– Als „Juwel“ bezeichnete der bündnisgrüne Umweltminister Franz Untersteller das neue Nahwärmenetz in Leibertingen. Das Regierungsmitglied war am Mittwoch Ehrengast bei der feierlichen Eröffnung in der Heuberggemeinde. Trotz des eigentlich ungünstigen Termins an einem Werktag, fanden sich rund 80 Bürger vor der neuen Heizzentrale und später im Gasthaus „Burg“ zum Eröffnungsfest ein.
Leibertingen gehört, wie Untersteller feststellte, zu den 38 Gemeinden im Land, deren Bürger sich zu einem Nahwärmenetz entschlossen haben. Wie der Bündnisgrüne weiter bilanzierte, sind entsprechende Netze in sechs weiteren Gemeinden im Bau. In 18 Kommunen zwischen Main und Bodensee laufen derzeit entsprechende Planungen.
Einer der wichtigsten Vorteile des neuen Nahwärmenetzes ist aus Unter stellers Sicht die regionale Wertschöpfung. Das Geld gehe somit nicht mehr in den Nahen Osten oder nach Russland, sondern bleibe in der Region. Unter steller lobte: „Es ist toll, dass sich gleich zu Beginn so viele Bürger an dem Projekt beteiligt haben.“ Er vermutet, die Einwohner der anderen Ortsteile werden sich bald um eine vergleichbare Lösung bemühen.
Für den Landkreis ergriff Erster Landesbeamte Rolf Vögtle das Wort. Der Vize-Landrat erinnerte zunächst daran, dass im Landkreis bereits 35 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien stammten. In den kommenden zehn Jahren erwartet der Redner die Steigerung dieses Anteils auf 50 Prozent. Einig zeigte sich Rolf Vögtle mit dem Ziel des Umweltministers, in Zukunft keine Biogasanlagen mehr zuzulassen, deren Abwärme nicht genutzt werde. Er führte aus: „Mit 50 Biogasanlagen im Landkreis ist das Potenzial ausgeschöpft.“ Von diesen 50 würde aber nur bei 17 die Abwärme beispielsweise zur Beheizung genutzt. Vögtle sprach in diesem Zusammenhang von vorhandenem „Optimierungspotenzial“.
Bürgermeister Armin Reitze und Hauptamtsleiter Siegfried Müller in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der kommunalen Betreibergesellschaft „Bioenergie Leibertingen GmbH“, betonten die mit dem Nahwärmenetz verbunden Gemeinschaftsleistung. Der Verwaltungschef sprach von einer „einmaligen Geschichte, weil in der Gemeinde noch nie so viel Geld für ein einzelnes Projekt investiert worden sei.“ Ebenso wie Siegfried Müller unterstrich Reitze die Pionierrolle von Bäumle-Hof-Bauer Lothar Braun-Keller als Ideengeber für das Projekt. Reitze: „Ohne ihn wären wir nicht hier!“
Jörg Dürr-Pucher, Geschäftsführer von „Clean Energy“, und Wolfgang Schüler vom gleichnamigen Ingenieurbüroernannten die Leibertinger zu „Helden der Energiewende“.

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