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Mengen Zuwachs im Kleinformat

21.08.2012
Mengen -  Die Bürgerwache Mengen hat neue Mitglieder in ihren Reihen, allerdings können sie nicht mitexerzieren, denn sie sind aus Zinn

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Die ehemalige Fuhrmannstadt an der Donau muss auch in Zukunft nicht auf die Präsenz von Soldaten verzichten. Selbst nach Schließung der Oberschwabenkaserne und dem damit verbundenen Abzug der Luftwaffe bleibt Mengen auf gewisse Weise Garnisonsstadt. Dies ist sie eigentlich schon seit dem Mittelalter mit Aufstellung der Bürgerwache. Und diese Truppe hat gerade wieder Verstärkung bekommen, allerdings nicht durch Zuwachs bei den Aktiven, sondern durch in Blei gegossene Miniatursoldaten in einer Größe von etwa sieben Zentimetern. Eine solche Bürgerwehr in Kleinformat wurde vor einigen Jahren bereits angefertigt, aber von diesen Modellen war kein Ersatz für beschädigte oder in Verlust geratene Exemplare mehr zu bekommen. So beschloss der Verwaltungsrat auf Vorschlag des Kommandos, den Schatzmeister Rapp mit der Suche nach einem geeigneten Hersteller zu beauftragen. Unter Zuhilfenahme des Internets wurden einige Firmen im In- und Ausland ausfindig gemacht. Allerdings zeigten sich die meisten davon für dieses Kleinprojekt uninteressiert oder nicht in der Lage, diese filigrane Arbeit zu leisten. Andere schieden von vorneherein aus, weil sie schlicht und einfach viel zu teuer waren. Schließlich fand sich ein Betrieb im französischen Anjou, der ausschließlich Miniaturfiguren verschiedener Größen in Bleiguss anfertigt. In einer seit 1825 laufenden Tradition ist dieser Familienbetrieb heutzutage noch der einzige in ganz Frankreich, der solche Figuren herstellt. Durch die reichhaltige Sammlung an Gussformen profitierte die Bürgerwache, in dem für Gewehre, Fahnen und Musikinstrumente keine neuen angefertigt werden mussten.

Anhand von Fotos der verschiedenen Uniformen und Ausrüstungen erstellte der Bildhauer die Prototypen. Dafür mussten von beiden Infanterie-, dem Musik- und dem Spielmannszug je ein Gewehrträger, die Fähnriche mit Begleitern, die Offiziere, je ein Musikant pro Instrument und der Dirigent und der Tambourmajor vor dem Bürgerwachheim Modell stehen, um sich von allen Seiten ablichten zu lassen. In einem speziellen Verfahren entstanden in der Werkstatt die Gussformen und danach erfolgte der Guss mit flüssigem Blei. Nach Abgräten und Zusammensetzen der einzelnen Teile gingen die Soldaten und Musikanten auf ihre erste Reise zu Frauen in der Umgebung. Dort erhielten sie in Heimarbeit die Bemalung. Vergangene Woche nahm der Schatzmeister der Bürgerwache die neue Sammlung in der Werkstatt nördlich von Saumur an der Loire in Empfang und ließ sich dabei die Fertigungsabläufe erläutern. Dabei durfte er dem Seniorchef, der im Alter von 80 Jahren noch täglich seine Kunst als Bildhauer und Graveur ausübt, einige Zeit bei der Arbeit zusehen.

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