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Meßkirch „Die Stadt muss sich entscheiden“

28.01.2012
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Eberhard Müller und Wolfgang Sauter, die Schulleiter des Meßkircher Gymnasiums und der Realschule, zur Entscheidung des Gemeinderats, die Anschaffung von Activeboards für beiden Schulen aus dem Haushalt 2012 zu streichen.

Die Schulleiter Eberhard Müller und Wolfgang Sauter äußern sich zur Gemeinderatsentscheidung, die Ausstattung von Gymnasium und Realschule mit Activeboards zu streichen.

Herr Müller, sind Sie enttäuscht darüber, dass der Gemeinderat die Activeboards abgelehnt hat?

Natürlich bin ich enttäuscht, genauso wie viele meiner Kollegen und viele Schüler, besonders deshalb, weil wir jetzt weiter in die alte Technik investieren müssen, denn unsere Tafeln sind in die Jahre gekommen. Aber ich verstehe den Sparwillen des Gemeinderats. Verzicht auf neue Schulden ist auch ein Dienst an der Jugend, die später für unsere Schulden blutet.

Herr Sauter, wie sehen Sie diese Entscheidung?

Es hat mich gewundert, denn ich hatte den Eindruck, dass der Gemeinderat für die Anschaffung war. Es ist schade, dass wir jetzt nicht auf der top modernen Seite sind, aber die Entscheidung muss man akzeptieren.

Herr Müller, wie kam es überhaupt dazu, dass beide Schulen hätten komplett ausgestattet werden sollen?

Die Schulen können aus Eigenmitteln höchstens einzelne Activboards anschaffen. Für die Lehrer muss es klar sein, sollen sie sich ihre Vorbereitungen digital oder herkömmlich machen. Es ist unmöglich, stets zweigleisig zu fahren. Dieser Sachverhalt ist dem Bürgermeister und der Stadtverwaltung bekannt. Deshalb haben sie die Umrüstung auf die Boards in den Haushaltsplan der Stadt aufgenommen.

Seitens der Freien Wähler war in der Diskussion der Standortvorteil ins Gespräch gebracht worden, den die Meßkircher Schulen durch die Anschaffung der Boards erhalten hätten. Wie sehen Sie das?

Es ist schön, dass die Freien Wähler so viel Weitblick haben. Die Meßkircher Schulen sind durch das Engagement der Lehrer und Dank der Bemühungen des Gemeinderats und der Stadt Meßkirch sehr gut aufgestellt.

Hätten Sie einen Standortvorteil gesehen, Herr Sauter?

Ich weiß nicht, ob es einen Standortvorteil gebracht hätte. Die Eltern hätten so etwas aber gerne gesehen und die Schüler sprechen sehr darauf an.

Herr Müller, im Gemeinderat wurden seitens der CDU-Fraktion Zweifel angemeldet, ob sich die Lehrer auf einen Schlag alle auf die neue Technik umstellen könnten. Trifft das zu?

In dieser Sache beruft sich der Fraktionsvorsitzende der CDU, Herr Amann, angeblich auf eine Aussage des staatlichen Schulamtes. Dabei kann es sich nur um ein Missverständnis handeln. Das Staatliche Schulamt hat höchsten Respekt vor den Leistungen der Lehrerschaft. Durch schulinterne Fortbildung sind bereits jetzt alle Lehrer unserer Schule in kürzester Zeit in der Lage, an diesen Boards zu arbeiten.

Herr Sauter, wie sehen Sie das für das Kollegium der Realschule?

Wir hätten zunächst einen Mehraufwand gehabt aber die Umstellung wäre auf jeden Fall gegangen. Eine komplette Umstellung hätte uns die Arbeit erleichtert denn jetzt muss mit zwei Methoden unterrichtet werden. Für die jungen Kollegen ist die Arbeit an den Boards eine Leichtigkeit und momentan arbeiten sogar die älteren Kollegen mehr mit den Boards als die jungen.

Herr Müller, im Gymnasium müssen einige Kreidetafeln in den kommenden Jahren ersetzt werden. Werden dafür nun weitere, einzelne Activeboards gekauft?

Die Schule besitzt inzwischen sechs Activboards. Die Stadt Meßkirch muss sich entscheiden auf welches Konzept die Schule in Zukunft setzt. Besser für unsere Schüler wären die Activboards, einfacher für uns Lehrer sind die Kreidetafeln. Die Lehrer des Martin-Heidegger-Gymnasiums sind im Interesse ihrer Schüler bereit, den schwierigen Weg zu gehen.

Herr Sauter, wie geht es an der Realschule weiter?

Wir möchten für unseren zweiten Technikraum noch Geld aus unserem Etat für ein viertes Activeboard an der Schule raussparen. Aber in 2012 wird das nicht gehen. Es würde schon Sinn machen, wenn wir überall die neuen Boards haben.

Herr Müller, seitens der SPD heißt es, dass die individuelle Förderung von Schülern in Zukunft noch wichtiger werde und damit die Bedeutung, alle Schüler mit Computern auszustatten, in den Vordergrund treten wird. Wird der Frontalunterricht in den kommenden Jahren an Bedeutung verlieren?

Rot-Grün hat die weitere Senkung des Klassenteilers am Gymnasium gestoppt. Je mehr Kinder in einer Klasse sind, desto weniger Zeit hat man für das einzelne Kind. Die Schulen des Landes haben sich schon längst vom alleinigen Vorrang des Frontalunterrichts verabschiedet. Das Martin-Heidegger-Gymnasium ist innovativ und setzt moderne didaktische Konzepte in die Tat um. Ich bin nicht der Ansicht, dass die Computer die Lehrer der Zukunft sein werden. Im Gegenteil, die Person des Lehrers wird noch mehr für ein erfolgreiches Lernen an Bedeutung gewinnen, weil die Beziehungsebene im Lernprozess stets unterschätzt wurde.

Herr Sauter, wie sehen Sie die technische Weiterentwicklung der Unterrichtsmaterialen – wohin wird der Weg da führen?

Es geht klar in Richtung Digitalisierung. In den Activeboards sehe ich eine gute Möglichkeit zur individuellen Förderung. Per Klick kann ich unterschiedliche Materialien auf die Tafel holen. Für die Schüler, die schneller arbeiten, Zusatzaufgaben und wenn es Fragen gibt, kann ich Tafelbilder laden, die vor einer Woche dran waren und etwas noch mal erklären. Es ist allerdings die Aufgabe der Schulleitung darauf zu achten, dass die Boards auch entsprechend genutzt werden. Für die Boards spricht auch, dass mit ihnen die Anschaffung von Tageslichtprojektoren, Fernseher oder DVDs entfällt. In Zukunft wird es auch digitale Schulbücher geben, bin ich mir sicher. Ich hätte so insgesamt schon einen Vorteil in den Activeboards gesehen und das war auch die mehrheitliche Meinung im Kollegium.

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