "Vielleicht erweist sich das bewusste Entfachen medienwirksamer Diskussionen ja verkaufsfördernd für eine Buchreihe." Heim zieht eine neutrale Herangehensweise in Zweifel, da der Aufsatz über Gröber speziell für eine Buchreihe mit Nazi-Biografien geschrieben wurde und Proske zugleich Autor wie Herausgeber ist.

In dem Aufsatz würden Gröbers kirchenpolitisches Taktieren, sein persönliches politisches Weltbild und sein Charakter vermischt. "Aus allen drei Ebenen werden beliebig Bruchstücke herangezogen und zur gewünschten braunen Melange verrührt, damit am Ende ein möglichst negativer Gesamteindruck stehen bleibt." Dabei darf man laut Heim nicht vergessen: "Ein Erzbischof ist immer Sprachrohr seiner Kirche", daraus könne man keine Rückschlüsse über die wirkliche Denkweise Gröbers ziehen.

Der Heimathistoriker geht noch einen Schritt weiter: Die Zusammenarbeit mit dem Staat könne auch als Erfolgsgeschichte gesehen werden. "Die katholische Kirche blieb in Hitlers Staat die einzige Massenorganisation, die nicht gleichgeschaltet oder staatlich unterwandert wurde." Um den damit verbundenen Freiraum zu erhalten, habe Gröber sich nach außen "notgedrungen leider allzu oft mit einem braunen Mäntelchen" umgeben. Heim bezeichnet das als Maskerade und merkt an, dass Gröber diese fallen ließ, als das verbrecherische Gesicht des Regimes offenbar wurde. Wolfgang Proske habe Gröber zum Vorwurf gemacht, dass er sich zumindest in den Anfangsjahren hinter die neue Regierung gestellt habe. Laut Heim ist das aber normales Vorgehen eines Erzbischofs, die Regierung Hitler war demokratisch gewählt.

Solche Differenzierungen fehlen Heim bei Proskes Arbeit. "Von einem Historiker sollte man aber erwarten dürfen, genau solche Unterschiede herauszuarbeiten." Von einer Stadt wie Meßkirch wiederum könne man nicht erwarten, ein Urteil über die Politik der katholischen Kirche im Dritten Reich zu fällen. "Und wenn sich die Kritik an Gröbers persönlicher politischer Einstellung am Ende auf die Erkenntnis reduziert, dass auch er ein Kind seiner Zeit war, dann war von vornherein nichts anderes zu erwarten. Schließlich ist von keiner Gemeinde zu fordern, dass sie ihre Ehrenbürger einer Charakterprüfung unterziehen."

Proske habe zwar manch neues Material geboten, aber nichts substanziell Neues. Auch die Vorwürfe in der Affäre um Irene Fuchs seien nicht neu. "Neu sind lediglich einige Kopien, die sich Proske offenbar illegal aus einem französischen Archiv beschafft hat", sagt Heim. Dabei gestehe der Autor selbst ein, dass nach Quellenlage die Angelegenheit nicht abschließend zu beurteilen sei. Armin Heim möchte den Meßkircher Gemeinderat daher ermuntern, sich bei dieser und künftigen Debatten schützend vor die eigenen Ehrenbürger zu stellen "und sich jedenfalls nicht noch selber an einem billigen Kesseltreiben zu beteiligen".

Die Gröber-Debatte

Wolfgang Proske stellte am 28. März sein Buch in Meßkirch vor und sprach über Conrad Gröber, den ehemaligen Erzbischof in Freiburg, und seine Rolle in der Nazizeit. Dabei gab er zu bedenken, ob Gröber als Namensgeber für Straßen, Plätze oder öffentliche Einrichtung noch haltbar sei. Am 2. Mai wird sich der Gemeinderat mit dem Thema befassen.

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